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Samstag, 28.04.2018

Mit Pferd auf Streife

Berittene Polizisten müssen eine sechsmonatige Zusatzausbildung machen. Lisa Kühne erzählt, was sie in Sachsens Reiterstaffel erlebt.

Von Gabriele Fleischer

Selbst auf dem Altmarkt in Dresden ist Polizeioberkommissarin Lisa Kühne auf Streife. Fragen zu ihrer Arbeit beantwortet sie den Bürgern gern.Foto: Polizei Sachsen
Selbst auf dem Altmarkt in Dresden ist Polizeioberkommissarin Lisa Kühne auf Streife. Fragen zu ihrer Arbeit beantwortet sie den Bürgern gern. Foto: Polizei Sachsen

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Es klingt nach einem Traumberuf für Pferdefreunde: Der Alltag eines berittenen Polizisten bedeutet mindestens vier Stunden täglich an der frischen Luft und im Sattel. Häufig auch in attraktiver Umgebung, denn die Streife in Parks und Naherholungsgebieten ist Pflicht. Für Polizeioberkommissarin Lisa Kühne von der Bereitschaftspolizei Sachsen ist es tatsächlich ein Traumberuf.

Allerdings sei der nicht immer romantisch. „Gerade bei Demonstrationen wie um den 13. Februar in Dresden oder zu anderen Anlässen kommen wir oft an unsere Grenzen“, sagt die Döbelnerin. Aber nicht nur, weil es immer Leute gebe, die pöbeln, auch die Geräuschkulisse verlange viel von Reitern und Pferden. „Wenn es irgendwo brennt, Böller gezündet werden, laute Musik zu hören ist oder auch Sirenen ertönen, dürfen unsere Pferde nicht scheuen. Sie müssen auf solche Stresssituationen vorbereitet werden.“ Und sie müssten auch lernen weiterzugehen, selbst, wenn sie gerade nicht wollen. Dafür wird hart trainiert. So oft es geht, fährt die Polizeioberkommissarin nach Großerkmannsdorf bei Radeberg, wo die 20 Pferde der Polizei Sachsen auf der Koppel und im Stall stehen.

Dort haben auch die 15 Beamten der Reiterstaffel ihren Standort. Lisa Kühne übt mit ihrem zwölfjährigen Wallach Unox am Polizeiparcours, hilft aber auch im Stall und striegelt ihn. In der Regel hat jeder sein Stammpferd. Natürlich gebe es auch gesundheitliche Probleme bei den Tieren. Dann müssten die Polizisten umsatteln. „So lässt sich am besten eine Vertrauensbasis aufbauen. Denn in Einsätzen sind wir aufeinander angewiesen“, sagt Kühne.

Ihr Dienst-Einmaleins lernen die jungen Pferde allerdings schon bevor sie an die Reiter im Einsatz übergeben werden. In der sogenannten Remontenabteilung sorgen sich Reitlehrer um die Grundausbildung der Pferde. Für die sächsische Reiterstaffel kommen diese meist vom Gestüt Moritzburg. Schon hier gibt es eine Auswahl für die Dienstpferde. Mindestens 1,65 Meter Schulterhöhe, ein ausgeglichenes Temperament und starke Nerven gehören zu den Auswahlkriterien bei den Vierbeinern. Und wenn es für die Polizisten auch keine Bedingung ist, von Vorteil ist es bei der Bewerbung, schon reiten zu können.

Für Lisa Kühne kein Problem. Sie ist mit neun Jahren das erste Mal geritten. Inzwischen hat sie längst auch selbst ein Pferd. Sie hat ihr Hobby mit dem Beruf verbunden und ist trotz einiger schwieriger Einsätze froh darüber. „Es gibt auch viele Stunden wie Streifen bei Fußballspielen oder auf Festgeländen, wo es meist ruhig bleibt“, erzählt sie. Schön sei es, wenn die Menschen die berittenen Polizisten fragen, wo sie herkommen und was ihre Aufgaben sind. Auch gestreichelt werden die Pferde gern einmal. Manchmal ermahnen die Beamten hoch zu Ross aber auch Verkehrssünder oder weisen Ortsunkundigen den Weg. Allerdings sind die Dienstzeiten sehr unterschiedlich und oft an den Wochenenden. Spielt Dynamo Dresden, reitet Lisa Kühne mit ihrem Unox auch mal durch eine der angrenzenden Parkanlagen oder entlang der Straße. Denn die Fußballsaison wirkt sich auch auf den Dienstplan aus. Neben der Arbeit mit dem Pferd muss Lisa Kühne Einsätze vorbereiten und Pläne aufstellen.

Die Voraussetzungen sind für jeden Polizeianwärter gleich, egal, wo er eingesetzt wird. Er oder sie muss mindestens 1,60 Meter groß, Deutscher oder Staatsangehöriger der Europäischen Union, gesundheitlich geeignet sein und keine Vorstrafen haben. Natürlich, so Daniel Adner von der Bereitschaftspolizei, müsse er auch das Auswahlverfahren bestehen. Die Einstiegs-Nettogehälter bei Sachsens Polizei liegen je nach Ausbildung zwischen 1 200 und 2 300 Euro.

Berittener Polizist kann man nicht von der Schule weg werden. Bedingung ist eine Ausbildung bei der Polizei. Für den mittleren Dienst findet sie in Sachsen 30 Monate lang an den Polizeifachschulen in Leipzig, Chemnitz oder Schneeberg statt. Lisa Kühne hat drei Jahre an der Hochschule in Rothenburg studiert. Zuvor war sie zum Grundstudium zwei Semester in Bautzen.

Danach sollten die ausgebildeten Polizisten einige Zeit in die Praxis, ehe sie sich für die Reiterstaffel bewerben können. Lisa Kühne hatte Glück. Ihr Wunsch, zur Reiterstaffel zu kommen, ging nach wenigen Monaten Dienstzeit in Erfüllung. Es wurde ein Platz frei, und sie erfüllte die Voraussetzungen.

Vor dem Praxiseinsatz musste die heute 27-Jährige sechs Monate zur Ausbildung. Am Standort der Reiterstaffel in Großerkmannsdorf bekam sie Unterricht in Pferdekunde, Reitlehre sowie Dressur-, Spring-, Gewöhnungs- und Geländeausbildung mit dem Pferd. Eine Prüfung in Dressur und Springen schloss die Ausbildung ab. Lisa Kühne bestand sie mit Bravour und ist nun bereits seit 2013 in Sachsens Reiterstaffel. Sie weiß, dass der Einsatz dort nicht bis zum Ende des Berufslebens gehen wird. Aber vorerst fühlt sie sich wohl und fit genug für die Aufgaben. (mit dpa)