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Freitag, 18.05.2018

Mit Karte und Kompass durchs alte Bergbaugebiet

Von Ralf Grunert

Das ist die Grundausstattung eines Orientierungsläufers – eine Karte samt Kompass. Foto: Robert Michael
Das ist die Grundausstattung eines Orientierungsläufers – eine Karte samt Kompass. Foto: Robert Michael

© Robert Michael

Ortskenntnis ist absolut verboten. Nur mit Karte, Kompass und Kondition ausgestattet bewegen sich Orientierungsläufer durch unbekanntes Terrain von Kontrollpunkt zu Kontrollpunkt. Etwa 600 Sportler werden am 3. Juni auf diese Weise die Wälder rings um Leippe und Johannisthal bevölkern. Dort wird an diesem Tag ein Bundesranglistenlauf ausgetragen, zu dem die deutsche Elite der Orientierungsläufer im Lautaer Ortsteil erwartet wird.

Dass die Wahl ausgerechnet auf Leippe fiel, ist einem Zufall zu verdanken. Unter den Teilnehmern der Neujahrswanderung des Heimatvereins war vergangenes Jahr ein Orientierungsläufer gewesen. „Dem hat das Gelände bei uns so gut gefallen, dass er eine Anfrage an die Stadt geschickt hat“, erinnert sich Monika Reeb. Deren Verein ist als Nutzer des Sportplatzes in Leippe zwangsläufig in alles involviert.

Wichtige Auswahl-Kriterien

„Wir suchen immer nach interessanten Waldgebieten, in denen man Wettkämpfe stattfinden lassen kann“, bekräftigt Anett von Dalowski vom Postsportverein Dresden, dem Ausrichter des Wettkampfes. Im konkreten Fall haben die Wälder um Leippe mit ihren Höhenunterschieden im Gelände, aber auch mit den Spuren der alten Rohstoffabbaugebiete überzeugt, erzählt sie. Ein wichtiges Auswahl-Kriterium sei zudem die Belaufbarkeit des Geländes. Auch das passt hier. Kaum durchdringliches Dickicht ist nicht gefragt. „Wir laufen zum Beispiel auch durch reine Kiefernwälder in Brandenburg. Jeder Wettkampf ist anders. Das macht den Orientierungslauf so spannend“, schwärmt Anett von Dalowski, die im Postsportverein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Das Dreifache der Einwohnerzahl

Der Bundesranglistenlauf in Leippe wird der sechste von zehn Läufen sein, allerdings nur ein Teil eines Orientierungslauf-Wochenendes. Bereits am Tag zuvor, am Samstag, dem 2. Juni, werden in Senftenberg die Deutschen Meisterschaften im Sprint-Orientierungslauf ausgetragen. Am 3. Juni geht es dann für die Sportler nach Leippe, wo sich an diesem Tag wahrscheinlich das Dreifache der Einwohnerzahl an Menschen aufhalten wird. Zusammen mit Betreuern und Zuschauern könnten es sogar noch mehr sein. Und obwohl die Orientierungsläufer die meiste Zeit im Wald unterwegs und eigentlich nur beim Start und Zieleinlauf auf dem Leipper Sportplatz zu erleben sein werden, sind Schaulustige ausdrücklich willkommen.

Wie Anett von Dalowski sagt, werden am Rande solcher Wettkämpfe gern Zuschauer-Schnupperläufe angeboten. Da kann sich jeder mal als Orientierungsläufer bei der Handhabung von Karte und Kompass ausprobieren. Zwar sei es tatsächlich schon mal vorgekommen, dass sich dabei jemand verlaufen hat. Weil aber immer so viele Sportler unterwegs sind, hat letztlich jeder schnell den Heimweg gefunden.

Der erste Start in Leippe wird um 9.30 Uhr erfolgen. Die Orientierungsläufer werden einzeln auf die Strecke geschickt. Die Streckenlänge variiert je nach Altersklasse. Bei der Elite sind es 12 bis 15 Kilometer Luftlinie. „In der Realität läuft man immer ein Stück weiter“, weiß Anett von Dalowski. Denn gewöhnlich richtet sich die Route nach dem Terrain. Und dabei ist der direkte Weg über einen Hügel nicht immer eine bessere Wahl als der Weg drumherum. Deutlich kürzer ist natürlich die Strecke, die von den 9- bis 10-Jährigen zu absolvieren ist, den Jüngsten im Starterfeld.

Das Wettkampfzentrum am 3. Juni wird auf dem Sportplatz in Leippe eingerichtet. Parkplätze, Toiletten, Umkleiden, Verpflegungsstände sowie Start- und Zielbereich werden da und im Umfeld zu finden sein. „Gewöhnlich bringt jeder Verein sein eigenes Zelt mit. Das ist dann immer ein bunter Anblick“, weiß Anett von Dalowski. Der Wettkampf soll gegen 13 Uhr beendet werden. Für viele Sportler schließt sich eine lange Heimreise an, kommen sie doch an diesem Wochenende aus dem gesamten Bundesgebiet in die Lausitz.