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Montag, 18.04.2016

Mit Dosensprit von A nach B

Auch im Landkreis Meißen wird die Elektromobilität kräftig vorangetrieben. Nur fährt noch kaum jemand ein E-Auto.

Von Dominique Bielmeier

Elektromobilität im Landkreis

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So schön kann Umweltschutz sein: Der „Roadster Sport“ des US-amerikanischen Herstellers Tesla Motors wurde erst vor vier Jahren auf der Automobilmesse AMI vorgestellt. Er soll eine Reichweite von 340 Kilometern haben und bis zu 200 Stundenkilometer schaffen. Im Kreis Meißen dürfte er aber etwa so häufig zu sehen sein wie ein Einhorn.
So schön kann Umweltschutz sein: Der „Roadster Sport“ des US-amerikanischen Herstellers Tesla Motors wurde erst vor vier Jahren auf der Automobilmesse AMI vorgestellt. Er soll eine Reichweite von 340 Kilometern haben und bis zu 200 Stundenkilometer schaffen. Im Kreis Meißen dürfte er aber etwa so häufig zu sehen sein wie ein Einhorn.

© dpa

  • So schön kann Umweltschutz sein: Der „Roadster Sport“ des US-amerikanischen Herstellers Tesla Motors wurde erst vor vier Jahren auf der Automobilmesse AMI vorgestellt. Er soll eine Reichweite von 340 Kilometern haben und bis zu 200 Stundenkilometer schaffen. Im Kreis Meißen dürfte er aber etwa so häufig zu sehen sein wie ein Einhorn.
    So schön kann Umweltschutz sein: Der „Roadster Sport“ des US-amerikanischen Herstellers Tesla Motors wurde erst vor vier Jahren auf der Automobilmesse AMI vorgestellt. Er soll eine Reichweite von 340 Kilometern haben und bis zu 200 Stundenkilometer schaffen. Im Kreis Meißen dürfte er aber etwa so häufig zu sehen sein wie ein Einhorn.

Meißen. Ein Hype, wie man ihn sonst nur um das neueste Technik-Spielzeug von Apple kennt: In den Großstädten dieser Welt stehen die Menschen Anfang April Schlange vor den Filialen – allerdings nicht für das nächste iPhone, sondern für ein Elektroauto des Sportwagenherstellers Tesla: Dessen Chef hat angekündigt, das erste E-Auto für den Massenmarkt zu bauen.

Elektromobilität im Landkreis

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Der Bund will bis 2020 eine Million E-Autos auf den Straßen sehen

Rund 44 Millionen Pkw waren laut dem Statistik-Portal Statista im vergangenen Jahr in Deutschland zugelassen, darunter nur rund 25000 reine Elektroautos und etwa 130000 Hybride. Geht es nach der Bundesregierung, soll sich die Zahl bereits in den nächsten vier Jahren auf eine Million erhöht haben.

Dazu lässt sich das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur einiges einfallen, zum Beispiel das Förderprogramm „Schaufenster Elektromobilität“. Die Bundesländer Bayern und Sachsen sind darin als eine Modellregion zusammengefasst, die beispielsweise den Einsatz von Hybrid-Müllautos – unter anderem im Landkreis Meißen – testeten.

Nicht mal jedes 100. Auto im Kreis fährt bisher voll- oder halb-elektrisch

Um im Landkreis einem Elektro- oder Hybridauto zu begegnen, muss man schon ein wenig Glück haben. Laut Viola Werbig, der Leiterin des Kreisstraßenverkehrsamtes, sind nur 55 reine Elektrofahrzeuge und 507Hybridfahrzeuge insgesamt zugelassen. Zusammen machen sie gerade einmal etwa 0,4Prozent des gesamten Pkw-Bestandes aus. Angesichts dieser Zahlen erscheint das Ziel der Bundesregierung noch etwas utopischer.

Mindestens 16 Ladesäulen für E-Autos gibt es zwischen Radebeul und Riesa

Dafür ist der Landkreis überraschend gut mit Ladestationen für Elektroautos ausgestattet. Die machen den klassischen Tankstellen zwar noch längst keine Konkurrenz, sind aber in fast allen großen Städten vertreten. Nach einer SZ-Recherche gibt es im Kreis mindestens 16Ladestationen, davon werden zwei von der Enso betrieben, eine von RWE, eine von den Stadtwerken Elbtal, eine von den Stadtwerken Meißen und gleich fünf von den Stadtwerken Riesa (siehe Grafik). Auch verschiedene Autohäuser bieten Tankfüllungen aus der Steckdose an, hinzu kommen private Anbieter.

Alle Ladestationen der SZ-Recherche sind mit einer oder mehreren Typ-2-Steckdosen, die sich in Europa als Standard durchgesetzt haben, beziehungsweise Schuko-, also Haushaltssteckdosen, ausgestattet. Zudem gibt es im Nossener Gewerbegebiet einen Tesla-Supercharger, an dem sich nur Fahrzeuge der US-amerikanischen Automarke aufladen können. Wer noch einen Typ-1-Stecker habe, erklärt Enso-Pressesprecherin Claudia Kuba, besitze dann auch einen Adapter für Typ-2-Steckdosen.

Zusammen mit der Drewag und den Stadtwerken Elbtal ist der Stromversorger Enso Partner im Stromticket-System. Dieses wurde im Rahmen des Bundesforschungsprojektes „Modellregion Elektromobilität Sachsen“ entwickelt und ist ein Zugangs- und Abrechnungssystem, mit dem man bargeldlos per mobilem Endgerät wie dem Smartphone „tanken“ kann, erklärt Claudia Kuba. „Die Basis ist das Handyticketsystem, wie es auch vom ÖPNV angewendet wird.“ Bisher nutzten noch wenige Fahrzeuge das System. „Aber wir gehen davon aus, dass sich die Nutzung in den nächsten Jahren noch entwickeln wird.“

Die Energieunternehmen investieren verstärkt in Elektromobilität

Auch wenn es sich momentan noch kaum rechnen dürfte: Den Energieversorgern ist daran gelegen, dass das Thema Elektromobilität weiter vorangetrieben wird. Die Enso möchte die Lade-Infrastruktur weiter verdichten und an solchen Stellen Ladesäulen aufstellen, an denen man das Alltagsgeschäft – zum Beispiel den Einkauf oder den Behördengang – mit dem Tanken verbinden kann. In Riesa stammt der Strom aus den Ladestationen laut der Stadtwerke zu 100Prozent aus erneuerbaren Energien. Um „die zukunftsweisende Technologie“ zu fördern, wurde der Strom bis Ende 2015 sogar kostenfrei zur Verfügung gestellt. Die Enso hat in der Vergangenheit mehrfach Elektro-Pkw zum Test an Kommunen verliehen, darunter an die Landkreisverwaltungen in Meißen und Großenhain.

Und warum der ganze Aufwand? Claudia Kuba erklärt, was über dem Ganzen stehe, warum Elektromobilität überhaupt entwickelt wird: „Weil man davon ausgeht, dass das Energiesystem der Zukunft Speicher braucht.“ Und eine große Anzahl von Fahrzeugen, die sich als Speicher nutzen ließen, könnten auch ein Konzept für das flexible Energiesystem der Zukunft sein.

Der Müll-Hybrid versagte in den Meißner Bergen

Im Juli vergangenen Jahres wurde er vorgestellt, der „4-Achs-Dual-Power“, das neue Hybrid-Müllauto in der Flotte der Niederauer Recyclingfirma Neru, einer hundertprozentigen Tochter von Nehlsen. Der dieselelektrische Prototyp sollte neben einem drei-achsigen „Plug-in“- oder Steckdosen-Hybriden den Müll im Landkreis einsammeln und den Forschern Daten liefern.

Doch im Auf und Ab des hügeligen Landkreises machte er schlapp und wurde schließlich vorzeitig heim nach Bremen geholt. „Wir haben festgestellt, dass Berg und Tal dem Lkw nicht gut tun“, erklärt Peter Eden von der Entsorgung Nord GmbH, einer Nehlsen-Tochter, auf SZ-Anfrage. Im flachen Bremen und dem ständigen Stop-and-go zwischen den enger stehenden Mülltonnen der dortigen Reihenhäuser läuft der Hybrid viel effizienter. Das Projekt wurde im Rahmen des Programms „Schaufenster Elektromobilität“ von der Bundesregierung mit rund einer halben Million Euro finanziert.

Vergebens war es dennoch nicht, sagt Eden. Es habe sich gezeigt, dass sich bis zu 30Prozent Kraftstoff einsparen lassen. „Aber natürlich muss so ein Auto auch in der Lage sein, in Meißen eingesetzt zu werden.“ Aktuell werden die Ergebnisse des Projekts ausgewertet und sollen Anfang Juli vorgestellt werden.

www.stromticket.de zeigt Ihnen, wo Sie Ihr Auto mit dem mobilen Stromticket aufladen können.

Und der Massenmarkt hat es bitter nötig, denn während Elektromobilität von der Regierung kräftig gefördert wird, sind viele E-Autos wahre Ladenhüter. Wie weit ist es her mit der Elektromobilität in unserem Landkreis?