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Dienstag, 19.12.2017

Mit dem Tick mehr Selbstvertrauen

Der Dresdner SC kämpft um den Einzug ins Pokalfinale. Gegen Schwerin fühlt sich das aber schon wie ein Endspiel an.

Von Michaela Widder

In den vergangenen Wochen hatten Alexander Waibl und sein Team viel Grund zum Jubeln.
In den vergangenen Wochen hatten Alexander Waibl und sein Team viel Grund zum Jubeln.

© Matthias Rietschel

Begegnungen gegen diesen Gegner sind schon im Bundesliga-Alltag besonders. Der Dresdner SC und der Schweriner SC – verbunden in freundschaftlicher Abneigung – bestimmen seit Jahren den Frauen-Volleyball in Deutschland. Der 3:2-Heimsieg vor zwei Wochen gehörte in die Kategorie „beste Werbung für den Sport“. Oder wie es Dresdens Zuspielerin Mareen Apitz formulierte: „Das war geiler Volleyball.“

An diesem Mittwoch, 18 Uhr, kommt es zur Neuauflage, wenn sich beide Teams im Pokal-Halbfinale gegenüberstehen. Anders als in der Liga hat der Ausgang diesmal unmittelbare Konsequenzen. Siegen oder fliegen? Das große Finale Anfang März in Mannheim oder das erste ausgelobte Saisonziel abschreiben?

Während Schwerin in einem kleinen Leistungstief steckt, eilt der DSC von Sieg zu Sieg – wettbewerbsübergreifend war es gegen Suhl der elfte. Die Serie soll nun nicht ausgerechnet gegen die Norddeutschen reißen. Das etwas größere Selbstvertrauen dürften momentan die Dresdnerinnen haben. Zumindest gehen sie mit dem positiven Gefühl in das Duell, den Gegner in dieser Saison schon besiegt zu haben.

„Ich wurde von einigen belächelt, dass wir schon mit Schwerin mithalten können“, erzählt Trainer Alexander Waibl. „Es gab wohl mehr Zuschauer in der Halle, die dachten, dass wir nicht gewinnen.“ Apitz sagte später in die Kamera: „Ich hoffe, jeder am Bildschirm hat gesehen, was Dresden leisten kann und dass wir zurück sind in diesem Jahr.“ Sorge, dass sein Team nach den jüngsten Erfolgen auf Wolke sieben schwebt, muss sich der 49-Jährige jedoch nicht machen. Wie ein Mantra wiederholen seine Spielerinnen einen Satz, wenn sie in der Öffentlichkeit auf den anstehenden Mittwoch angesprochen werden: „Wir wissen, dass es wieder bei null losgeht.“

Tatsächlich gibt es keinen klaren Favoriten, und daran ändert auch der Bundesligasieg nichts. „Es sind zwei Top-Teams. Es wird emotional, sehr physisch, ein Spiel auf Messers Schneide von der ersten Sekunde an“, sagt Waibl. „Aber wir wissen auch, dass wir zu Hause besonders stark sind.“ Am Ende könnte das der entscheidende Unterschied sein. Das Ziel, so hat es Waibl vor der Saison formuliert, ist das Pokalfinale. Dennoch sei die Fallhöhe gegen ein Spitzenteam nicht so groß im Vergleich zu einer schwächeren Mannschaft. „Volleyballerisch ist die Partie schwieriger zu spielen, emotional aber etwas leichter“, findet der Trainer.

Wie wichtig trotzdem ein Weiterkommen nach der titellosen Saison ist, erklärt Vorstandschef Jörg Dittrich auf Nachfrage. „Es wäre ganz großes Kino. Weil es auch ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Meisterschaft wäre, zu zeigen, wie weit wir schon sind. Die Spannung in der Liga würde noch mehr Nährboden bekommen.“

Vor zwei Jahren stand der DSC im Pokalfinale – erstmals wieder seit 2010 und gewann gegen Stuttgart. Mit 12 000 Zuschauern in Mannheim war es das größte Event in der Geschichte des deutschen Volleyballs. Dittrich weiß, wie viel Aufmerksamkeit das Endspiel für den Klub brachte: ein gemeinsames Großereignis mit den Männern, zusätzliche Medientermine, öffentlich-rechtliche Übertragung …

„Wir sind bekannt dafür, dass wir immer auf beides geachtet haben. Erfolg ohne öffentliche Wahrnehmung bringt nichts und öffentliche Wahrnehmung ohne Erfolg bringt auch nichts“, erklärt Dresdens Volleyballchef. Dass seit dieser Saison ausgewählte Spiele wie das Pokal-Halbfinale im Spartensender Sport1 ausgestrahlt werden, ist ein nächster Schritt. „Wir haben mit den Fernsehspielen noch mal einen großen Schub bekommen“, betont er. „Es wäre natürlich schön, wenn das gestützt wird von dem sportlichen Erfolg.“

Dazu zählt der Finaleinzug. Dittrich ist – wie man ihn kennt – „extrem optimistisch“, was das letzte Spiel vor der kurzen Weihnachtspause betrifft. „Ich habe das Empfinden, es ist jetzt angerichtet“, sagt er.

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