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Freitag, 10.08.2018

Mit dem Laptop zur Visite

Das Städtische Klinikum in Görlitz führt die elektronische Patientenakte ein. Das hat Vorteile für Ärzte, Schwestern und Kranke.

Von Sebastian Beutler

Der Laptop gehört künftig bei Visiten im Krankenhaus mit dazu. Er soll die Arbeit erleichtern, worüber sich Diana Fröhlich, Stationsleiterin in der Onkologie, und René Mönnich aus der IT-Abteilung des Klinikums freuen.
Der Laptop gehört künftig bei Visiten im Krankenhaus mit dazu. Er soll die Arbeit erleichtern, worüber sich Diana Fröhlich, Stationsleiterin in der Onkologie, und René Mönnich aus der IT-Abteilung des Klinikums freuen.

© pawelsosnowski.com

Görlitz. Drei Klicks – und schon kann Diana Fröhlich für eine Patientin eine Chemotherapie eintragen, die der Arzt gerade verschrieben hat. Vor ein paar Monaten hätte sie das auch eingetragen, aber handschriftlich in einen großen A-3-Bogen. Jetzt aber klappt sie nur ihren Computer auf. Wie Diana Fröhlich, die Stationsleiterin in der Klinik für Onkologie, Hämatologie, Strahlentherapie und Palliativmedizin ist, nutzen mittlerweile fast alle Mitarbeiter auf den verschiedenen Stationen des Klinikums die elektronische Patientenakte, um die Medikationen einzutragen.

Es ist der erste Schritt, um künftig papierlos den Patienten zu behandeln und zu pflegen. Der erste von insgesamt sechs. Schon ab diesem Herbst wird Diana Fröhlich auch die Visite elektronisch protokollieren, später den Behandlungsverlauf, die Wunddokumentation, die persönlichen Daten des Patienten sowie die Pflege. Diana Fröhlich und ihre Mitarbeiterinnen sind immer die Ersten, die für das gesamte Klinikum jeden Schritt gehen. Denn die Onkologie wurde als Testklinik ausgesucht. Im April vergangenen Jahres haben sie angefangen, ein halbes Jahr später folgten weitere Stationen. „Anfangs war es schon ungewohnt“, sagt Diana Fröhlich, mussten sich alle an die Technik gewöhnen. Doch jetzt würden sie am liebsten den zweiten Schritt gleich und nicht erst im Herbst gehen. Denn zurzeit wird ein Teil der Patientendaten schon elektronisch erfasst, ein anderer Teil wie seit Jahrzehnten sorgfältig in große Papier-Kladden eingetragen. Die schleppen die Schwestern und Ärzte bei den Visiten mit herum. Ist die e-Akte erst einmal vollständig eingeführt, dann soll das Geschichte sein.

Auf dieses Ziel arbeiten René Mönnich und seine drei Kollegen nun bereits seit drei Jahren hin. Der gelernte Gesundheits- und Krankenpfleger hat schon viele Bereiche des Klinikums kennengelernt: die Anästhesie, das Patienten-Management und jetzt die IT-Abteilung. Schon immer habe er großes Interesse neuen Medien entgegengebracht, vielleicht studiert er auch noch einmal in diese Richtung. Doch derzeit hat er dafür überhaupt keine Zeit. Zunächst musste die eingekaufte Software für das Klinikum passgenau eingerichtet werden, dann wurde sie auf der Station getestet und schließlich eingeführt. Dazu zählten eine Trainingswoche für die Mitarbeiter, und die ersten beiden Wochen nach Einführung des neuen Systems sind Mönnich und sein Team auf Station, um helfend einzugreifen und zu begleiten. Dass die elektronische Patientenakte bei den Mitarbeitern mittlerweile auf ein positives Echo stößt, freut ihn natürlich sehr.

Doch auch das Klinikum kann dieser Entwicklung nur Gutes abgewinnen, verbindet es doch hohe Erwartungen an die elektronische Patientenakte. So entfallen Doppelarbeiten, niemand muss mehr das handschriftlich Notierte enträtseln, die Ärzte und Schwestern sind mit einem Blick in den Computer auf dem neuesten Stand der Behandlung ihres Patienten, und der PC kann sogar mitdenken und die Arbeit erleichtern. Wenn ein Patient beispielsweise eine Allergie hat und ein Medikament verschrieben bekommt, das bei dieser Allergie nur schwer verträglich ist, dann wird das dem Arzt sofort angezeigt.

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Das Klinikum hat 500000 Euro in die Anschaffung elektronischer Visitenwagen, von Laptops und Scannern investiert, hinzu kommen die Kosten für die Schulung der Mitarbeiter sowie die personelle Betreuung der neuen Softwarelösung. Und natürlich verspricht es sich Einsparungen von Papier, Entlastung der Mitarbeiter von Bürokratie, aber auch Einhaltung der künftig weiter steigenden gesetzlichen Anforderungen zur Dokumentation von Krankenhausaufenthalten. „Wir geben der Pflege dafür wieder mehr Zeit zurück“, ist sich René Mönnich sicher. Denn Stellenstreichungen beim Personal sind mit der Digitalisierung nicht verbunden.

Die elektronische Patientenakte im Krankenhaus eröffnet auch weitere Möglichkeiten in den kommenden Jahren. Irgendwann könnten die Daten auf sicheren Leitungen zwischen Kliniken und weiterbehandelnden Ärzten übermittelt werden. Einige Krankenkassen wollen im Grunde jedem Einwohner eine Patientenakte im Internet zuordnen. Aber auch innerhalb des Krankenhauses zeichnen sich ganz neue Perspektiven ab. Jetzt werden die gemessenen Werte für Temperatur oder Blutdruck per Hand in den Computer eingetragen. Mönnich aber spricht schon davon, dass diese Werte mittels elektronischer Geräte gemessen und anschließend über WLAN direkt in die elektronische Akte übertragen werden.

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Zunächst soll die ganze Akte 2020 im Computer laufen und die Papier-Akte ersetzen. Dann hat René Mönnich vielleicht Zeit zu studieren.