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Montag, 16.07.2018

Mit dem Ex-Torschützenkönig kehrt ein „verlorener Sohn“ zurück

Von Robert Eifler

Patrick Michel hatte sich zuletzt auch eine Klasse höher, in der Oberliga in Freiburg, durchgesetzt. Foto: H.-E. Friedrich
Patrick Michel hatte sich zuletzt auch eine Klasse höher, in der Oberliga in Freiburg, durchgesetzt. Foto: H.-E. Friedrich

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Seit fünf Wochen arbeiten die Sachsenliga-Handballer des SV Koweg Görlitz nun schon mit ihrem neuen Trainer Philipp Domko zusammen. Zum Abschluss der ersten Vorbereitungsphase hatte Domko auch gleich eine faustdicke Überraschung für die Mannschaft parat. Zum abschließenden dreitägigen Trainingslager präsentierte er den ersten Neuzugang: Rückkehrer Patrick Michel. „Sportlich wie menschlich freue ich mich wahnsinnig, dass Patrick wieder zurück im Team ist. Damit war so vor einigen Wochen noch gar nicht zu rechnen. Ich denke ich spreche da nicht nur für mich als Trainer, sondern auch für das gesamte Team und die Görlitzer Fans, dass die Rückkehr von Patrick ein absoluter Glücksfall ist“, zeigte sich Domko begeistert von der unerwarteten Verstärkung.

Mit Michel gewinnen die Görlitzer jenes Puzzleteil, das vor allem in der letzten Saison so schmerzlich vermisst wurde: ein Linkshänder, der sich im rechten Rückraum wohlfühlt. In der abgelaufenen Spielzeit war diese Position nur behelfsmäßig besetzt worden. Michel, der nun wieder gemeinsam mit seinem Bruder Erik (Torhüter) für die Blau-Gelben aufläuft, verließ 2016 als Torschützenkönig der Sachsenliga (162 Treffer in 21 Spielen) das Team Richtung Cunewalde. Ausschlaggebend waren damals die unsicheren Zukunftsaussichten des Görlitzer Männerhandballs – trotz Platz drei in der Liga. Nach einer Spielzeit im Oberland folgte Michel 2017 schließlich dem Ruf des Oberligisten HSG Freiberg. Und auch dort setzte sich der 24-Jährige durch, war mit 97 Toren in 21 absolvierten Spielen (Platz 30 der Ligatorschützenliste) einer der besten Rückraumschützen. Es war schließlich auch ein Stück die Verbundenheit zu Heimat und Verein, das Michel den Entschluss fassen ließ, wieder zurückzukehren. „Natürlich freue ich mich, wieder in Görlitz zu sein. Meine Freundin, Familie und Freunde sind hier, und das Umfeld ist einem bekannt“, so Michel, der in der letzten Saison bei Spielen der Görlitzer Mannschaft oft im Publikum zu sehen war.

Michel stieg am Freitag umgehend ins Training ein und stellte gleich fest: „Ich habe noch nie eine so motivierte Mannschaft in Görlitz gesehen, die so Lust auf die neue Saison hat.“ Keine Spur von Sättigung nach dem Vizemeistertitel in der abgelaufenen Saison. Einen Hauptgrund sieht Michel im neuen Coach. „Philipp ist einer der besten Jungtrainer, den ich kenne. Brutal fokussiert und orientiert. Ich freue mich riesig, mit ihm und der Mannschaft zu trainieren und auf Punktejagd zu gehen. Es steckt viel Potenzial in dieser Mannschaft, und ich bin froh, wieder ein Teil davon sein zu dürfen“, schwärmt er.

Gerade für ihn als trainingsverrückten Spieler ist Domko die Idealbesetzung nach dem Rückzug von Jürgen Rost. Der neue Coach bereitet sich akribisch auf jede Trainingseinheit vor, kommt mit einem klaren Konzept und setzt auf Technik der Gegenwart. Neben den gemeinsamen Einheiten bekommen die Spieler zusätzlich auch Aufgaben für selbstständige Einheiten, deren Durchführung beispielsweise per Handy-App nachgewiesen werden muss. Domko: „Dass dies fleißig erfolgt ist, zeigt den Geist dieser Truppe. Man merkt, dass alle heiß sind auf die kommende Saison und sich jeder beweisen möchte. Vor allem in den athletischen Bereichen wurde Vollgas gegeben.“ So lag der Schwerpunkt in der ersten Phase bei Laufkoordination, Schnelligkeits-, Ausdauer- und Krafttraining. Auch mit dem Ball wurde schon sporadisch gearbeitet. „Gerade das Umkehrspiel passt ganz gut in diese Phase, weil es eben auch sehr laufintensiv ist“, so Domko. Nach dem nun in Görlitz stattgefundenen Trainingslager mit insgesamt sechs zweistündigen Einheiten steht jetzt eine Pause von zwei Wochen an, „was aber nicht bedeutet, dass die Jungs jetzt chillen sollen.“ Auch für diese Zeit hat Domko Pläne erarbeitet, die jeder selbstständig abzuarbeiten hat. Ende Juli startet dann der zweite Teil der Vorbereitung auf die neue Saison. „Es geht dann vor allem um die Arbeit mit dem Ball und taktische Belange“, kündigt Domko an. Highlight ist dabei das viertägige Trainingslager im polnischen Zagan vom 9. bis 12. August. In dieser Phase stehen dann auch mehrere Trainingsspiele an, wie gegen den SV Lokomotive Pirna (Mitteldeutsche Oberliga), den SSV Stahl Rietschen (Verbandsliga) und eventuell noch gegen den LHC Cottbus (Oberliga Ostsee-Spree). Die Fans können sich vor allem den 18. August im Kalender markieren. Da spielen die Neißestädter in der Sporthalle Rauschwalde am Nachmittag gegen Lok Pirna, was als öffentliches Trainingsspiel gedacht ist.

Ob es bis dahin weitere Kaderzuwächse gibt, ist nicht garantiert, Domko schaut sich weiter um. Eine Schlüsselposition mit Handlungsbedarf sieht er weiterhin auf der Rückraumrechts-Position. „Patrick soll dort als Linkshänder kein Alleinkämpfer sein, auch er muss in Spielen adäquat entlastet werden können“, so Domko, der aber im gleichen Atemzug klarstellt: „Aber auch ohne weitere Neuzugänge bin ich davon überzeugt, eine sehr gute Mannschaft zur Verfügung zu haben.“