erweiterte Suche
Mittwoch, 13.06.2018

Mit DDR-Charme Emotionen wecken

Im Volksmunde liebevoll Klaufix genannt, war der HP 401 vor allem ein Exportschlager.

Von Birgit Ulbricht

Bild 1 von 2

Matthias Kieslich ist Chefkonstrukteur der Stema – der HP 401 war seine erste Entwicklung. Nun ist der Anhänger als Retro neu aufgelegt worden.
Matthias Kieslich ist Chefkonstrukteur der Stema – der HP 401 war seine erste Entwicklung. Nun ist der Anhänger als Retro neu aufgelegt worden.

© Anne Hübschmann

  • Matthias Kieslich ist Chefkonstrukteur der Stema – der HP 401 war seine erste Entwicklung. Nun ist der Anhänger als Retro neu aufgelegt worden.
    Matthias Kieslich ist Chefkonstrukteur der Stema – der HP 401 war seine erste Entwicklung. Nun ist der Anhänger als Retro neu aufgelegt worden.
  • Mit dieser Vorserie zum Retro schaffte es die Stema sogar in die BMW-Emotion, das Kundenmagazin der BMW Niederlassung Leipzig.
    Mit dieser Vorserie zum Retro schaffte es die Stema sogar in die BMW-Emotion, das Kundenmagazin der BMW Niederlassung Leipzig.

Großenhain. Dieser Anhänger zaubert ein Schmunzeln ins Gesicht – oder ein breites Grinsen. Und er weckt Erinnerungen. Aus heutiger Sicht ist er ein kleiner hubbliger Kasten, und er ziert die Ahnengalerie der Großenhainer Stema. Dabei war der Anhänger HP 401 keineswegs billig. 2227 Mark der DDR hat er gekostet. Ein stolzer Preis zur damaligen Zeit, findet Chefkonstrukteur Matthias Kieslich. Er hat jetzt erst eine alte Rechnung aus DDR-Zeiten gefunden und staunt selbst darüber. Der HP 401 war beliebt, er hatte mit Abstand die modernste Fahrwerkskonstruktion europaweit bei ungebremsten Anhängern. Der nicht ernst gemeinte Kosename „Klaufix“ ist eher dem Humor der Ostdeutschen zuzuschreiben. Fix musste es allerdings gehen, nämlich ins Ausland. Der Stema-Anhänger, der bis 1991 in Großenhain produziert wurde, war vor allem ein Exportschlager. Dieser Anhänger wurde sowohl als Komplettfahrzeug und als teilmontierte Variante verschickt. Dafür gab es klare Regeln: Alle Teile, auch das komplette Fahrgestell mussten zusammengeklappt in Paketen verschickbar sein und durften dafür nicht mehr als 80 Kilo wiegen. „Das haben wir auch geschafft“, erinnert sich Chefkonstrukteur Kieslich. 1982 kam er zur Stema, der HP 401 war seine erste Anhängerentwicklung. „Wir wollten mehr, aber konnten nicht“, sagt er kopfschüttelnd. In den 1980er Jahren wurde alles mit normalen Werkzeugen und Pressen hergestellt. An die Werkzeugmaschinen von heute war nicht zu denken. Auch deshalb blieb der typische Stema-Kasten über Jahrzehnte hin gleich. Damals eher eine Not, hat Kieslich mit seinen Kollegen jetzt noch einmal eine Tugend aus der bekannten Anhängerform entwickelt: den Retro. „Es hätte mir leidgetan, es nicht zu versuchen. Ich habe schon immer damit geliebäugelt“, sagt Kieslich lächelnd. Geschäftsführer Michael Jursch nickt. In der Neuauflage ist zwar alles technisch auf dem neuesten Stand, aber an das DDR-K. O.-Kriterium Garage Typ Dresden hat man sich auch diesmal gehalten. So minimalistisch sollte der Retro dann doch sein, dass er dort immer noch hinein passt. Der Retro sollte 30 Mal verkauft werden, sozusagen als kleines, feines Erinnerungsstück für echtes Fans und zum 65. Geburtstag der Stema. Inzwischen sind 74 Retros vom Hof gerollt. „Sonst vermitteln unsere Anhänger eher den Eindruck von kaltem Stahl, hier wollten wir mal auf Emotionen setzen“, so Jursch. Das hat funktioniert.

Schon die edle Grau-Dunkelrot-Ausführung der Vorserie hat es in die BMW-Emotion, das Kundenmagazin der BMW Niederlassung Leipzig geschafft und ins Fernsehen. Eine Aufmerksamkeit, die schließlich nicht allen 784 Artikelvariationen aus der aktuellen Produktion des Großenhainer Unternehmens zuteil wird.