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Dienstag, 08.05.2018

Mit Chlorodont fing alles an

Die Dental-Kosmetik zieht zum Jubiläum eine vorsichtig positive Bilanz für das Geschäftsjahr 2017.

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Puzzi und ...
Puzzi und ...

© dpa

  • Puzzi und ...
    Puzzi und ...
  • Chlorodont – Namen die jeder kennt. Sie kommen aus Dresden.
    Chlorodont – Namen die jeder kennt. Sie kommen aus Dresden.

Dresden. Der Konkurrenzdruck im Handel macht bei keinem Produkt halt, auch nicht bei Zahnpasta. Dementsprechend zurückhaltend zieht Britt Nicole Schendekehl Bilanz. „Wir atmen durch und schauen vorsichtig optimistisch nach vorn“, sagt die Geschäftsführerin der Dental-Kosmetik GmbH & Co. KG. Im vergangenen Jahr sei es zwar gelungen, den Anteil von höherpreisigen Produkten gemessen am Gesamtumsatz zu steigern. „Aber das Markt und Wettbewerbsumfeld bleibt ausgesprochen umkämpft. Wir stehen immer mehr unter hohem Markt- und Preisdruck“, betont Schendekehl.

Vor allem der Wettbewerb um Kunden, für die Dental Handels- und Eigenmarken fertigt, ist hart. Auch wenn das Dresdner Traditionsunternehmen nicht in allen Ausschreibungen alle Produkte gewinnen konnte, sei es gelungen, einen stabilen Auftragsbestand zu erreichen und damit auch die Mitarbeiterzahl stabil zu halten, heißt es. Trotz Kostendruck investiert die Firma nach eigenen Angaben fortlaufend in Maschinen, moderne Informationstechnologie (IT) und Fertigungsprozesse, um im Wettbewerb mit großen Konzernen und dem Preisdiktat zu bestehen.

Da hilft die Zusammenarbeit mit kleineren Kunden aus Asien. Im Kundenauftrag entwickelt Dental-Kosmetik spezielle Eigenmarken, die auf die Bedürfnisse etwa von Verbrauchern in China zugeschnitten sind. Diese schätzen die erfrischende Dresdner Minzmischung „Made in Germany“. Mit den asiatischen „Private Label“-Produkten verbunden war ein Anstieg der Produktionsmengen, der wesentlich zum Jahresumsatz von 32 Millionen Euro beitrug. Täglich verlassen 300  000 Tuben Zahncreme und 30 000 Flaschen Mundwasser das Dresdner Firmengelände.

Auch wenn die Rahmenbedingungen schwieriger wurden, musste keiner der 118 Mitarbeiter um seinen Arbeitsplatz fürchten, betont die Chefin. Das Unternehmen bemühe sich stets um gute Arbeitsbedingungen, „die bei uns verglichen mit der Chemiebranche in Ostdeutschland überdurchschnittlich sind“, so Schendekehl. Allein die Tatsache, dass sich das Unternehmen nicht am entfernten Stadtrand, sondern in der Mitte Dresdens befindet und dadurch kurze Anfahrtswege möglich sind, ist eine Tatsache, die viele Mitarbeiter zu schätzen wissen. Hinzu kommen feste und familienfreundliche Arbeitszeiten, keine Wochenendarbeit oder Nachtschichten. Seit der Übernahme des Unternehmens von der Treuhand gab es keine betriebsbedingten Entlassungen. „Im Gegenteil: Unser Mitarbeiterstamm ist kontinuierlich gewachsen. So soll es auch in Zukunft bleiben“, sagt die Geschäftsführerin.

Vor hundertelf Jahren begann der Dresdner Apotheker Ottomar Heinsius v. Mayenburg damit, Zahnpasta anzurühren, in Tuben abzufüllen und zu verkaufen. Dies gilt als Geburtsstunde der modernen Zahnpflege. Seitdem produziert das Unternehmen durchgängig in Dresden. Schon nach wenigen Jahren war der Name Chlorodont zum Synonym für Zahnpasta geworden. Bis 1924 entwickelten sich die Leo-Werke, der Vorläufer der Dental-Kosmetik, zum größten europäischen Zahncremehersteller mit 1 000 Mitarbeitern und weltweit 27 Niederlassungen. In der DDR wurden die Leo-Werke zum sozialistischen Vorzeigebetrieb umgebaut. Nach der Wende meisterte das Unternehmen, unter dem neuen Namen Dental-Kosmetik, die Rückkehr in die freie Marktwirtschaft. (SZ)

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. pretextat tach

    Chemiebetriebe in der Innenstadt - ja klar, kurze Wege, v.a. für die LKW. Dann könne mer ja die anderen auch alle in die Stadt "zurückholen". Emissionstechnisch und städtebaulich ist die Putzi-Firma heute definitiv und hochgradig falsch platziert. Jeden Werktag stinkt es auf der südlichen Königsbrücker- und den Seitenstraßen deftig chemisch-minzen. Kein Wunder, daß das riesige Innenstadtareal auch nach 30 Jahren nur brach liegt, ja zusätzlich zum betonierten LKW-Wendeplatz auf dem Gelände degradiert ist. Putzi soll weiterbestehen, aber dringend an neuem Standort. Das riesige Flächenpotenzial am jetzigen Ort ist benötigtes innerstädtisches Bauland bester Lage, welches großflächig mit Firmenbarracken, Unternutzungen, Hundekot-Brachen und Verfallshäusern an der Köbrü glänzt. Am großen Schritt einer Firmenumsiedlung wird man nicht vorbeikommen - je früher desto besser. Das muß als Erster der Betrieb selbst einsehen oder sich eingestehen. Den Relativierern sei empfohlen, dort rum zu wohnen.

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