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Dienstag, 15.05.2018

Mit anderthalb PS an die Ostsee

Die Pfingsttour beim SR 2-Club Streumen hat Tradition. Ein so weit entferntes Ziel wie dieses Jahr gab’s aber noch nie.

Von Eric Weser

Tilo Hertwig vom Streumener SR2-Club gibt Gas: Mit sieben weiteren Fahrern aus seinem Verein startet er am Mittwochmorgen zur längsten Pfingstausfahrt in der 18-jährigen Clubgeschichte.
Tilo Hertwig vom Streumener SR2-Club gibt Gas: Mit sieben weiteren Fahrern aus seinem Verein startet er am Mittwochmorgen zur längsten Pfingstausfahrt in der 18-jährigen Clubgeschichte.

© Eric Weser

Wülknitz. Wo sind sie mit ihren Essis in den vergangenen Jahren nicht schon überall gewesen: in der Dahlener Heide, im Spreewald, im Erzgebirge. Die Pfingstausfahrt ist Tradition beim Streumener SR2-Club. Eine Tour wie dieses Jahr hat es allerdings noch nie gegeben: Fast 500 Kilometer und damit doppelt so weit wie sonst wollen die acht Fahrer auf ihren DDR-Mopeds düsen. Start und Ziel liegen diesmal auch nicht daheim in Streumen. Stattdessen soll es von Mittwoch früh an drei Tage geradewegs gen Norden gehen. Ziel: Fuhlendorf am Darß.

Ein ehrgeiziges Vorhaben – für Mensch und Material. Die Simson-Mopeds, denen sich der 2000 gegründete Streumener Club verschrieben hat, sind bis zu 60 Jahre alt. Macken bleiben bei solchen Oldtimern nicht aus, erzählt Clubmitglied Martin Gutmann. Es sei schon vorgekommen, dass die Pfingsttour schon in Streumen zu Ende war. Das soll diesmal möglichst nicht passieren. Deshalb haben die Mitglieder ihre anderthalb PS starken Gefährte noch mal richtig auf Vordermann gebracht. Haben Reifen erneuert, Ketten geölt, Lager gefettet. Martin Gutmann hat den Tank seiner sechs Jahrzehnte alten Maschine von innen extra neu versiegelt. Er sei optimistisch, dass die Maschinen die Ausfahrt meistern.

Aber halten denn auch die Männer hinterm Steuer durch? „Das wird die zweite Herausforderung“, sagt Gutmann und lacht. Denn der SR2-typische Sitz ist trotz Federung nicht sonderlich komfortabel. Die Reibung zwischen dem vibrierenden Moped und dem eigenen Gesäß so gering wie möglich zu halten, lautet deshalb die Devise. Mancher schwört auf Luftsitzkissen, andere auf einen luftbefüllten Reifenschlauch. Aber es gibt auch Puristen, die auf solche Hilfsmittel verzichten will.

Die Vorfreude bei den Essi-Fahrern ist groß. Eine so große Tour habe man schon lange vorgehabt, sagt Martin Gutmann. Mal ein paar Tage so richtig fortzufahren, das habe seinen eigenen Reiz. Eine Art Abenteuer ist das Ganze ja irgendwie auch.

Drei Etappen von je um die 150 Kilometer wollen die zwischen 40 und 60 Jahre alten Essi-Enthusiasten zurücklegen. Weil das Spitzentempo der Mopeds bei 40 bis 50 Stundenkilometern liegt, wird es über Landstraßen gehen. Nachzutanken dürfte nicht nötig sein, schätzt Martin Gutmann. „Der Tank fasst sechs Liter Gemisch, das sollte für eine Tagestour reichen.“ Übernachtet wird in Jugendherbergen. Die Wettervorhersage für die drei Etappentage ist gemischt. Von Sonne bis zu Schauern könnte alles dabei sein. „Schlechtes Wetter ist kein Grund, aufs Fahren zu verzichten“, sagt Martin Gutmann. Nur, wenn das Moped streikt, geht es aus dem Sattel. Wer ausfällt, wird vom Begleitbus mit dem großen Anhänger aufgesammelt. Gebraucht wird dieses Gespann einerseits als Transportmittel für Ausfälle, Werkzeuge und Ersatzteile. Aber vor allem für die Rücktour von der Küste. Denn am Ende des Pfingstwochenendes geht es für die Streumener auf dem Autositz heimwärts, statt im Essi-Sattel. „Das würde zu lange dauern“, sagt Martin Gutmann. Ehe es so weit ist, wollen sich die Streumener aber erst mal bis an die Ostsee durchschlagen. Dort treffen sie sich dann mit Leuten von daheim, die schon mal per Fahrrad vorgefahren sind oder am Wochenende per Zug nachreisen. Zusammen will die Truppe dann die Küstenregion per Ausfahrt erkunden. So hat das bei der Pfingsttour des SR2-Clubs Tradition.