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Mittwoch, 05.05.2010

Minister in Rom stolpert über Schnäppchen

Sein Traumappartementließ sich Claudio Scajola zum großen Teil von einem Bauunternehmer bezahlen.

Von Paul Kreiner, SZ-Korrespondent in Rom

Claudio Scajola hat ein Schnäppchen gemacht. Für sein Appartement in schönster römischer Sieben-Hügel-Lage, 180 Quadratmeter, Blick aufs Kolosseum, hat er 610000 Euro bezahlt. Das sei „der normale Marktpreis“, sagt der italienische Industrieminister. Verlangt und bekommen haben die beiden früheren Eigentümerinnen allerdings 1,7 Millionen Euro, was schon sehr viel näher an den römischen Preisverhältnissen liegt. Von wem also kam der Rest?

Nach monatelangen Ermittlungen glaubt die Staatsanwaltschaft diese Frage beantworten zu können. Gestern trat Scajola zurück. Die 1,1 Millionen Euro, die Scajola zu seiner Traumwohnung gefehlt hatten, kamen vom Bauunternehmer Diego Anemone. Dieser wiederum sitzt seit Februar in Untersuchungshaft, weil er sich mit systematischen „Leistungen auf Gegenseitigkeit“ einen öffentlichen Auftrag nach dem anderen geangelt haben soll. Die Vorwürfe gegen Scajola waren so erdrückend, dass nicht einmal mehr Regierungschef Silvio Berlusconi seinen Industrieminister halten wollte.

Scajola war eine mächtige Figur in Berlusconis Koalition. In die Regierung kehrte er sogar nach dem Skandal von 2002 zurück. Damals hatte er als Innenminister dem von den „Roten Brigaden“ bedrohten Regierungsberater Marco Biagi die Leibwache entzogen, obwohl dieser aus Angst ausdrücklich darum gebeten hatte. Wenig später wurde Biagi von den Terroristen erschossen. Scajola sagte damals: „Was wollt ihr? Biagi war doch nur eine Nervensäge, der bloß die Verlängerung seines Vertrags wollte.“ Ein Jahr nach dem Rücktritt war Scajola wieder Minister.