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Dienstag, 31.07.2018

Minge spricht über seine Auszeit

Der Geschäftsführer Sport nimmt seine Arbeit bei Dynamo Dresden wieder auf. Im Gespräch mit einigen Medienvertretern sagt Ralf Minge, warum es ihn ausgeschert hat - und was er jetzt anders machen will.

Von Sven Geisler

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Dynamos Sportdirektor Ralf Minge.
Dynamos Sportdirektor Ralf Minge.

© Ronald Bonß

Dresden. Ralf Minge ist zurück bei Dynamo Dresden. „Ich bin total glücklich und happy, wieder hier zu sein“, sagte der Geschäftsführer Sport am Dienstagvormittag. „Das Gefühl, wieder in der Kabine zu sein, vor der Mannschaft zu stehen, war aufregend, aber auch sehr toll.“

In einer VIP-Loge des DDV-Stadions berichtete der 57-Jährige eingeladenen Journalisten von seiner krankheitsbedingten Pause. Er bedankte sich sowohl für die vielen guten Wünsche als auch beim Verein für die Möglichkeit, die Auszeit zu nehmen, sowie bei seinem Vertreter Kristian Walter. Er bleibt bis auf Weiteres in der Funktion des Geschäftsführers, damit Minge schrittweise und – das betont er – abhängig von seinem Befinden die Belastung steigern kann. Inwiefern er Aufgaben abgibt, wird sich daraus ergeben.

Minge spricht offen über seine Krankheit. „Das war ein schleichender Prozess, der nicht Mitte Dezember begonnen hat“, sagt er. Er war im März 2014 zu dem Verein zurückgekehrt, für den er allein 222 Spiele in der DDR-Oberliga und 34 im Europapokal bestritten hat. Den Abstieg von Dynamo in die 3. Liga konnte er nicht mehr abwenden, aber den Neuaufbau starten. In den viereinhalb Jahren seitdem habe sich das Hamsterrad immer weitergedreht. Die Symptome, dass die Belastung zu hoch ist, hat er nicht wahrhaben wollen. „Es hat genügend Warnzeichen gegeben. Aber das ist wie im Auto, wenn das Display blinkt, weil die Durchsicht fällig ist. Wenn man es überklebt, sieht man es nicht mehr, aber es ist nicht weg.“

Zwei-, dreimal in der Woche sei er nachts wach geworden und so angespannt gewesen, als stünde ein Punktspiel an. Er spürte Appetitlosigkeit. Vor Weihnachten bekam er einen extremen Tinnitus, konnte das Fest in Familie und vor allem die drei Enkel nicht genießen. Nach zehn Tagen hatte sich das einigermaßen gegeben und er weitergemacht. Bis der Körper mit einer Virusinfektion reagierte, Fieber, schlechte Blutwerte. „Es hat mich richtig ausgeschert.“ In der Phase war er zwar schon nicht mehr im Büro, hat aber weiter gearbeitet. Erst nach dem Sieg gegen Heidenheim, als der Klassenerhalt mit 35 Punkten nach 26 Spielen gesichert zu sein schien, sagte er sich: „Jetzt wirfst du den Rettungsanker, jetzt ist es soweit.“

Es sei ihm schwergefallen, loszulassen trotz seines Vertrauens in Walter und Cheftrainer Uwe Neuhaus. Die schlimmste Phase sei es jedoch gewesen, als die Mannschaft dann doch wieder in Abstiegsgefahr geriet. „Mit der Distanz wächst die Ohnmacht, ich konnte die Spiele nicht mehr gucken.“ Stattdessen ist er spazieren gegangen, was er nun als eine Art Entspannungstherapie jeden Morgen 45 Minuten lang macht.

Mit dem Klassenerhalt habe die Genesung eingesetzt, die meiste Zeit verbrachte er an der Ostsee, ist nur zu Arzt- und Therapeutenterminen nach Dresden gekommen. In Dresden, das sagt er offen, wollte er nicht erkannt werden. Ein Klinikaufenthalt habe im Raum gestanden, er sich jedoch in Abstimmung mit den Medizinern dagegen entschieden. Er hat sich fest vorgenommen, auf die Warnsignale eher zu hören. „Ich bin auch ein bisschen geläutert. Diese Zeit war echt nicht lustig“, sagt Minge – und er gibt zu: „Im April hätte ich noch nicht gedacht, dass ich heute hier sitze, ganz ehrlich.“

Es sei eine Überlegung gewesen, den Job zu wechseln, für ihn kam das jedoch letztlich nicht infrage. „ich habe ja Spaß daran, ich lebe das ja“, erklärt Minge, und er fügt hinzu: „Bei allen Schmerzen, die man manchmal hat.“ Nachdem er die beiden Testspiele am Wochenende live im Stadion gesehen hat, trifft er sich am Mittwoch mit Walter und Neuhaus, um sich auf den neuesten Stand bringen zu lassen. Er wird einiges anders machen, mit diesem Vorsatz kehrt er jedenfalls zurück. Den Satz eines befreundeten Arztes hat er nun stets im Hinterkopf. „Herr Minge“, hat der ihm gesagt, „Sie sind nicht als Pförtner bei Dynamo und auch keine 30 mehr.“

Leser-Kommentare

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Insgesamt 9 Kommentare

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  1. Joachim Herrmann

    Ja, das Hamsterrad- immer weiter, immer schneller- und bei den Schnelligkeiten hört man das eigene Ich kaum noch. Nicht wieder reinlaufen lassen und Alles Gute für noch viele Jahre. Danke

  2. J.G.

    Der Kristian Walter sollte den Job weiter machen und letztlich übernehmen. Und der Ralf unterstützt ihn, wo er kann, und hat mehr Freiraum. Das Ganze behält er ohnehin im Auge, er kann ja auch nicht anders.

  3. Mal ne Anmerkung

    Danke für den sehr guten Beitrag.Ich denke ich spreche nicht nur für mich sondern für die ganze "Dynamo Gemeinde" ,das wir Ralf Minge weiter eine gute Genesung wünschen und eine baldige Rückkehr in den "Normalen Betrieb" bei der SGD. Ralf wir werden dich bei deinem ersten öffentlichen Auftritt in unserem "Wohnzimmer" herzlich begrüßen ! Ein Sieg am Montag gegen Duisburg wird bestimmt zu einer weiteren Genesung beitragen.

  4. AnW

    Mingus, schön das Du wieder da bist! Hoffe Du lernst wirklich daraus und kannst auch Arbeit abgeben, wir brauchen Dich noch einige Zeit und deine Enkel auch. "Wir haben einen Traum" mit Dir zusammen :-) bleib Gesund.

  5. Friedemann

    In Aue wurde auf einen Sportdirektor verzichtet, da dieser zwischen den Transferperioden nicht direkt überlastet ist. Wenn die Dynamo jetzt mehr in den Überbau (sportliche Leiter) statt in den Unterbau, sprich Spieler, investiert, glaube ich nicht, dass das funktioniert.

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