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Freitag, 20.04.2012

Millionen-Verluste: Grube droht mit Rückzug

Bahn-Chef Rüdiger Grube (60) knipst auf der Sachsen-Franken-Magistrale den Stundentakt aus. Die Bahn will ihren eigenwirtschaftlich betriebenen Interregioexpress (IRE) zwischen Dresden und Nürnberg ab Dezember 2013 einstellen. Grund seien zweistellige Millionenverluste im Jahr, so Grube in einem Brief an Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (55, CSU).

Dresden. Kommt es so, fährt zwischen den beiden Großstädten nur noch alle zwei Stunden ein Regionalexpress (RE). Den bestellen und bezahlen die beiden Freistaaten Sachsen und Bayern als Nahverkehr über ihre Zweckverbände. Zahlen nennen die nicht. Auch das Wirtschaftsministerium in Dresden hält sich bedeckt.

Sollten Sachsen und Bayern für die Bahn einspringen, um den Stundentakt aufrechtzuerhalten, würde das etwa 23 Millionen Euro kosten, rechnen Experten. Demnach kostet der Zugkilometer bei den dieselbetriebenen Neigetechnikzügen der Baureihe 612 etwa zehn Euro. Bei einer Entfernung von 390 Kilometern zwischen Dresden und Nürnberg macht das pro Zug um die 4 000 Euro, die als Trassennutzungsgebühr anfallen. Bei acht IREs täglich, die die Bahn streichen will, kommt die Summe zusammen.

"Sachsen bekommt damit die Quittung für sein windelweiches Verhandeln mit dem Bahnkonzern. Statt vehement sächsische Interessen gegenüber der Bahn zu vertreten, steckt die Regierung seit Jahren den Kopf in den Sand und vertraut auf das Prinzip Hoffnung", kritisiert die Grünen-Landtagsabgeordnete Eva Jähnigen (46). Zum Bahngipfel am 7. Juni in Chemnitz müsse die Landes­regierung Flagge zeigen. (tor)