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Dienstag, 17.08.2004

Milbradt kehrt rechtzeitig Zittauer Markt den Rücken

Von Sebastian Beutler

Die Demonstranten waren schneller. Sie sind schon da, als der Werbe-Bus der Sachsen-CDU mit dem Ministerpräsidenten an Bord gestern Nachmittag auf den Zittauer Markt einbiegt. Lautstark verschafft sich ein früheres NPD-Mitglied mit seiner Hartz-IV-Kritik Gehör gegen eine andere Gruppe, der es um den Neubau der B 178 geht, jener Straße, die einmal von der Autobahn 4 bei Weißenberg bis nach Zittau führen soll und deren Bau nicht so recht vom Fleck kommt. Andere wiederum setzen sich für ein Gymnasium in der Stadt Seifhennersdorf bei Zittau ein.

Milbradt geht wie angekündigt den Gesprächen nicht aus dem Weg. „Lebhafte und durchaus interessante Diskussionen“, nennt er sie später gegenüber Journalisten. Nach reichlich einer Stunde sind sie aber vorbei, der Besuch einer Firma als nächster Programmtermin naht.

Der sächsische Ministerpräsident kehrt an diesem Tag nicht auf den Markt zurück, auch nicht, als sich gegen 18 Uhr schätzungsweise 750 Menschen zur Montags-Demo versammeln. „Ich habe nie zugesagt, dort hinzugehen“, erklärt Milbradt sein Verhalten. Genau das aber hatte der Zittauer Landtagsabgeordnete und Ex-Innenminister Heinz Eggert gegenüber der SZ behauptet und damit tagelang für Turbulenzen und endlose Telefonate innerhalb der sächsischen Union gesorgt. Tatsächlich hatte Milbradt zuvor nicht ausgeschlossen, an einer Montags-Demo teilzunehmen. Als dann bekannt wurde, dass er ausgerechnet zum Zeitpunkt der Zittauer Kundgebung am Montagabend in der Stadt ist und Zeit hat, waren den Spekulationen Tür und Tor geöffnet.

Milbradt fürchtete zum Schluss, vor „braunen und roten Extremisten auf dem Markt zu stehen und von 100 Fernsehkameras aus ganz Deutschland“ gefilmt zu werden. Das wollte die sächsische Union zum Wahlkampfauftakt verhindern. Und so wurde schnell für den Ministerpräsidenten eine Beratung über ein Schulproblem organisiert – punktgenau zum Zeitpunkt der Zittauer Montags-Demo.

Was den sächsischen Regierungschef womöglich auf dem Markt erwartet hätte, bekam Heinz Eggert zu spüren. Sein erster Redeversuch ging im Buhen und Pfeifen unter, beim zweiten Mal verstand man auch kein Wort.