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Dienstag, 06.03.2018

Melancholie am Meer

Mit Arbeiten von Ursula Strozynski gibt Sybille Nütt ihren Einstand bei „art+form“

Ursula Strozynski: Meer III, Mischtechnik/Collage Foto: PR
Ursula Strozynski: Meer III, Mischtechnik/Collage Foto: PR

Es gibt ein Gedicht von Gottfried Benn – Zwei Dinge –, welches man fast als verbale Essenz der Werke Ursula Strozynski’s bezeichnen könnte und an dessen Ende es heißt: „Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere, was alles erblühte, verblich, es gibt nur zwei Dinge: die Leere und das gezeichnete Ich.“

Die Reduzierung des Gesehenen auf das für sie Wesentliche ist das Markenzeichen von Ursula Strozynski. Das Weglassen führt zu einer Klarheit und Grundsätzlichkeit, die unmittelbar und anziehend wirkt.

Obwohl Ursula Strozynski nur ein Jahr nach ihrem Architekturstudium in Dresden von 1972 bis 1976 in diesem Beruf arbeitete, sieht man ihren Werken bis heute den „Architektenblick“ an, und zwar im besten Sinne.

Durch die Schnörkellosigkeit ihrer Arbeiten überzeugen gerade auch Motive, die bei anderen schnell ins Gefällige, Urlaubserinnerte abgleiten – Strand, Boote, Berge, Meer. Sie zeichnet vor Ort und radiert später im Atelier mit einer Sachlichkeit und Klarheit, die jede Romantik vermissen lässt, und trotzdem lösen die oft wenigen Striche eine Melancholie aus, der man sich überrascht und willig aussetzt.

Ihre Blätter sind allesamt menschenleer und doch ist der Mensch überall anwesend: in von ihm Gebautem, in Häusern, Brücken, Räumen, Städten und in von ihm Benutztem, in verlassenen Strandliegen, Booten, Stühlen, Wäscheleinen. Beim Betrachten hat man das Gefühl des Alleinseins, aber einsam fühlt man sich nicht.

Ein Ausrufezeichen

zu Beginn der Saison Nach dem 25-jährigen Jubiläum von art+form im vergangenen Jahr hat Inhaber Remo Dudek nun Sybille Nütt als Galerie- leiterin gewinnen können. Die Bindung der erfahrenen Dresdner Galeristin zu Beginn der aktuellen Ausstellungssaison setzt ein Ausrufezeichen, und lässt eine weitere Steigerung des Anspruches erwarten. Sybille Nütt hatte sich mit ihrer gleichnamigen Galerie am Obergraben einen Namen gemacht und ist den Dresdnern auch durch ihre Aktivitäten für die Belebung des Neustädter Barockviertels bekannt.

Service

Was: Ursula Strozynski: Zeichnungen & Radierungen

Wann: bis 15. März, Mo-Fr 10-20, Sa 10-18 Uhr

Wo: Galerie art+form, Bautzner Straße 11, Dresden

Tickets: Eintritt frei