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Montag, 18.09.2017

Meißner Technik für Irans Bahnnetz

Spezialisten aus Teheran informierten sich bei der Firma Photon. Die könnte helfen, das asiatische Land zu modernisieren.

Von Udo Lemke

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Betriebsrundgang mit iranischen Bahnspezialisten bei der Firma Photon Meissener Technologies GmbH.
Betriebsrundgang mit iranischen Bahnspezialisten bei der Firma Photon Meissener Technologies GmbH.

© Claudia Hübschmann

Meißen. Die Islamische Republik Iran will allein in den kommenden fünf Jahren 28 Milliarden Dollar für den Ausbau ihres Eisenbahnnetzes ausgeben, erklärt Thomas Richter von der Wirtschaftsförderung Sachsen. Das Land, das mehr als viereinhalbmal so groß wie Deutschland ist, verfügt nur über ein Schienennetz von 13 000 Kilometern (Deutschland: 35 000 Kilometer), davon sind gerade einmal 200 elektrifiziert, so Thomas Richter.

Der iranische Bahnausbau ist ein Projekt, das auch für sächsische Firmen interessant ist. Immerhin beschäftigen sich in Sachsen 240 Firmen mit Bahntechnik – vom Notrufsystem bis zum Schienenfahrzeug, und rund 13 000 Menschen sind in der Branche beschäftigt. Um beides zusammenzubringen – den Bedarf und das Angebot – hatte das sächsische Wirtschaftsministerium acht iranische Bahnspezialisten eingeladen. In der vergangenen Woche besuchten sie Betriebe in Bautzen, Dresden, Delitzsch, Grimma Leipzig, Niesky und zuletzt am Freitag Meißen.

Hier waren die iranischen Fachleute zu Gast bei der Photon Meissener Technologies GmbH auf der Niederauer Straße. Der Betrieb ist spezialisiert auf Gehäuse für Schienenfahrzeuge. „Wir schweißen etwa Teile für den ICE IV“, erklärte Geschäftsführer Michael Brandhorst vor der iranischen Wirtschaftsdelegation und Vertretern sächsischer Firmen. Außerdem werden in Meißen Notruf- und andere Kommunikationssysteme für die Bahn hergestellt. Und: „Vor zwei Jahren haben wir rund 2 000 Ladestationen für Elektro-Autos gebaut, viel mehr werden sie derzeit in Deutschland nicht finden.“ Michael Brandhorst erklärte, dass am Meißener Standort des Photon-Firmenverbundes derzeit 85 Mitarbeiter beschäftigt sind, denen eine Produktionsfläche von 6 250 Quadratmetern auf einem Firmengelände von insgesamt 15 000 Quadratmetern zur Verfügung stehen. „Wir machen rund acht Millionen Euro Umsatz im Jahr.“

Auf einem Betriebsrundgang zeigte der Photon-Geschäftsführer den iranischen Gästen eine Anlage zur Pulverbeschichtung von Aluminium und von Stahl sowie eine Strecke, wo mittels Laser geschweißt wird, ebenso moderne Abkantvorrichtungen. Ziel des Austausches ist es, vor allem für mittelständische und kleinere Firmen aus Sachsen, Aufträge zu akquirieren. Dem diente auch der Besuch zweier sächsischer Wirtschaftsdelegationen im vergangenen Jahr im Iran. Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) erklärte dazu: „Ich freue mich, dass nach meiner Delegationsreise in den Iran vom letzten Jahr nun eine iranische Delegation unserer Einladung nach Sachsen gefolgt ist. Bei meinem Besuch im iranischen Ministerium für Verkehr und Städtebau haben mich besonders die ambitionierten Investitionsvorhaben der iranischen Regierung im Bereich des Eisenbahnnetzes beeindruckt. Der Iran setzt dabei auf neueste Technologien und internationale Zusammenarbeit. Der Freistaat hat die dafür notwendigen Kompetenzen.“

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Martin H.

    Warum muss sich der Freistaat immer bei besonders problematischen Staaten engagieren? Sind sächsische Produkte im demokratischen Ausland nicht wettbewerbsfähig? Iran ist trotz der aufgehobenen Sanktionen eine beinharte Mullah-Diktatur. Ein Rückschritt in Vor-Embargo-Zeiten ist jederzeit möglich. Zudem unterstützt das Mullah Regime den Kriegsverbrecher und Giftgasmörder Assad in Syrien und spielt im Jemen neben Saudi-Arabien die kriegstreibende Rolle. Die (Profit-)Gier sollte nicht das Hirn vernebeln, gerade weil die Wirtschaftsförderung mit Steuerzahlerknete spielt. Hinterher ist das Geschrei wieder groß wenn es komplett in die Hosen geht. Also Augen auf bei der Geschäftspartner-Wahl.

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