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Sonntag, 24.04.2011

Meißner retten 53 Zebrafinken das Leben

Die Tiere waren in einem winzigen Zimmerkäfig eingesperrt. Jetzt zwitschern sie im Tierheim Winkwitz in einer komfortablen Voliere.

Von Peter Anderson

Vor lauter Zwitschern versteht man sein eigenes Wort nicht mehr. Die rund 50 Zebrafinken in der geräumigen Voliere im Tierheim Winkwitz sind ganz aus dem Häuschen. Wer die Vogelsprache versteht, könnte wahrscheinlich hören, wie sie sich freuen. Aber auch über die leidvolle Erfahrung der vergangenen Wochen dürfte gezwitschert werden.

Ursula Bauer von der Aktion Tier kennt die Geschichte der putzigen Vögelchen aus eigener Anschauung. Vor wenigen Tagen hat sie die Finken aus einer Wohnung im Berliner Stadtbezirk Wedding befreit.

Verseucht von Milben

In der Küche eines 73-jährigen Rentners saßen sie eingepfercht in einem winzigen Zimmerkäfig. Dicht an dicht drängten sie sich auf den Sitzstangen. Die Enge machte die Tiere aggressiv. Sie hackten und rupften einander. Einige der jetzt in Winkwitz lebenden Zebrafinken sind fast nackt, besitzen nur noch Reste ihres beige-grauen Gefieders. Mehrfach mussten sie wegen Milben behandelt werden. Nach Angaben vor Aktion-Tier-Mitarbeiterin Bauer erkannte der Tierbesitzer selbst, dass ihm seine Zebrafinken-Haltungüber den Kopf wuchs. Ursprünglich hatte er mit vier Exemplaren begonnen. Diese vermehrten sich allerdings sehr schnell. Der ständige Nachwuchs, das Füttern und die Massen an täglich anfallendem Vogelkot seien ihm schließlich zu viel geworden. Der 73-jährige Rentner bat die Aktion Tier um Hilfe. „Wenn wir die Vögel nicht abgeholt hätten, wären es nächstes Jahr vielleicht schon doppelt so viele“, sagt Ursula Bauer. Allein 45 Eier zählte die Biologin in den Nistkästen. Ein Teil davon wäre sicherlich ausgebrütet worden.

Der Fall erinnert an den Tier-Sammler Gerhard Adam aus dem Berliner Stadtbezirk Spandau. Ähnlich wie bei dem Rentner in Wedding endete ein harmloser Vogelkauf schließlich im Chaos. Anfang 2009 wurden aus der Dachgeschoss-Wohnung von Adam über 1700 Wellensittiche gerettet. Ihm wurde ein Tierhalteverbot erteilt.

In Winkwitz werden die Zebrafinken von Heimchef Mario Aßmann und seinen Mitarbeitern derzeit mit vitaminreichem Futter und Körnern aufgepäppelt. Vermehren dürfen sie sich nicht. Die Helfer des Tierheims entfernen regelmäßig frisch gelegt Eier. Eine Dauerlösung sei die Unterbringung in Winkwitz allerdings nicht, betont Mario Aßmann. Nach der Quarantäne sollten die Vögel an verantwortungsbewusste Tierfreunde abgegeben werden. „Da die Zebrafinken nicht zu den bedrohten Tierarten zählen, können wir sie auch an Privatleute vermitteln“, sagt Aßmann.

Der Tierheimchef muss in Winkwitz immer wieder Platz für Neuankömmlinge schaffen, da zunehmend Tiere ausgesetzt und beschlagnahmt werden. Erst im November vorigen Jahres übernahmen die Winkwitzer zwei Kaimane von einem überforderten Halter. Mittlerweile konnten die Tiere an das Meeresaquarium nach Zella-Mehlis vermittelt werden, so Aßmann.