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Mittwoch, 16.05.2018

„Mein Anspruch ist nicht die Norm“

Von Alexander Hiller

Jenny Elbe will wieder weite Sprünge zeigen – und am Sonnabend in ihrem Heimstadion die EM-Norm knacken.
Jenny Elbe will wieder weite Sprünge zeigen – und am Sonnabend in ihrem Heimstadion die EM-Norm knacken.

© dpa

Sie kehrt wieder auf ihre Bühne zurück. Dazu noch im heimischen Stadion. Knapp anderthalb Jahre war Jenny Elbe weg vom Fenster. Eine Knieverletzung kostete die komplette letzte Sommersaison, eine langwierige Fersenprellung die kurze Hallensaison im Winter. Für die Dresdnerin, die im April gerade 28 Jahre alt wurde, eine Zwangspause zur Unzeit. In der technisch und für die Gelenke anspruchsvollen Disziplin sind Leistungsexplosionen von Athleten jenseits der 30-Jahre-Marke die absolute Ausnahme.

Das weiß auch Jenny Elbe. Die deshalb glücklich ist, dass sie endlich wieder schmerzfrei springen kann. „Ich habe ein paar harte Wochen und Monate hinter mir“, sagt sie. „Seit Olympia 2016 bin ich eigentlich außen vor. Damit kann und will ich mich nicht zufriedengeben“, erklärt die sechsfache deutsche Meisterin. Zumindest hat sie die sportliche Pause genutzt, um andere Projekte voranzutreiben. Ihr Studium der Lebensmittelchemie hat Jenny Elbe erfolgreich beendet, jetzt arbeitet sie 20 Stunden pro Woche am Empfang in einer AOK-Filiale. „Sie muss ja auch mal den Einstieg ins Berufsleben schaffen“, sagt ihr Trainer und Vater Jörg Elbe.

Die Konkurrenz rückt vorbei

Doch zunächst verfolgt seine Tochter natürlich hauptsächlich sportliche Ziele. Sich beispielsweise für die Leichtathletik-EM 2018 in Berlin zu qualifizieren. Die Norm dafür hat der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) bei 13,90 Meter verankert. Am vergangenen Sonntag versuchte sich Elbe bei ihrem Saisoneinstand in Garbsen noch vergeblich, scheiterte um drei Zentimeter.

Jetzt darf sie am Sonnabend daheim einen neuen Anlauf nehmen. Weil ihr Heimverein Dresdner SC das traditionelle Jugendmeeting Schritt für Schritt zu einem Wettbewerb mit „Schwerpunkt Spitzenleistung“ ausbauen will, wie es Abteilungs-Vize Michael Gröscho formuliert. „Das ist doch cool für Dresden. Das Stadion ist ja nicht schlecht, schön zu sehen, dass die Jugend vielleicht durch unseren Einsatz noch ein bisschen mehr gepusht wird. Ich fühle mich ja auch wohl auf der Heimanlage“, versichert Jenny Elbe. Vor zwei Jahren sprang sie an selber Stelle ihre noch heute gültige Bestmarke von 14,28 Metern.

An diese Leistung wird die gebürtige Karl-Marx-Städterin wohl wieder anknüpfen müssen, wenn sie eine Chance auf ein Ticket für Berlin haben möchte. Denn in Elbes Zwangspause ist die nationale Konkurrenz ein wenig enteilt. Die Chemnitzerin Kristin Gierisch springt beinahe konstant um die 14,30 Meter, Neele Eckhardt steigerte ihren Bestwert auf 14,35 Meter. „Konkurrenz belebt das Geschäft, das tut dem Dreisprung in Deutschland gut. Für mich ist das keine Luxussituation, aber da muss ich mich durchsetzen, das treibt den Ehrgeiz noch einmal ein bisschen nach oben“, sagt Jenny Elbe.

Die EM-Norm betrachtet sie nicht als Hürde. „Mein Anspruch ist nicht die Norm, ich will schon an meine Bestleistung anknüpfen“, gibt sich die größte EM-Hoffnung des Dresdner SC kämpferisch. Allerdings gibt sie zu bedenken, dass es ihr noch an dem richtigen Wettkampfgefühl fehlt.

„Ich habe gemerkt, dass man überhaupt nicht mehr dieses Gespür hat. Dabei habe ich den Wettkampf immer so geliebt. Aber da ist dann dieser Druck, das Adrenalin rauscht durch den Körper – man weiß gar nicht, wohin mit seinen Beinen“, beschreibt sie die Comeback-Gefühle. Durchaus möglich, dass Jenny Elbe in Dresden damit bereits besser umgehen kann. Auf dieser Bühne, die sie nun wieder bespielt.