erweiterte Suche
Freitag, 14.09.2018

Mehr Verantwortung

Der Ausfall der verunglückten Kristina Vogel reißt eine Lücke. Jetzt ist ihre Gold-Partnerin Miriam Welte besonders gefragt.

Von Thomas Juschus

Miriam Welte freut sich im März über ihre WM-Goldmedaille im 500-Meter-Zeitfahren.
Miriam Welte freut sich im März über ihre WM-Goldmedaille im 500-Meter-Zeitfahren.

© dpa

Sie fehlt. Als Sportlerin sowieso, aber auch als diejenige, die andere motivieren kann. Nach dem Unfall von Ausnahmeathletin Kristina Vogel setzt Bahnrad-Bundestrainer Detlef Uibel auf die Jugend und auf Routine. Außer der erfahrenen Miriam Welte, auch Olympiasiegerin und sechsfache Weltmeisterin, drängen mit den 20-jährigen Pauline Grabosch aus Erfurt und Emma Hinze aus Cottbus sowie der 18-jährigen Lea Sophie Friedrich aus Schwerin drei talentierte Sprinterinnen in die internationale Spitze.

„Von der Quantität und auch Qualität haben wir glückliche Umstände. Diese Breite hat es bei den Frauen in den vergangenen zehn Jahren nicht gegeben“, sagt Uibel. Trotzdem sei der Ausfall der durch ihren Trainingsunfall querschnittsgelähmten Vogel nicht zu kompensieren. Seit 2012 bestimmte die Erfurterin die Weltspitze, gewann 2012 und 2016 Olympia-Gold sowie elf Weltmeistertitel. „Wir können Kristina sportlich und als Persönlichkeit nicht ersetzen. Auch ihre Pressekonferenz am Mittwoch hat ihren starken und außergewöhnlichen Charakter unterstrichen. Sie ist und bleibt eine Ausnahmeerscheinung.“

Grabosch, Hinze und Friedrich können künftig die Lücke zumindest verkleinern. Grabosch holte 2018 bereits Teamsprint-WM-Gold und WM-Bronze im Sprint. Hinze zeigte bei den European Championships in Glasgow, die gleichzeitig der Auftakt der Olympia-Qualifikation waren, mit Welte als Dritte im Teamsprint ihr gewachsenes Potenzial. Friedrich glänzte im August bei der Junioren-Weltmeisterschaft im schweizerischen Aigle mit vier Titeln.

Um das junge Trio an die Weltspitze zu führen, kommt auch Welte eine wichtige Rolle zu. „Sie hat jetzt eine größere Verantwortung als vorher. Sie darf nicht nur auf ihre eigene Leistung schauen. Das weiß sie auch. Schließlich kann sie den Teamsprint nicht allein gewinnen“, sagt Uibel.

Die Olympiasiegerin von 2012 in London hat sich derweil noch nicht entschieden, ob sie bis zu den Sommerspielen 2020 in Tokio weitermacht. „Ich hatte mir nach Rio de Janeiro den Weg offengelassen. Das gilt nach wie vor“, sagt die 31-Jährige aus Kaiserslautern. „Die Wehwehchen werden größer. Es ist alles ein bisschen schwerer als vor zehn Jahren. Wenn es reicht, möchte ich aber in Tokio dabei sein“, sagt die zweifache 500-Meter-Weltmeisterin.

Mit ihrer neuen Rolle in der Mannschaft nach dem Aus ihrer langjährigen Weggefährtin hat sie sich arrangiert. „Früher habe ich mich an Kristina orientiert. Jetzt orientieren sich die Mädels vermutlich an mir. Die größere Verantwortung ist mir bewusst“, sagt Welte. Gleichzeitig mache sie die gute Nachwuchsarbeit auch ein bisschen stolz: „Emma hat mit dem Radsport begonnen, als Kristina und ich 2012 Olympiasiegerinnen wurden. Jetzt fahre ich mit ihr. Das ist schon verrückt.“ (dpa)