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Donnerstag, 14.06.2018

Mehr Sonne als in Dresden

Eine bundesweite Studie zur Lebensqualität bescheinigt dem Landkreis gute Werte. Nachholbedarf gibt es trotzdem.

Von Jens Fritzsche

Blick vom Schloss Klippenstein auf die Radeberger Innenstadt: Eine neue Studie zur Lebensqualität zeigt, dass es sich im Landkreis Bautzen durchaus gut leben lässt. Und Radeberg hat mit niedriger Arbeitslosigkeit und der Nähe zu Dresden durchaus einen wichtigen Anteil daran.
Blick vom Schloss Klippenstein auf die Radeberger Innenstadt: Eine neue Studie zur Lebensqualität zeigt, dass es sich im Landkreis Bautzen durchaus gut leben lässt. Und Radeberg hat mit niedriger Arbeitslosigkeit und der Nähe zu Dresden durchaus einen wichtigen Anteil daran.

© Thorsten Eckert

Radeberg. Die Leute im Landkreis Bautzen sind im Vergleich zu den Dresdnern dicker. Dafür rauchen die Dresdner ein bisschen mehr als die Bautzener. So sind in Dresden 46,3 von 100 Einwohnern übergewichtig, im Landkreis Bautzen sind es 59,9. Und während 22,1 von 100 Dresdnern zur Zigarette greifen, tun es „nur“ 21,9 von 100 Bewohnern des Landkreises Bautzen …

Sicher, es gibt wichtigere Details, die in der aktuellen Studie zu finden sind, die sich mit der Lebensqualität in den insgesamt 401 deutschen Landkreisen und kreisfreien Städten befasst. Vorgelegt wurde sie jetzt gemeinsam vom Wirtschaftsinstitut Prognos und dem ZDF. Und der Landkreis Bautzen kommt auf Platz 113 ein. Weit hinter Dresden, das auf dem zwölften Rang liegt, aber vorm Nachbarkreis Görlitz mit Platz 132. Die Ergebnisse basieren dabei auf Fakten aus Statistiken, die miteinander verglichen wurden. Die Forscher haben sich dabei bewusst gegen eine Befragung von Einwohnern entschieden, da die subjektive Wahrnehmung die Realitäten mitunter sehr verzerre, heißt es in der Begründung. Statistiken zur Gesundheit, Löhnen, Kriminalität oder auch die Entfernung zum nächsten Krankenhaus geben hingegen ein belastbares und gut vergleichbares Bild ab.

Im Landkreis teilen sich mehr Bewohner einen Arzt als in Dresden

Deutlich werden dabei die Unterschiede zwischen ländlichem Raum und zum Beispiel der Großstadt Dresden vor allem beim Thema medizinische Versorgung. Während sich im Landkreis Bautzen immerhin 677 Einwohner einen Arzt „teilen“ müssen, sind es in Dresden 478. Auch brauchen die Bautzener gut zwölf Minuten zum nächsten Krankenhaus, die Dresdner gerade mal vier Minuten. Wobei nicht vergessen werden darf, dass natürlich auch die Bewohner im direkt an Dresden grenzenden südlichen Raum des Kreises von diesen positiven Aspekten der Landeshauptstadt profitieren.

Die Großstadt ist ein gefährlicheres Pflaster als der Kreis Bautzen

Dafür lebt es sich im Kreis Bautzen sicherer als in der Großstadt Dresden. Während es im Landkreis laut Statistik 14 Gewaltverbrechen pro 10.000 Einwohnern gibt, ist die Gefahr mit 26 Gewaltverbrechen in Dresden fast doppelt so groß. Wobei der Nachbarkreis Görlitz mit 22 Fällen fast Dresdner Verhältnisse vorweist. Auch die Zahl der Wohnungseinbrüche ist mit 6,5 je 10 000 Einwohnern in Görlitz höher als mit 4,6 in Bautzen. Zumindest dieser Fakt lässt sich wohl auf das Thema Grenzkriminalität im Raum Görlitz zurückführen.

Radeberg sorgt für vergleichsweise gute Zahlen auf dem Arbeitsmarkt

Auch beim Thema Arbeit schneidet der Landkreis Bautzen nicht so schlecht ab. Die Arbeitslosenquote lag hier im Dezember 2017 bei 5,8 Prozent. In Görlitz war sie mit 8,7 Prozent deutlich höher. Hier profitiert Bautzen natürlich nicht zuletzt vom Dresdner Speckgürtel im Raum Radeberg. Dort hatte jüngst die Arbeitsagentur ihre Filiale geschlossen, weil es fürs Arbeitsamt einfach keine Arbeit mehr gab. Mit knapp 3,5 Prozent konnte Radeberg die niedrigste Arbeitslosenquote in ganz Ostdeutschland vorweisen. In der Stadt Bautzen selbst wurden laut Stadtverwaltung Ende des Jahres 9,6 Prozent Arbeitslose gezählt. Die deutsche Durchschnittsquote lag im Dezember übrigens bei 5,3 Prozent. Damit ist der Landkreis Bautzen also gutes Mittelfeld.

Dresdner können mehr Geld ausgeben als die Bautzener

Auch, wenn die Studie nicht direkt auf die gezahlten Löhne in den einzelnen Regionen eingeht, über die Kaufkraft lässt sich das Ganze zumindest indirekt ableiten. Und da liegt der Landkreis Bautzen mit 19.739 Euro pro Kopf und Jahr etwa 3.000 Euro unter dem deutschen Durchschnitt. In Dresden haben die Einwohner 20 374 Euro in der Tasche. Wobei das Leben in der Großstadt natürlich auch kostenintensiver ist; auch wenn es dazu in der Studie keine konkreten Zahlen gibt.

Mehr Sonne im Landkreis als in der Touristen-Metropole an der Elbe

Natürlich, wenn die Sonne scheint, ist man zufriedener als bei grauem Nieselwetter. Und so hat die Studie beispielsweise auch die Zahl der Sonnenstunden pro Jahr zu bieten. Und zwar aus dem langjährigen Mittel zwischen 1981 und 2010. Und da können sich die Einwohner im Kreis Bautzen mit 1 659 Sonnenscheinstunden über genau 18 Stunden mehr als in Dresden freuen. Allerdings haben die Görlitzer – weiter östlich – mit 1.687 wiederum 28 sonnige Stunden mehr als die Bautzener …