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Samstag, 26.05.2018

Mehr befristete Jobs, mehr Festanstellungen

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt bessert sich, trotzdem sind viele Jobs noch immer befristet. Betroffen sind vor allem Vertretungs- und Saisonjobs sowie Projektarbeit. Anders und rosiger sieht es dagegen für Fachkräfte aus.

Von Ralf Hübner

© dpa/Christian Charisius (Symbolfoto)

Dresden. Die Zahl befristeter Jobs hat in Sachsen zwar in den vergangenen Jahren weiter zugenommen, dennoch setzen Unternehmen und Verwaltungen im Wettbewerb um Fachkräfte wieder zunehmend auf Festanstellungen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

„Eine befristete Beschäftigung kann für arbeitslose Frauen und Männer eine hilfreiche Brücke in eine versicherungspflichtige Arbeit sein“, sagte der Leiter der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit, Klaus-Peter Hansen. Im Wettbewerb um Fachkräfte könnten die Betriebe hingegen eher mit unbefristeten Jobs punkten. „Sicherheit ist für viele Menschen bei der Wahl des Arbeitsplatzes entscheidend.“

Nach Angaben der Regionaldirektion in Chemnitz ist aktuell etwa jeder 13. Job in Sachsen befristet. Demnach hatten 2016 8,1 Prozent aller Minijobber, Auszubildenden und sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nur eine zeitlich begrenzte Anstellung. Das waren 0,7 Prozentpunkte mehr als 2015 und konzentrierte sich auf 16 Prozent der Betriebe. Vor allem größere Unternehmen nutzten diese Möglichkeit.

Von den bei Arbeitsagenturen und Jobcentern aktuell 39 400 gemeldeten freien Stellen seien 84,5 Prozent Vollzeit und 87,6 Prozent unbefristet. Drei Viertel aller befristet Beschäftigten entfallen demnach auf die Bereiche Erziehung und Unterricht, Gesundheits- und Sozialwesen, auf den Dienstleistungsbereich sowie das Verarbeitende Gewerbe. Höhere Anteile gibt es auch im Gastgewerbe und in der Land- und Forstwirtschaft - allgemein auf Saisongeschäfte.

„In Zeiten eines zunehmenden Fachkräftemangels ist Befristung als Mittel der Personalpolitikes vollkommen absurd“, sagte Sachsens DGB-Chef Markus Schlimbach. Für junge Menschen sei das eine permanente Drohung mit der Entlassung. „Vor allem sachgrundlose Befristungen gehören vollkommen abgeschafft.“ Er bestätigte: „Befristete Verträge werden vorrangig von Großbetrieben genutzt, während kleine Betriebe eher Mini-Jobs anbieten.“

Schlimbach zufolge gibt es im öffentlichen Dienst und dort vor allem an den Hochschulen und Universitäten ebenfalls viele befristete Arbeitsverhältnisse, aber auch in der öffentlichen Verwaltung. Hinzu kämen der Gesundheits- und Sozialbereich und die allgemeinen Dienstleistungen.

„Der Anteil befristeter Arbeitsverhältnisse in den kommunalen Kernhaushalten ist seit 2007 bis zum Juni 2016 von fast neun auf weniger als sieben Prozent zurückgegangen“, machte hingegen der Geschäftsführer des Sächsischen Städte- und Gemeindetages, Mischa Woitscheck, geltend. Deshalb treffe die Aussage, der öffentliche Dienst arbeite oft mit Befristungen, auf die kommunalen Arbeitgeber nicht zu. Bestimmte Befristungen wie die Vertretung bei Elternzeit, bei bestimmten Projekte oder Fördermaßnahmen werde es allerdings weiter geben.

In Chemnitz haben nach eigenen Angaben 232 der etwa 4 000 Bediensteten der Verwaltung einen befristeten Arbeitsvertrag. „Diese Verträge werden vor allem zur Vertretung von Elternzeiten sowie langfristigem Personalausfall etwa bei Krankheit genutzt und sind ein wichtiges personalwirtschaftliches Instrument, um zeitlich begrenztem Ausfall von Bearbeitungskapazität auszugleichen“, erklärte ein Sprecher.

Wissenschaftministerin Eva-Maria Stange (SPD) will die befristeten Arbeitsverhältnisse an Universitäten und Hochschulen verringern. Es handele sich um „einen Veränderungsprozess größeren Ausmaßes“, hieß es. Die Hochschulen benötigten dazu Zeit. Diese haben sich zu Personalentwicklungskonzepten verpflichtet. Damit entstünden planbarere Karrierewege sowie - so die Zielstellung - mehr unbefristete Beschäftigungsverhältnisse. „Ziel soll sein, dass Daueraufgaben mit unbefristeten Personal bewältigt werden.“

Das Halbleiter-Unternehmen Infineon Technologies Dresden GmbH beschäftigt nach eigenen Angaben 72 Mitarbeiter mit befristeten Verträgen. Das entspreche 3,1 Prozent der mehr als 2 200 Mitarbeiter. Gründe seien unter anderm die Vertretung von Mitarbeitern in Elternzeit.

„Wir tendieren allerdings immer mehr zu unbefristeten Einstellungen“, sagte Pressesprecher Christoph Schumacher. Im laufenden Geschäftsjahr seien 217 neue Mitarbeiter eingestellt worden, davon nur 22 mit befristeten Verträgen. Im vorangegangenen Geschäftsjahr seien noch 77 von insgesamt 167 Einstellungen befristet gewesen. (dpa)