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Donnerstag, 12.07.2018

Mehr als platte Bauten

Der Italiener Maurizio Camagna hält DDR-Architektur in hochaufgelösten Fotos fest – für sich, für Forscher, für Fans und Bewahrer. Eine Bildergeschichte wie eine Zeitreise durch Dresden.

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Menschenleer, Himmel weit, nichts lenkt von der Bauästhetik ab, wie hier beim einstigen Interhotel an der Prager Straße (oben) und am Kristallpalast in Dresden. So inszeniert der Italiener Maurizio Camagna die Fotos seiner Serie über DDR-Bauten. Mit seiner besonderen Technik schafft er ultrahochaufgelöste Bilder.
Menschenleer, Himmel weit, nichts lenkt von der Bauästhetik ab, wie hier beim einstigen Interhotel an der Prager Straße (oben) und am Kristallpalast in Dresden. So inszeniert der Italiener Maurizio Camagna die Fotos seiner Serie über DDR-Bauten. Mit seiner besonderen Technik schafft er ultrahochaufgelöste Bilder.
  • Menschenleer, Himmel weit, nichts lenkt von der Bauästhetik ab, wie hier beim einstigen Interhotel an der Prager Straße (oben) und am Kristallpalast in Dresden. So inszeniert der Italiener Maurizio Camagna die Fotos seiner Serie über DDR-Bauten. Mit seiner besonderen Technik schafft er ultrahochaufgelöste Bilder.
    Menschenleer, Himmel weit, nichts lenkt von der Bauästhetik ab, wie hier beim einstigen Interhotel an der Prager Straße (oben) und am Kristallpalast in Dresden. So inszeniert der Italiener Maurizio Camagna die Fotos seiner Serie über DDR-Bauten. Mit seiner besonderen Technik schafft er ultrahochaufgelöste Bilder.
  • Das Ruderzentrum des Architekten Ulrich Müther in Blasewitz (Ausschnitt).
    Das Ruderzentrum des Architekten Ulrich Müther in Blasewitz (Ausschnitt).

Dresden. Es ist dieser Grauschleier auf den Bildern, der den Blick des Betrachters schärft auf das, was wichtig ist. Kein Laub, kaum Menschen, keine Bewegung lenken ab. Was zählt, ist einzig das Gebäude. Platt und lang gebaut wie der Wohnriese an der Prager Straße, filigran gen Himmel strebend wie das Ruderzentrum in Blasewitz oder funktional und betonstrotzend wie die Theaterwerkstätten der Semperoper. Wer sich Maurizio Camagnas Fotoserie zur DDR-Architektur anschaut, fühlt sich um Jahrzehnte zurückversetzt in der Zeit. Dabei sind seine Aufnahmen erst drei Jahre alt oder noch viel jünger.

Ostmoderne von Maurizio Camagna

Der 55-jährige Italiener hat 2015 angefangen, Relikte der DDR-Architektur in Ostdeutschland zu fotografieren. Und nicht nur das. Der professionelle Fotograf aus Mailand war sofort beeindruckt von den Bauten. Mit spezieller Fototechnik und Computerbearbeitung schafft er es, ultrahochaufgelöste Bilder von den Gebäuden zu machen. Bilder, die auf riesigen Leinwänden erst richtig wirken und nichts an Schärfe oder Details verlieren. Sie wurden auch im The Wende Museum in Culver City bei Los Angeles ausgestellt, das Relikte der Ostblockstaaten zeigt.



Blick in die Prager Straße. Foto: Maurizio Camagna

800 Bilder hat er bereits für die Serie fertig. Ein Tag Arbeit benötigt er mindestens für die Fertigstellung von einem am Computer. Und die Liste der Bauwerke, die er noch festhalten will, ist lang. Bis 2019 oder länger dauere sein Projekt noch, so Camagna. Denn zum Fotografieren bleibe ihm nur die Zeit am Ende des Winters. Dann gebe es keine Blätter an den Bäumen und möglichst wenig Leute auf den Straßen, die in seinen Bildern vom Gebäude ablenken würden.



Ein ehemaliges Robotron-Gebäude. Foto: Maurizio Camagna

Den großen Aufwand betreibt der gelernte Toningenieur, um die Gebäude möglichst detailgetreu zu bewahren. „Mir liegt am Herzen, diese sehr wichtige Periode der Kunst und Architektur festzuhalten. Das ist der Grund, warum meine Bilder so hoch aufgelöst sind“, so Camagna. Mit seiner speziellen, selbst entwickelten Fototechnik würden selbst Kunsthistoriker, Architekten oder Ingenieure die alten Bauwerke im kleinsten Detail studieren können, selbst wenn es den Bau schon lange nicht mehr gebe. Denn viele wie das Robotron-Gebäude an der Petersburger Straße verschwinden nach und nach.



Blick in die Schwimmhalle in Prohlis. Foto: Maurizio Camagna

Die Auflösung der Bilder beeindruckt: „Wir hatten uns einen mittelgroßen Ausdruck angeschaut. Der bedeckte einen Konferenztisch. Man konnte mit der Nase bis ans Bild rangehen und sah trotzdem jedes Detail deutlich“, sagt Matthias Hahndorf. Er betreibt mit Marco Dziallas die Seite Ostmodern, auf der sie die Dresdner Architektur der Nachkriegsjahre bis zum Ende der DDR 1990 darstellen.



Die Plattenbau-Flanke entlang der Prager Straße. Foto: Maurizio Camagna

Hier wird ausführlich und anschaulich erläutert, welche Planer und Architekten in welcher Zeit, nach welchem Baustil die Gebäude errichteten. Zudem geben sie eine städtebauliche Einordnung. Die Art, wie Maurizio Camagna die Bauwerke präsentiert, beeindruckt sie. „Wir finden den Ansatz toll, den er wählt“, sagt Matthias Hahndorf. Seit anderthalb Jahren ist er mit Camagna wegen des Projekts in Kontakt. Der spezielle Eindruck der Bilder zieht sich durch die ganze Serie: Durch das Filterverfahren erzeugt er eine Lichtstimmung, so lasse sich keine Tageszeit erahnen. Zudem achte er darauf, dass keine Menschen auf den Bildern zu sehen sind. „Dadurch hebt er das besondere Bauwerk auf einen Sockel, um es zu würdigen“, sagt Hahndorf.



Das Wandbild "Dresden grüßt seine Gäste". Foto: Maurizio Camagna

Ihn freue, dass Camagna als Italiener die Highlights der ostdeutschen Baukultur hervorhebt, ohne in den Verdacht zu geraten, Ostalgiker zu sein. Einen Vorwurf, der den Ostmodern-Initiatoren immer mal wieder gemacht wird. Für die Texte und historische Einordnung seiner Bilder berät Maurizio Camagna sich zudem mit Kunsthistorikern, Forschern und Verlegern.

Seine Bilder veröffentlicht Maurizio Camagna bei Instagram. Wir haben eines seiner Motive vom Rundkino aur der Pragerstraße für diese Bildergeschichte auch auf unserem Account geteilt.