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Samstag, 31.03.2012

Margot Honecker gibt Fernsehinterview

Die Witwe des langjährigen DDR-Staats- und Parteichefs spricht über Mauer, Stasi und „bezahlte Banditen“.

Von Jutta Schütz, Berlin

Zweifel oder kritische Einsichten haben in der Welt von Margot Honecker keinen Platz. Die einst mächtigste Frau der DDR verteidigt ihre alte politische Welt jetzt auch in einem NDR-Dokumentarfilm, der am Montag um 21 Uhr im „Ersten“ ausgestrahlt wird. Dafür hat die Witwe von DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker erstmals seit mehr als 20 Jahren ein TV-Interview gegeben, wie der verantwortliche Norddeutsche Rundfunk (NDR) mitteilte.

In dem 90-minütigen Streifen des preisgekrönten Dokumentarfilmers Eric Friedler bezeichnet die frühere DDR-Ministerin den Tod von DDR-Flüchtlingen als „Dummheit“. „Man hat sich vor allem auch immer gefragt: Wieso hat er das riskiert? Warum? Denn das braucht ja nicht sein. Der brauchte ja nicht über die Mauer zu klettern.“

Seit 1992 lebt Margot Honecker im Asyl in Santiago de Chile, in der Nähe von Tochter und Enkeln. Am 17. April wird sie 85Jahre alt. Ihr Mann Erich lebte dort nur kurz. Er starb 1994. Der krebskranke Spitzenfunktionär konnte erst Anfang 1993 Deutschland verlassen, nachdem der Prozess wegen der Todesschüsse an der Mauer gegen ihn eingestellt worden war. Erich Honecker wäre am 25. August dieses Jahres 100 Jahre alt geworden.

Die Dokumentation analysiert mit Zeitzeugen, darunter Helmut Schmidt, Wolfgang Schäuble und Michail Gorbatschow sowie mit Opfern des SED-Regimes Aufstieg und Fall des Politikers. Aus Interviews und Original-Filmausschnitten ist ein umfassendes Bild der letzten Tage des SED-Politikers entstanden.

Es ist nicht überraschend, was Margot Honecker zu Protokoll gibt. Interessant ist aber, mit welcher Vehemenz sie Fehler ausblendet und den „Gegner“ verantwortlich macht für das Aus des Arbeiter- und Bauern-Staats. Schon im Buch „Zur Volksbildung“ beharrte sie darauf: Die DDR habe auf Gleichheit, Gerechtigkeit, Glück und Wohlstand gefußt.

Margot Honecker sieht keinen Anlass, sich für die Staatssicherheit zu entschuldigen. Die Stasi war nach ihrer Ansicht eine legitime Notwendigkeit. Zu politischen DDR-Häftlingen sagte sie, die seien kriminell gewesen. Traumatisierte Opfer, die in Jugendwerkhöfen litten, seien für sie „bezahlte Banditen“. (dpa)