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Dienstag, 19.09.2017

Luthers Bäume

An 16 Standorten erinnern Eichen und Linden in Dresden an den Reformator.

Von Kay Haufe

Nicht die schönste, aber eine der meistbesuchten Dresdner Luthereichen: die in der Heide. Revierförster Thomas Stelzig hat eine Sitzgruppe organisiert.
Nicht die schönste, aber eine der meistbesuchten Dresdner Luthereichen: die in der Heide. Revierförster Thomas Stelzig hat eine Sitzgruppe organisiert.

© René Meinig

Sie ist wieder gefragtes Ausflugsziel, die Luthereiche in der Heide. Lange Zeit hat kaum jemand den Weg auf die einsame Kuppe oberhalb des Fischhauses gefunden. Und rein optisch macht der vor 100 Jahren gepflanzte Baum nicht wirklich was her. „Die Eiche ist ein mickriges Exemplar“, bestätigt auch der Bühlauer Revierförster Thomas Stelzig. Doch dafür könne sie nichts. Denn ihr Standort auf der trockenen Kuppe, unter dickem Lausitzer Granit, ist ihrem Wachstum nicht zuträglich. Und doch zieht es jetzt wieder viele Wanderer zu ihr nahe des Heide-Weges Alte Acht. Sie machen Rast, um den Herder-Spruch auf dem Gedenkstein zu lesen, dessen goldene Schrift gerade erneuert wurde. „Mächtiger Eichenbaum! Deutschen Stammes. Gottes Kraft. Droben im Wipfel braust der Sturm, Du stehst mit hundertbogigen Armen dem Sturm entgegen und grünst.“, steht darauf geschrieben. „Wir wollten den Besuchern die Möglichkeit geben, hier ein Picknick zu machen und haben deshalb zwei Bänke und einen Tisch aufgestellt“, sagt der Förster. Früher standen um die Eiche Häuser, in denen Kinder betreut wurden, die unter der schlechten Versorgung litten. Margarethenpark nannte sich das Areal. Heute erinnert nur noch ein alter Rhododendron daran, dass dieser Platz ein Ausflugsziel war. „Aber es ist erstaunlich, dass während des 1. Weltkrieges eine Eiche zu Ehren des Reformationsgeburtstages gepflanzt wurde. Die Leute hatten damals sicher andere Sorgen“, sagt der Förster. Um nun, 100 Jahre später, an das Jubiläum zu erinnern, wurde ein Luther-Spruch auf einer der Bänke eingraviert. „Auf böse und traurige Gedanken gehört ein gutes, fröhliches Lied und freundliche Gespräche.“ Das fand Förster Stelzig passend für eine Rast im Wald.

Möglich, dass im Jahr 2017, 500 Jahre, nachdem Martin Luther seine 95 Thesen an die Wittenberger Schlosskirche schlug, auch andere Dresdner Luther-Bäume wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen. Genug gibt es, sie sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Die meisten wurden 1883 in die Erde gebracht, anlässlich des 400. Geburtstages des Reformators. Rainer Pfannkuchen, der einst die Dresdner Naturschutzbehörde leitete, hat die Geschichten jener Eichen und Linden erforscht, die an Luther und die Reformation erinnern.

Der Mitteldeutsche Rundfunk MDR hat die Aktion „Baumpatenschaft Lutherbäume 2017“gemeinsam mit Fachfirmen des Garten- und Landschaftsbaus Sachsens ins Leben gerufen. Dresden profitierte davon mit einer jungen Linde, die nun auf dem Funkhausgelände wächst.

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