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Freitag, 01.06.2018

Lohnt sich Solarstrom noch?

Von Uwe Roth

Es gibt viele Möglichkeiten, sein eigener Energieversorger zu werden. Gerade Solaranlagen auf dem Hausdach sind beliebt. Ergänzt um Batteriespeicher und Wärmepumpen, können sie hohe Betriebskosten eindämmen. Beide lassen sich nachrüsten und sind daher auch Optionen für die Erweiterung bestehender Anlagen. Doch: Staatliche Förderungen für die Erneuerbaren Energien schwanken.

Fotovoltaik

Module produzieren Strom, der den Haushalt versorgt. Nicht benötigter Strom geht meist ins Netz. „Im Schnitt werden 30 Prozent selbst verbraucht, der Rest wird eingespeist“, sagt Florian Bublies, Energieberater der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Das liege auch daran, dass Bewohner häufig während der sonnenintensiven Stunden nicht zu Hause sind.

Die gute Nachricht für Hausbesitzer, die an diese Investition denken: Die Preise für Fotovoltaik-Anlagen sind im vergangenen Jahrzehnt „um rund 75 Prozent gesunken“, sagt Carsten Körnig vom Bundesverband Solarwirtschaft. Wer den erzeugten Strom ins Netz gibt, erhält über 20 Jahre eine Einspeisevergütung vom Energieversorger. Das Problem: Dieser Zuschuss sank über Jahre konstant, und das ist auch künftig zu erwarten. Momentan liegt die Einspeisevergütung bei 12,20 Cent je Kilowattstunde für neue, kleine Anlagen (Mai 2018). Zum Vergleich: Wer Strom vom Versorger bezieht, zahlt je nach Anbieter bis zu 30 Cent je Kilowattstunde. Das trifft auch für Anlagenbesitzer zu, die bei schlechter Witterung zukaufen müssen.

Die Deutsche Energie-Agentur (Dena) erklärt: Der Eigenverbrauch wird umso attraktiver, je größer die Differenz zwischen den Kosten für zugekauften Strom und den Entstehungskosten für eigenen Strom ist. Letzterer lässt sich laut Körnig ab zehn Cent je Kilowattstunde erzeugen. Optionen können ein zusätzlicher Stromspeicher sein, der den Eigenverbrauch auf mehr als 80 Prozent steigern kann, oder die Koppelung an eine Warmwasser-Wärmepumpe.

Solarthermie

Die Kollektoren einer solchen Anlage produzieren Warmwasser, das auch für die Heizung genutzt wird. Laut Matthias Wagnitz vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima können sie bis zu fünfmal mehr Warmwasser liefern, als ein Haushalt verbrauchen kann. Damit seien Solarthermie-Anlagen effizienter als jene für Fotovoltaik.

Allerdings ist der Kosten-Nutzen-Faktor solcher Anlagen immer eine ganz persönliche Sache: Der Verbrauch von Warmwasser hängt von den Gewohnheiten der Bewohner ab, ob man viel duscht etwa. Zudem hängt die Rentabilität einer Anlage von der Entwicklung des Gas- und Ölpreises ab. Derzeit gehen die Verbraucherzentralen davon aus, dass sich eine Anlage für vier Bewohner im Rahmen ihrer Lebensdauer von 20 Jahren amortisiert.

Kombination beider Systeme

Experten raten zur Kombination von Solarthermie- und Fotovoltaikanlagen. Letztere allein lohne sich meist nicht, sagt Bublies. Wagnitz stimmt dem zu. Welchen Anteil das jeweilige System bekommt, muss anhand der Lebensgewohnheiten der Bewohner entschieden werden.

Ergänzende Batteriespeicher

Diese Speicher lagern die erzeugte Energie für eine gewisse Zeit ein. Damit lässt sich der Verbrauch des Solarstroms gezielter steuern – etwa nach Sonnenuntergang oder nachts, wenn man üblicherweise auch zu Hause ist. Die Geräte sind aber noch teuer. Jedoch vergibt die KfW-Förderbank bis Jahresende zinsgünstige Kredite und einen Tilgungszuschuss. Ob diese Förderung 2019 fortgesetzt wird, ist ungewiss.

Dennoch rät Bublies, „es sich sehr genau zu überlegen, ob man mehrere Tausend Euro in einen teuren Batteriespeicher investieren will, der sich am Ende wahrscheinlich nicht rechnen wird“. Nach seiner Beobachtung entscheiden sich Verbraucher aus ökologischen und weniger aus finanziellen Gründen für die noch recht junge Technologie.

Ergänzende Wärmepumpe

Die Energie vom Dach lässt sich auf eine weitere Weise zeitversetzt im Haus nutzen. Die Fotovoltaikanlage kann mit Warmwasser-Wärmepumpen verbunden werden. Sie sind in der Lage, der Luft, dem Grundwasser oder dem Erdreich Wärme zu entziehen und diese wiederum auf einem höheren Temperaturniveau abzugeben – an die Warmwasser-Anlage oder die Heizung.

Wie hoch der Anteil des Solarstroms ist, mit dem der Energiebedarf der Wärmepumpe gedeckt wird, hängt von der Leistung der Anlage, der Dämmung des Hauses, der Außentemperatur und dem Stromverbrauch der Wärmepumpe ab. Laut Dena kann der Anteil maximal 30 Prozent betragen. Es sei auch möglich, dass sich die Wärmepumpe automatisch bei einem Überschuss an Solarstrom einschaltet.

(dpa)