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Donnerstag, 17.11.2016

Lohnfortzahlungsbetrug - vorgetäuschte Krankheit

In den letzten Jahren haben sich die Fälle von Lohnfortzahlungsbetrug gehäuft und für hohe finanzielle Schäden in Unternehmen gesorgt.

Foto: Gisela Merkuur / NL
Foto: Gisela Merkuur / NL

Bei Verdacht auf eine vorgetäuschte Krankheit sind Arbeitgeber berechtigt, beim Arbeitnehmer anzufragen und einen Beweis für die tatsächliche Arbeitsunfähigkeit einzufordern. Krankschreibungen spülen Geld in die Ärztekassen und werden daher nicht selten ohne eine wirkliche Erkrankung vorgenommen, wodurch Beihilfe zum Lohnfortzahlungsbetrug geleistet und eine Basis für die betrügerischen Absichten des Arbeitnehmers geschaffen wird.

Pflichten des Arbeitnehmers

Jeder Arbeitnehmer ist gegenüber seinem Arbeitgeber zu Ehrlichkeit und Offenheit verpflichtet. Auch wenn er keinerlei Auskunft über die Bezeichnung seiner Erkrankung geben muss, sollte er diesen Umstand nicht ausnutzen und sich ohne eine wirkliche Krankheit vom Arzt arbeitsunfähig schreiben lassen. Nicht nur längere und häufige Krankheiten, sondern auch systematische Krankschreibungen in der Ferienzeit oder vor dem Wochenende erregen Aufmerksamkeit und machen Arbeitgeber skeptisch. Häufen sich diese Fälle, werden einige Arbeitgeber z.B. eine Detektei einschalten und den Detektiv mit der Findung der Tatsachen beauftragen. Sollte sich ein Lohnfortzahlungsbetrug herausstellen, ist der Arbeitgeber zur sofortigen Kündigung ohne Einhaltung einer Frist berechtigt und kann die ihm entstandenen Kosten auf den Arbeitnehmer umlegen. Eine Klage vor Gericht ist aussichtslos, da Lohnfortzahlungsbetrug eine Straftat ist und vom Gericht entsprechend gewertet wird. Bei Krankschreibung müssen Arbeitnehmer zwar nicht das Bett hüten, sollten sich aber nicht in Restaurants oder Bars, auf Events oder bei sportlicher Aktivität erwischen sehen lassen.

Was tun bei Lohnfortzahlungsbetrug

Vermutet der Arbeitgeber einen Lohnfortzahlungsbetrug, muss er dem Arbeitnehmer einen Beweis für sein geschäftsschädigendes Verhalten erbringen. In Zeiten sozialer Netzwerke und stetiger Posts im Internet fällt das nicht schwer, da sich die meisten Lohnfortzahlungsbetrüger durch entsprechende Bilder oder Botschaften bei Facebook und Co. selbst verraten und einen Hinweis auf ihre vorgetäuschte Erkrankung liefern. Anderenfalls können Arbeitgeber einen Detektiv beauftragen und den Arbeitnehmer im Zeitraum seiner Krankheit beschatten lassen. Eine direkte Ansprache des Betroffenen sollte hingegen unterbleiben, sofern kein konkreter Beweis vorliegt und sich der Arbeitgeber bei seinen Worten auf Tatsachen mit sichtbaren Beweisen beruft. Bei falschen Verdächtigungen sind Arbeitnehmer durchaus klageberechtigt und können den Arbeitgeber wegen Eingriff in die Privatsphäre anmahnen oder eine Klage bei Gericht anstreben. Die Beauftragung eines spezialisierten Detektivs ist zu bevorzugen und sollte anstatt von Eigenermittlungen mit Eingriff in die Privatsphäre auf der Agenda des betrogenen Arbeitgebers stehen. Von einer direkten Konfrontation sieht man am besten ab, da sich der betroffene Arbeitnehmer in die Enge gedrängt und eventuell fälschlicherweise beschuldigt fühlt und zum Angriff übergeht.

Erstattung von Detektivkosten

Wird ein Arbeitnehmer des Betrugs überführt und von einem Detektiv bei Freizeitaktivitäten innerhalb des Krankheitszeitraumes gesehen und fotografisch festgehalten, hat der Arbeitgeber das Recht auf eine Einforderung der entstandenen Kosten. Diese trägt im Fall einer erfolgreichen Ermittlung allein der Arbeitnehmer, der den Lohnfortzahlungsbetrug begangen und seinen Arbeitgeber dadurch finanziell geschädigt hat. Da es sich gerade bei langwierigen und schwierigen Ermittlungen um sehr hohe Kosten handelt, lohnt ein Lohnfortzahlungsbetrug nicht und führt immer zum Verlust der Arbeitsstelle und hohen Zusatzkosten durch die Einforderung der Gebühren, die der Arbeitgeber für den Detektiv bezahlt und in Rechnung gestellt hat.