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Donnerstag, 07.07.2016

Löbauer will Skulpturen retten

Im zugewucherten Stadtpark Friedenshain stehen zahlreiche Figuren aus Holz. Jetzt sollen sie umgesetzt werden.

Helmut Plewa will die Figuren im Löbauer Friedenshain retten. Ein neuer Ort für die Holzskulpturen scheint bereits gefunden.
Helmut Plewa will die Figuren im Löbauer Friedenshain retten. Ein neuer Ort für die Holzskulpturen scheint bereits gefunden.

© Matthias Weber

Löbau. Bei einem Spaziergang durch den Friedenshain, Löbaus Stadtpark am Fuße des Löbauer Berges, hat Helmut Plewa plötzlich Mitleid empfunden. Mitleid, für die 30 Jahre alten Holzskulpturen, die überall im Friedenshain verteilt ihr Dasein fristen. Denn Plewa hat eine ganz besondere Beziehung zu den Figuren.

Das sind die hölzernen Figuren

Blick zurück: Im Jahr 1895 hat die Stadt Löbau den Friedenshain von einem Görlitzer Gartenbaugestalter entwerfen lassen. Nur ein Jahr später konnte durch den Park, der für gestresste Städter lange als eine Art Erholungsgebiet gedient hat, das erste Mal spaziert werden. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs sei der Friedenshain aber zusehends verwildert gewesen, so Helmut Plewa. Anfang der 1980er Jahre fasst Löbaus damaliger Bürgermeister Rainer Simmank schließlich den Beschluss, den Stadtpark zu neuem Leben zu erwecken. Gartenbauprofi Karin Schönlebe, die noch heute für die Stadt arbeitet, hat schließlich den Auftrag bekommen, den Friedenshain wieder auf Vordermann zu bringen. „Den Plan für den neuen Park habe ich zusammen mit meiner damals zweijährigen Tochter gezeichnet“, sagt sie. Dabei habe ihre Tochter das Maßband gehalten und Frau Schönlebe die Entwürfe gemacht. Bei der praktischen Umsetzung ihrer Skizzen habe sie tatkräftige Unterstützung von damaligen Löbauer Armee-Schülern erhalten. „Ich kann mich noch daran erinnern, dass 150 Lkw-Ladungen Erde im Friedenshain verteilt werden mussten“, so Karin Schönlebe, die insbesondere die vielen Rhododendren und Lindenbäume des Parks wieder zur Geltung gebracht hat.

Damit der Stadtpark aber auch ein paar künstlerische Elemente verpasst bekam, hat die Löbauer Stadtverwaltung im Mai 1986 eine sogenannte Werkstattwoche ins Leben gerufen. „Unter dem Motto „Kunst am Weg“ haben sich 19 Volkskünstler beteiligt und in dieser Woche Skulpturen und Plastiken für den Park gestaltet“, erinnert sich Helmut Plewa. Als Fotograf für die Sächsische Zeitung hat der Löbauer im Jahr 1986 ihre Entstehung mit dokumentiert. 30 Jahre danach kann er sich den Zustand der „Liegenden schwangeren Frau“ oder den des „Herrn mit Hund“ nicht mehr länger mit ansehen. Die Holzskulpturen wirken morsch und sind verwittert. Deswegen will Plewa die Skulpturen retten, an einen anderen Platz bringen lassen und sie vor ihrem Zerfall bewahren. „Damit soll gleichzeitig auch ein Diebstahl oder die Zerstörung der verbliebenen Skulpturen verhindert werden“, sagt er. Mittlerweile seien sowieso nur noch etwa sieben von ehemals um die 20 Figuren übrig geblieben.

Gestohlen worden, wie Plewa vermutet, sind aber nicht alle: „Einige Künstler haben sich ihre Figuren selbst mitgenommen, andere wurden an anderer Stelle aufgebaut“, weiß Karin Schönlebe.

Die Rettung der Holzskulpturen will der ehemalige SZ-Fotograf aber trotzdem durchziehen und sei deswegen schon bei Löbaus Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos) und bei Joachim Birnbaum, Geschäftsführer der Landesgartenschau, vorstellig geworden. „Beide waren von meiner Idee hellauf begeistert und wollen mich unterstützen“, sagt er. Es gebe sogar schon einen neuen Standort für die Figuren. Dabei soll es sich um das Gelände des Löbauer Messeparks handeln. „Nächste Woche treffen wir uns und diskutieren über den genauen Platz“, sagt Helmut Plewa. Er hofft, dass sich danach jemand findet, der die Skulpturen wieder aufarbeitet.

Die „Sorbische Bäuerin“ oder den „Flötenbläser“ überhaupt vom Friedenshain in den Messepark zu schaffen, könnte allerdings zu einem Drahtseilakt werden. Die Figuren seien nämlich von Pilzen befallen, so Karin Schönlebe und zweifelt daran, dass sie noch umgesetzt werden können.