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Montag, 11.06.2018

Liga-Boss kritisiert das Krisenmanagement

Die Pfiffe gegen Gündogan und Özil verstummen nicht. Selbst schuld, findet Reinhard Rauball.

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Ilkay Guendogan beim Länderspiel gegen Saudi-Arabien.
Ilkay Guendogan beim Länderspiel gegen Saudi-Arabien.

© dpa/Ina Fassbender

Buhmann Ilkay Gündogan begegnete der massiven Abneigung der Fans mit Patriotismus. Er sei „immer noch dankbar, für dieses Land zu spielen“, schrieb er nach den wütenden Pfiffen von Leverkusen bei Twitter. Zwei Deutschland-Fähnchen ergänzten seinen Tweet, der vor allem ein Ziel hatte: Der nicht enden wollenden Erdogan-Affäre, die beim Sieg gegen Saudi-Arabien abermals hochkochte, die Schärfe zu nehmen. Vergeblich. Die Dauer-Diskussionen um die Fotos von Gündogan und Mesut Özil mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan beschäftigt das deutsche Nationalteam weiterhin. „Die Pfiffe schaden uns als Mannschaft“, sagte Kapitän Manuel Neuer. Joachim Löw zeigte sich tief getroffen. Es hätte ihn „geschmerzt“, sagte der Bundestrainer, der fürchtet, dass die Sache die ohnehin überaus schwierige Mission Titelverteidigung überlagern wird.

Selbst schuld, meinte DFL-Präsident Reinhard Rauball, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) habe das Thema „unterschätzt“. Mit den bisherigen Maßnahmen lasse es sich „nicht aus der Welt schaffen“, ergänzte er. Alle Beteiligten müssten sich auf der Suche nach der „sehr, sehr schwierigen Lösung“ so schnell es geht zusammensetzen. Rauball fürchtet, dass das Thema „dauerhaften Schaden bei den beiden Sportlern hervorruft“. Marco Reus beobachtete bei Gündogan: „Das geht ihm sehr nah.“ Nach dem Spiel saß er „geknickt“ in der Kabine, verriet Löw, später schlich er mit traurigem Blick aus dem Stadion.

Özil dagegen zuckte bei Nachfragen vorgeblich ahnungslos mit den Schultern. „Welche Pfiffe?“, fragte er. Dabei konnte dem Weltmeister, der wegen seiner Knieblessur pausierte, die Fan-Wut auf seinem Bankplatz nicht verborgen geblieben sein. Auch Löws verzweifeltes Applaudieren in Richtung Tribüne war von dort aus gut zu sehen. „Eine Mannschaft lebt davon, dass jeder Spieler unterstützt wird. Dass ein Nationalspieler so ausgepfiffen wird, hilft niemandem“, klagte Löw. Flehend fügte er an: „Wir müssen den Blick nach vorne richten. Wir spielen jetzt eine WM!“

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Wie sehr das unliebsame Thema Verband und Mannschaft beschäftigt, war bereits vor dem Anpfiff deutlich geworden. Da schimpfte DFB-Direktor Oliver Bierhoff live im Fernsehen über die Medien, die „Erdo-Gate“ Tag für Tag wieder aufwärmten, „weil ihr keine Themen habt“. Er riet: „Redet nicht mehr darüber, konzentriert euch auf den Sport!“

Mario Gomez übte Fan-Kritik. „Jeder im Stadion will, dass wir Weltmeister werden. Da sollte man nicht kurz vorher einzelne Spieler niedermachen. Wenn wir Weltmeister werden wollen, brauchen wir Ilkay und Mesut.“ Das weiß auch Löw. (sid)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 7 Kommentare

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  1. Keine Ausreden

    Diese Geschichte, die nun die WM-Vorbereitung belastet, hat sich der DFB selbst eingebrockt. Nach den Auftritten von Özil und Gündogan mit Erdogan hätten die beiden nicht ins WM-Team aufgenommen werden dürfen. Ganz einfach. Damit möchte ich nicht sagen, dass sie nie wieder für die deutsche Nationalmannschaft spielen dürfen. Das können sie gern wieder tun, wenn die Sache aus der Welt ist. Vor allem Bierhoff hat die Auswirkungen völlig falsch eingeschätzt, nun reagiert er dünnhäutig. Ich finde es absolut in Ordnung, wenn Fans ihren Unmut durch Pfiffe zum Ausdruck bringen. Das zeigt für mich, dass es den Anhängern der Nationalelf nicht egal ist, wer dort spielt, schließlich ist die Mannschaft ein Aushängeschild für Deutschland.

  2. AnW

    Der DFB lebt seit vielen Jahren in seiner Welt, er will den linientreuen Spieler, genauso wie den linientreuen Fan, ein Basler oder ein Effenberg würden heute ganz sicher nicht mehr für die Nationalmannschaft spielen, denn die haben eine eigene Meinung und diese auch noch gesagt, Sandro Wagner glaube auch. Der Fan soll natürlich auch so sein, ja nicht anecken, keine eigene Meinung und wenn er eine eigene Meinung hat, ist diese definitiv falsch. Die beiden Spieler haben Ihre Meinung per Foto mitgeteilt und damit war der DFB überfordert und dann hatten die Fans auf einmal auch wieder eine Meinung. Kurzum, 1990 war ich 14 und wir wurden Weltmeister, geil war ich Stolz, ein Brehme, ein Matthäus und Völler … Typen halt. Seit Jahren komme ich mit der heilen DFB Welt nicht mehr klar, der DFB hat keine Fans mehr, sondern wir sind Kunden, deshalb habe ich seit über 3 Jahre auch kein Länderspiel mehr gesehen und konzentriere mich voll auf meinen Verein, da hoffe ich noch lange Fan zu sein.

  3. Der echte jk

    "Wenn wir Weltmeister werden wollen, brauchen wir Ilkay und Mesut." Die nächste Fehleinschätzung des Herrn Gomez. Kein Mensch braucht die beiden Erdogan-Fanboys für einen WM-Titel und wer als "Deutscher" einen Erdogan als SEINEN Präsidenten huldvoll T-Shirts überreicht, sollte besser für die Türkei spielen. Da gehört er hin - er hat es auf dem Foto selber gezeigt, wo er innerlich verortet ist. Es gibt genügend große Talente, nicht nur deutsche, die von Löw aussortiert wurden. Es wäre Zeit, zwei von diesen Talenten mit nach Moskau zu nehmen, anstatt zwei Erdogan-Fanboys, die sich entscheiden können, wo sie hingehören.

  4. Oberlausitzer

    So etwas passiert, wenn Fußballspieler mit wenig Geist und Verantwortliche (Löw, Bierhoff) ohne Arsch in der Hose meinen, man könne den Fans alles zumuten!

  5. C.G.

    Zitat Merkel, (sinngemäß): "Die Beiden haben die Tragweite des Fotos falsch eingeschätzt", und: "... die Dauerdiskussion um das Foto beschäftigt das deutsche Nationalteam". So, so. Aha. Endlich hat man den Schuldigen gefunden, das böse Foto ist es! Also, ich habe da eine ganz andere Meinung dazu. Die Fotos haben nur das eigentliche Problem öffentlich gemacht. Für die eindeutige Aussage des Fotos muss man dankbar sein, legt es doch den Finger in die Wunde. Das ganze Integrationsgequatsche ist Augenwischerei, dazu sind die beteiligten Kulturen und deren Inhalte viel zu unterschiedlich! Das funktioniert zu großen Teilen noch nicht mal in zweiter oder dritter Generation. Was wäre, wenn, nur mal als Beispiel, Timo Werner bei einer AfD-Veranstaltung aufgetreten und dies durch Fotos an die Öffentlichkeit gekommen wäre? Wären dann auch „nur“ Fotos das Problem, oder wäre es Werner selbst? Wie gesagt, nur als Beispiel. Jeder mag sich die Antwort darauf selbst geben.

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