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Donnerstag, 21.06.2018

Lifeline in der Rettungs-Zange

Die Seenotretter der Lifeline haben mehrere Schlauchboote mit Flüchtlingen gesichert und evakuiert. Hilfe für die Menschen soll jetzt aus Italien und Libyen kommen.

Ungewisses Warten im Mittelmeer - sichere Überfahrt nach Italien oder Rückkehr nach Libyen?
Ungewisses Warten im Mittelmeer - sichere Überfahrt nach Italien oder Rückkehr nach Libyen?

© Hermine Poschmann

Dresden/Valletta. In den Wellentälern jenseits der libyschen Küste tauchten die Schlauchboote auf wie aus dem Nichts. Der Ausguck auf der Lifeline meldete die Sichtung an die Brücke und die Seenotretter nahmen Kurs auf die mit 300 bis 400 Flüchtlingen völlig überfüllten Boote.

Der Funker an Bord meldete die Sichtung der Schlauchboote an die Rettungsleitstelle MRCC in Rom und von dort erhielt die Lifeline den Auftrag, die Menschen in den eigentlich seeuntauglichen Vehikeln zu sichern, die Boote zu evakuieren und auf weitere Hilfe zu warten.

Hilfe entsendete sowohl Afrika wie auch Europa: Die italienische sowie die libysche Küstenwache machen sich auf den Weg in die internationalen Gewässer und auch ein offenbar von Libyen kommendes Handelsschiff sei auf dem Weg, sagt Axel Steier, der Sprecher der Seenotretter.

Nachdem die Lifeline die Flüchtlinge mit Rettungswesten versorgt und anschließend die Schlauchboote evakuierte hatte, begann das Warten auf die weitere Hilfe und die daure an, so Steier.

Da laut Anordnung der Rettungsleitstelle in Rom die libysche Küstenwache zuständig ist, stellt sich die Frage, was mit den Flüchtlingen passiert: „Wir hoffen, dass die Libyer uns rechtskonform unterstützen - also die Menschen nicht zurückführen“, sagt Steier. Denn es könnte passieren, dass der avisierte Frachter mit den Flüchtlingen an Bord auf Geheiß der libyschen Küstenwache den Rückwärtsgang einlegt und die Menschen wieder nach Libyen bringt.

Am vergangenen Wochenende rette die Lifeline bereits 126 Flüchtlinge aus Seenot, die die italienische Küstenwache dann nach Sizilien brachte. Die sechste Mission der Lifeline endet an diesem Wochenende, dann kehrt die Lifeline vom Rettungseinsatz zurück nach Malta, tauscht die Crew und bunkert neue Vorräte. Im Juli wollen die Seenotretter wieder die Leinen losmachen und auf Patrouillenfahrt gehen.

Zur Abfahrt darf die Crew dann vielleicht sogar die Flagge der Smart Heroes hissen, denn der Verein zählt zu den Nominierten des in Kooperation mit Facebook verliehenen Bundespreises, der am 28. Juni in Berlin vergeben wird. (szo/stb)