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Montag, 09.07.2018

Liefers spricht für Seenotrettung

Prominente Unterstützung für das Bündnis #Seebrücke: In einem vermeintlichen Video des Heimatministeriums erklingt Dresdens vielleicht bekannteste Stimme. Und der erste Spendenaufruf bringt eine Rekordsumme.

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#Seebrücken-Demo am Samstag in Frankfurt.
#Seebrücken-Demo am Samstag in Frankfurt.

© Arne Dedert / dpa

Dresden. „Das war erst der Anfang“, sagt Timo Fischer vom Bündnis #Seebrücke. Am vergangenen Wochenende demonstrierten über 20 000 Menschen in annähernd 20 Städten in Deutschland für eine Fortsetzung der privaten Seenotrettung im Mittelmeer. 700 Teilnehmer hatten Fischer und seine Freunde für die Demo in Berlin angemeldet - nach eigenen Angaben folgten 12 000 dem Aufruf, die Polizei sprach von Besuchern im vierstelligen Bereich.

„Wir sind alle völlig überwältigt und überrascht“, sagt Fischer. Denn die #Seebrücke wächst täglich: Bisher gebe es an die 60 Anfragen von Vereinen und Initiativen in weiteren Städten, die Flagge in Orange zeigen wollen. Als nächstes größeres Event steht am Wochenende eine Veranstaltung vor dem Kölner Dom an. Da am vergangenen Wochenende der Christopher-Street-Day (CSD) alles dominierte, hielten sich die Rheinländer mit ihrer Solidarität zur #Seebrücken noch zurück. Das soll sich am kommenden Freitag ändern.

Eine Stimme der ersten Stunde des Bündnisses kennt dabei fast jeder: Schauspieler, Sänger und Vorleser Jan Josef Liefers spricht in einem vermeintlichen Video das bundesdeutschen Heimatministeriums aus dem Off die Worte, die Bundesinnenminister Horst Seehofer wahrscheinlich nie über die Lippen bringen würde.

Die Satire-Seite „Seebrücke des Bundes“ ging schon Ende Juni als Projekt einer Künstlergruppe an den Start und entwickelte sich vom Internet-Fake plötzlich zu einer Protestbewegung der Zivilgesellschaft.

Dem Beispiel folgten auch andere Prominente wie TV-Satiriker Jan Böhmermann: Am Montag endet sein Spendenaufruf unter dem Titel „Rechtskosten für die „Lifeline“-Besatzung“ auf dem Portal Leetchi mit einer Rekordsumme: Nach zehn Tagen haben über 9 300 Geldgeber mehr als 200 000 Euro zusammen gebracht. Was nach Abzug der Anwaltshonorare und Gerichtskosten übrig bleibe, könne der Verein weiter für die Seenotrettung einsetzen, hatte der Böhmermann in einem Video gesagt.

Das würden die Hilfsorganisationen auch gerne machen, bloß kommen sie mit ihren Schiffen nicht mehr aus den Häfen. Malta verbietet das Auslaufen und Italien blockiert jegliches Einlaufen der unerwünschten Flotte. Die Crew für die siebte Mission der „Lifeline“ wartet auf Malta bereits auf ihren Einsatz, doch noch läuft dort der Prozess gegen Kapitän Claus-Peter Reisch. Diesen Dienstag hat er seinen dritten Auftritt vor Gericht.

Weil noch niemand absehen kann, wann die etablierten Boote wieder fahren, startete vergangene Woche der nächste Spendenaufruf mit dem Ziel, entweder ein Boot zur Seenotrettung zu charten oder zu kaufen. „Wir sondieren den Markt“, sagt Axel Steier von der Hilfsorganisation Mission Lifeline. Ein Blick auf das Projekt „Jetzt retten wir! - #Civilfleet“ lässt staunen: Nach zwei Tagen beläuft sich das Spendenvolumen dort bereits auf über 177 000 Euro. Pate der Aktion, die noch über zwei Wochen, fungiert diesmal Böhmermann-Kollege und liefers-likes Multitalent Klaas Heufer-Umlauf. Auch er schickte dem Spendenaufruf eine Video-Botschaft voraus.

Ab heute kommt die Seenotrettung auch in die Kinos: Der Film „Iuventa“ handelt vom Rettungsgschiff der Hilfsorganisation „Jugend rettet“, das seit über einem Jahr von den italienischen Behörden auf der Insel Lampedusa beschlagnahmt wurde. Der Vorwurf von Polizei und Staatsanwaltschaft damals lautete, dass die Seenotretter mit den Schleppern kooperiert hätten. Mutmaßliche Zeugen wollen unter anderen gesehen haben, wie die "Iuventa" nach einer erfolgreichen Rettungsaktion die leeren Holzboote an vermeintliche Schlepper übergab. Das sei falsch, sagen die Helfer und zitieren ihrerseits die europäische Grenz- und Küstenwchagentur Frontex als Zeuge für die Vernichtung der einstigen Schlepper-Boote.

Leider sei das Schiff weiterhin "präventiv beschlagnahmt", obwohl es noch immer keine Anklagen gegen einzelne Personen oder der Verein gebe, sagt Isa Grahn vom Verein „Jugend rettet." Das Schiff liegt im sizilianischen Hafen von Trapani und rostet im Salzwasser langsam vor sich, weil den Besitzen auf das Betreten des Schiffes zum Zweck des erhalts verboten sei. „Im April wurde unsere Revision gegen die Beschlagnahme in zweiter Instanz vor dem Kassationsgericht in Rom abgelehnt. Wir warten seit dem auf die Begründung der Urteils durch das Gericht."

Am Montag feiert der Film seine Premiere in Berlin, am Dienstag wird er in Leipzig zu sehen sein in der Kinobar Prager Frühling und nach Dresden kommt die Dokumentation am 12. August ins Programmkino Ost. Und natürlich haben die Dresdner auch einen eigenen Film:

Die Dokumentation des Filmemachers Markus Weinberg könnte beim nächsten Dok Filmfestival in Leipzig laufen. (szo/stb)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 65 Kommentare

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  1. Oberlausitzer

    "nach eigenen Angaben folgten 12 000 dem Aufruf, die Polizei sprach von Besuchern im vierstelligen Bereich" Mal wieder künstlich hoch gepuschte Zahlen, aber das ist ja nichts neues. Und noch mal zum klaren Verständnis: Seenotrettung heißt, dass man in Seenot geraten zum nächsten sicheren Hafen bringt und sich nicht als Helfer der Schlepper betätigt!

  2. PeterK

    @Oberlausitzer, was ist der nächste Hafen? Leider verweigern Länder wie Libyen das Einfahren in das Hochheitsgewässer für Seenotschiffe.

  3. Georg von Bredow

    Interessanterweise trauen sich auch Journalisten nicht den rechtlichen Hintergrund von Seenotrettung klarzulegen. Der heißt klar das Menschen die auf hoher See durch Havarie ihres Schiffes / Unglücksfälle durch in der Nähe befindlichen Schiffe zu retten sind . Die hier angegebene Seenotrettung entspricht juristisch den internationalen Regelen in keinem Fall . Hier betrifft es Menschen die aus verschiedenen Gründen in Europa aufgenommen werden wollen u.sich dafür in in Seenot begeben -um in solche Schlauchbotte zu kommen zahlen sie Schleppern Geld Diese informieren die Flüchtlinge das die Gefahr gering sei da sie von Schiffen erwartet werden die sie retten. Die sogenannten Retter die diese Menschen dann in europäische Häfen bringen unterstützen somit das Schleppertum u.verstoßen gegen mehrere auch internationale Gesetze.Auch bringen sie Menschenleben in Gefahr denn nur durch das Bekanntwerden das man gerettet wird begibt man sich in Lebensgefahr u.zahlt auch noch.

  4. Oberlausitzer

    @ PeterK: Falsch, die lybische Küstenwache hat die Besatzung der "Lifeline" aufgefordert, ihr die Geretteten zu übergeben. Das wäre der kürzeste und sicherste Weg gewesen!

  5. Mo H.

    @1 Und nun nochmal zum klarsten Verständnis: die Rückführung von Personen ist gemäß dem Grundsatz der Nichtzurückweisung in Staaten untersagt, in denen ihnen Folter oder andere schwere Menschenrechtsverletzungen drohen, siehe Genfer Flüchtlingskonvention und UN-Antifolterkonvention. Und der nächste SICHERE Hafen ist nun mal nicht in Libyen. Weiterhin bin ich gespannt wo stehen soll, dass in Seenot geratenen Personen zum nächsten Hafen gebracht werden sollen.

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