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Donnerstag, 13.09.2018

Letzter Sommer für das heutige Jahnbad

Der Weißwasseraner Bauausschuss schwankt zwischen Abriss und der Hoffnung auf neuen Betreiber.

Von Christian Köhler

Die Wasseraufbauten im Jahnbad in Weißwasser sind in die Jahre gekommen. Sie sollen nun zurückgebaut werden, während die Zukunft des Bades noch offen ist.
Die Wasseraufbauten im Jahnbad in Weißwasser sind in die Jahre gekommen. Sie sollen nun zurückgebaut werden, während die Zukunft des Bades noch offen ist.

© J.Rehle

Weißwasser. So, wie es die Weißwasseraner kennen, wird es das Jahnbad nicht mehr geben. Und das gleich aus mehreren Gründen: Einerseits hat der bisherige Betreiber – der Verein mobile Jugendarbeit und Soziokultur – nicht vor, 2019 das Jahnbad weiter zu bewirtschaften. „Der Verein wird es definitiv nicht mehr weitermachen“, erklärt Bauamtsleiter Thomas Böse. Klartext-Stadtrat und Vereinsmitglied Timo Schutza bestätigt ganz eindeutig: „Die Betreibung ist für uns finanziell nicht darstellbar. Darüber hinaus ist es unsere Aufgabe, kulturelle Angebote in Weißwasser zu bieten, und nicht, städtisches Eigentum zu bewirtschaften. Das hat uns der Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien auch deutlich zu verstehen gegeben.“ Andererseits „sind die Bauwerke im Wasser kaputt. Sie müssen entweder neugemacht oder abgerissen werden“, erläutert Thomas Böse.

Und ein letzter Grund sind die Fördermittel für regionale Entwicklung von der EU (EFRE), die Weißwasser zugesprochen bekommen hat. Im Juni hatte sich der Rat während der Haushaltsdebatte dazu bekannt, die EFRE-Mittel für das Jahnbad und den Grünzug vom Tierpark bis zur Waldeisenbahn nicht zu streichen – im Gegensatz beispielsweise zur Bahnhofssanierung. Mit einer Förderquote von 80 Prozent können nun etwa 1,375 Millionen Euro in das Areal um den Jahnteich fließen. Allerdings muss auf Grund der Förderbedingungen schnell gehandelt werden, so Böse.

Zwei verschiedene Standpunkte der Ausschussmitglieder haben sich bei der Debatte herauskristallisiert: Während ein Teil der Argumentation von Thomas Böse folgt – das Jahnbad soll als freie Badestelle fungieren und mehrere Gebäude abgerissen werden –, will ein anderer Teil des Ausschusses die Option, doch noch einen Betreiber für das Freibad einzusetzen, nicht verwerfen und entsprechende Bauten stehen beziehungsweise neu errichten lassen.

Jahnbad als freie Badestelle

„Ob wir einen Betreiber für das Bad finden, ist offen. Wir sehen nur die Alternative, das Bad als freie Badestelle zu entwickeln“, begann Thomas Böse die Diskussion. Dazu aber müssten alle Bauten, die sich im Wasser befinden, abgerissen werden. Der Spielplatz sowie einer der drei Volleyballplätze müssten ebenfalls weichen. Der Kiosk und Eingangsbereich sollen abgerissen werden. „Die bisherigen Umkleidekabinen sollen saniert und als Lager oder vom Tauchsportverein genutzt werden“, erläutert der Bauamtsleiter. Eine Toilettenanlage soll im Zuge eines deutsch-polnischen Förderprogrammes auf dem Parkplatz außerhalb entstehen. Die Umzäunung des Bades soll erhalten bleiben, um das Gelände für Events nutzen zu können. „Ich finde den Ansatz gut“, sagt Kathrin Jung (SPD), „und es ist für uns die preiswerteste Lösung.“ Sie wolle den Zugang zum Strand lieber erhalten, als das Bad geschlossen und ohne Betreiber zu sehen. Detlef Wolsch (Klartext) sieht das eben so. Thomas Krause (CDU) dagegen sagt, „dass Kosten trotzdem bei der Stadt bleiben“, etwa Reinigungs- und Aufsichtsarbeiten. „Ob wir so günstiger kommen als jetzt, weiß ich nicht“, fügt Andreas Kaulfuß (CDU) an. Einen alternativen Vorschlag hat er aber auch nicht.

Jahnbad als Freibad erhalten?

Timo Schutza kann die finanziellen Zwänge der Stadt verstehen, sagt aber, dass „dies der Abschuss des Jahnbades wäre“. Er und der Verein hätten gezeigt, dass eine Betreibung möglich sei, „aber wenn dort niemand ist, „ist es eine Frage der Zeit, wann die ersten Lagerfeuer dort sind und Glas und Müll an den Strand und ins Wasser gelangen“. Schutza schlägt vor, mit den Mitarbeitern der Schwimmhalle zu reden und doch noch einen Betreiber zu suchen. „Es ist ein schöner Flecken Erde.“

Thomas Krause sieht es nicht anders: „Für mich ist es dann keine Badeeinrichtung mehr. Und die Unterhaltungskosten haben wir trotzdem.“

Eine anschließende Abstimmung darüber, für welche der beiden Varianten der Aussschuss ist, brachte Stimmengleichheit. Thomas Böse schlug deshalb vor, zunächst über die Frage zu befinden, ob die Bauten im Wasser erneuert oder abgerissen werden sollen. Man verständigte sich anschließend darauf, die Bauten abzureißen. „Man kann sich die Option, vielleicht doch noch einen Betreiber zu finden, offenhalten. Aber zunächst müssen wir dem Planer sagen, was wir wollen“, so Böse. Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) forderte die Räte auf, bis zum Stadtrat Ende September Vorschläge zu machen, wie weiter verfahren wird.

Unterdessen hat der Ausschuss einstimmig beschlossen, Planungsleistungen an das Büro GMB aus Senftenberg zu vergeben. Es soll die Entwurfsplanung für den Grünzug, das künftige Jahnbad und den Anschluss an den Radweg „Badeseetour“, der von Bad Muskau über Weißwasser nach Kromlau führt, erarbeiten.