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Sonntag, 31.08.2014

Letzter Schandfleck am Postplatz verschwindet

Die Telekom hat die Reste der einstigen Oberpostdirektion in Dresden verkauft. Die neuen Besitzer planen Großes damit.

Von Tobias Hoeflich

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Nur ein Gebäudeflügel an der Ecke Annenstraße/Am See erinnert noch an den Prachtbau der Oberpostdirektion aus den 1870er-Jahren. Mit dem Fernsprechamt prägte er einst das Bild des Postplatzes – bis zur Zerstörung im Februar 1945.
Nur ein Gebäudeflügel an der Ecke Annenstraße/Am See erinnert noch an den Prachtbau der Oberpostdirektion aus den 1870er-Jahren. Mit dem Fernsprechamt prägte er einst das Bild des Postplatzes – bis zur Zerstörung im Februar 1945.

© Sven Ellger

  • Nur ein Gebäudeflügel an der Ecke Annenstraße/Am See erinnert noch an den Prachtbau der Oberpostdirektion aus den 1870er-Jahren. Mit dem Fernsprechamt prägte er einst das Bild des Postplatzes – bis zur Zerstörung im Februar 1945.
    Nur ein Gebäudeflügel an der Ecke Annenstraße/Am See erinnert noch an den Prachtbau der Oberpostdirektion aus den 1870er-Jahren. Mit dem Fernsprechamt prägte er einst das Bild des Postplatzes – bis zur Zerstörung im Februar 1945.
  • Oberpostdirektion in den 1870er-Jahren.
    Oberpostdirektion in den 1870er-Jahren.

Der frühere Glanz existiert nur noch auf historischen Fotos. Die Bomben der Alliierten im Februar 1945 trafen auch den markanten Bau der Oberpostdirektion zwischen Marien-, Annenstraße und Am See. Gemeinsam mit dem kaiserlichen Fernsprechamt prägte es das Bild des damaligen Postplatzes. Heute erinnert nur noch ein zweigeschossiger Gebäudeflügel an der Straße Am See an den Prachtbau, der ab 1876 errichtet worden war. Auch ein 1927/28 ergänzter Zwischenflügel hat den Bombenhagel größtenteils überstanden.

Nun könnte ein Hauch des alten Glanzes an den Postplatz zurückkehren. Das Immobilienunternehmen CG-Gruppe hat der Telekom das Grundstück samt den Resten der Oberpostdirektion abgekauft. Das bestätigt CG-Sprecherin Anastasia Lebende gegenüber der SZ. Auf der mehr als 10.000 Quadratmeter großen Fläche soll ein dreiteiliger Komplex mit 230 Wohnungen entstehen. In einem Trakt wird auch Platz für Büros, Gewerbe und Gastronomie sein. Rund 60 Millionen Euro investiert das Unternehmen am Postplatz.

Bisher hat sich die CG-Gruppe vor allem auf Immobilien in Leipzig und Berlin konzentriert. Da die Einwohnerzahlen Dresdens beständig nach oben schnellen und Wohnraum allmählich knapp wird, ist die Landeshauptstadt nun in den Fokus des Unternehmens geraten. Auch an der Cottaer Straße in der Friedrichstadt will es demnächst zwischen Gambrinus- und Fröbelstraße eine Baulücke schließen.

In dem Komplex am Postplatz sollen nicht nur die Reste der Oberpostdirektion integriert werden. Teile des Prachtbaus werden laut Lebedev auch wieder errichtet: „Es ist geplant, einen Teil der Altbausubstanz zu rekonstruieren.“ Für Details sei es aber zu früh. Noch ist etwa unklar, ob auch der später ergänzte Zwischenflügel erhalten bleibt, der derzeit mit grünen Netzen verhüllt ist. Gemeinsam mit dem Berliner Büro Pott-Architekten wird derzeit der Komplex geplant. „Die Gestaltung wird im weiteren Verlauf zunächst im Abstimmungsprozess mit der Stadt konkretisiert“, so die CG-Sprecherin.

Investoren wollen schon 2015 starten

Dass die Reste des Altbaus gerettet werden, daran hat wohl nicht einmal die Stadtverwaltung geglaubt. Denkmalgeschützt sind dessen Mauern zumindest nicht, teilt Rathaussprecher Karl Schuricht mit: „Es besteht keine Pflicht, die vorhandenen Gebäude zu erhalten.“ Gestaltung und Nutzung des Areals werden nun gemeinsam geplant. „Die Gespräche zur baulichen Entwicklung der Flächen sind zwischen der Stadt und dem Investor angelaufen.“

Positiv überrascht von der Nachricht zeigt sich Claus Hegewald. Der Vereinsvorsitzende der Interessengemeinschaft Historische Fernmeldetechnik ist froh darüber, dass die historischen Gebäudeteile der Oberpostdirektion in den Neubau integriert werden. „Das ist natürlich eine wunderbare Sache. Auch vom Eingangsbereich an der Ecke Annenstraße/Am See ist ja noch Einiges gut erhalten.“

Vor 15 Jahren gründete sich der Verein, um über die Entwicklung der Fernmeldetechnik zu informieren und Historisches zu bewahren. Inzwischen zählt er etwa 80 Mitglieder. „Heute ist wieder Vereinsabend bei uns. Da werd ich gleich von den Neuigkeiten berichten“, frohlockt Hegewald. Die CG-Gruppe bereitet indes laut Unternehmenssprecherin Lebedev alles Nötige vor, um die Baugenehmigung beantragen zu können. „Wir hoffen, im Frühjahr 2015 mit den Arbeiten zu beginnen.“

Leser-Kommentare

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Insgesamt 18 Kommentare

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  1. Lars

    Besser dem Immobilienunternehmen CG-Gruppe gleich den kompletten Wiederaufbau von ganz Dresden überlassen. Die "Mädchen und Jungs" vom Immibilienunternehmen CG-Gruppe scheinen genau zu wissen was Dresden raucht. Wissenschaftlich fundierte Denkmalschbehörde,Rekonstrukteur,Baunternehmen und Investor in einer Hand,wo findet man das heute schon und dann gerade in der Boomcity Dresden. Es ist richtig wenn alte das Stadtbild prägende Fassaden wieder entstehen und dahinter beispielsweise moderne Wohnungen wie hier.Obwohl ich gedacht hätte das hier die Post wieder einzieht.Na ja aber das mit Wohnungen ist schon okay. Aber wenn die Firma tatsächlich das Gebäude historisch einigermaßen korrekt wieder hin kriegt,dann hat sie die "Lizenz" für den kompletten Wiederaufbau von Dresdens Innenstadt. Denn hier könnte die Firma Wohnungen schaffen für mindestens eine halbe Million Menschen,wenn sie sich an historische ortsüble Fassadengestaltung und die historisch überlieferte Gassen-,Strassen-und Platzst

  2. Realist

    Eine wunderbare Sache das es Investoren gibt, welche sich den Schandflecken der Stadt annehmen. Das Sie mit jeder Investition bestrebt sein müssen Profit zu erzielen, liegt in der Natur unserer Gesellschaftsform. Ich kann nur hoffen, dass hier nicht auch wieder bürokratische Steine in den Weg gerollt werden oder irgendwelche Spinner einen schützenswerten Regenwurm herbei zaubern. Beispiele dafür gibt es in DD genug.

  3. Martin Schmidt

    Nun kommen bestimmt wieder die Grünen und sind dagegen. Mal sehen, mit welcher Begründung.

  4. Jan Köber

    Das ständige Bezeichnen von Gebäuderesten als Schandfleck zeigt, wie unverhältnismäßig und verkorkst in Dresden häufig gedacht und berichtet wird. Wenn eine Häuserruine ein Schandfleck sein soll, was ist dann mit Pöbeleien gegen Menschen, mit Gewalt auf offener Straße und der NPD im Landtag? Ist das Gelegenheitsschande, Schändlein oder Mini-Schande? Es wäre schön, wenn Herr Hoeflich die Kirche im Dorf lässt und einfach von einem, seiner Meinung nach, hässlichen Häuserrest spricht. Er muss nicht gleich den Untergang des Abendlandes ausrufen...

  5. Volker Hänig

    Wenn das genauso schick wird wie das bisher am Postplatz gebaute ( Advanta, SAP, Grusel Motel, Haltestelle ) : Gute Nacht Dresden. Alles nur so hingeklotzt, ohne Einfühlungsvermögen nur dem Kapital geschuldet ! Zur Erinnerung : Es gab mal einen Bebauungsplan mit Grün und Wasserlauf auf der Wallstrasse ! Als Mann vom Bau erschliessen sich mir nicht die Genehmigungsgrundsätze der Stadt : Wenn man neue Fenster in einen Altbau einbauen will : Riesentheater um Baustoff, Form, Farbe. Wenn ein sogenannter Investor anklopft, bekommt der in Dresden alles genehmigt : viereckige Klötze ohne jede Proportionen und mit den hässlichsten grauen Fassaden der Welt.

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