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Freitag, 05.02.2016

Letzte Ruhe im Friedewald

Mit deutlicher Mehrheit stimmt der Stadtrat für die Trägerschaft. Obwohl nicht alle mit dem Bestattungswald glücklich sind.

Von Tobias Hoeflich

Manche Menschen ziehen der Bestattung zwischen Friedhofsmauern eine Beisetzung in freier Natur vor. In Sachsen gibt es bislang erst einen solchen Friedwald.
Manche Menschen ziehen der Bestattung zwischen Friedhofsmauern eine Beisetzung in freier Natur vor. In Sachsen gibt es bislang erst einen solchen Friedwald.

© dpa

Auch in einer ernsten Debatte kann es lustig zugehen. Das hat sich am Mittwochabend im Coswiger Stadtrat gezeigt, als Daniel Prinz von Sachsen bei den Politikern für seinen Friedwald warb: „Ich würde mich freuen, Sie eines Tages mal nach draußen einzuladen“, sagte der Leiter der Wettinischen Forstverwaltung. Schnell merkte er am Gelächter, dass das auch falsch verstanden werden konnte. „Nur zu einem Spaziergang“, versteht sich.

Nach jahrelangen Diskussionen um einen Bestattungswald im Coswiger Friedewald ist der Wettiner-Prinz fast am Ziel. Beim Landratsamt hat er einen Antrag eingereicht, der laut Coswigs Oberbürgermeister Frank Neupold (parteilos) auch genehmigt werden dürfte. Die 40 Hektar große Fläche solle von Süden her schrittweise erschlossen werden. Dann kann dort die Asche Verstorbener in biologisch abbaubaren Urnen an den Wurzeln eines Baumes ruhen – mitten in der Natur. So lautet die Grundidee des Friedwalds. Der Preis pro Basisplatz beträgt derzeit 490 Euro. Hinzu kommen 275 Euro für die Beisetzung.

Keine Kosten für die Stadt

Nordöstlich von Coswig würde damit nach dem Planitzwald nahe Leipzig Sachsens zweiter Bestattungswald entstehen. Weil das Landratsamt darüber entscheidet, hatte der Stadtrat zwar keinen Einfluss auf das Ja oder Nein. Wohl aber, ob Coswig für den Friedwald die Trägerschaft übernehmen will. „Damit haben wir die Möglichkeit, den Bestattungswald von Anfang an selbst mitzugestalten“, warb Neupold. Kosten entstünden der Stadt keine. Für den Verwaltungsaufwand würde das Rathaus sogar Geld bekommen.

Debattiert wurde dennoch am Abend in der Coswiger Börse. „Es ist eine Tradition und ein Kulturgut, dass Friedhöfe da sind“, sagte etwa CDU-Stadtrat Thomas Damme. Wenn Bestattungen künftig im Wald möglich sind, könnte das die städtischen Friedhöfe finanziell treffen. Auch Corona Knibbe-Lüders von der SPD bangt angesichts der Entwicklung um das Kulturgut Friedhof – auch wenn offenbar immer mehr Menschen den Wunsch haben, statt zwischen Mauern lieber in freier Natur beerdigt zu werden. „Sonst richtet man sich auch nicht nach den Bedürfnissen der Bevölkerung. Hier tut man es.“ Doch nicht jeder stimmte in den Klagekanon mit ein. Joachim Eichler von der CDU warb dafür, die veränderten Gegebenheiten anzuerkennen. „Wir müssen den Blick nach vorne richten und für die Stadt die beste Entscheidung treffen.“

Rat stimmt zu

Bedenken, dass die Friedhöfe finanziell leiden müssten, räumte der OB aus: Notfalls würde die Stadt unter bestimmten Voraussetzungen einspringen. Bei dem Friedwald ginge es nicht nur um die Art und Weise, wie jemand bestattet wird. Auch die Fragen nach den Kosten und der Grabpflege werden dabei bedacht. Letztlich stimmte der Coswiger Stadtrat mit 20 Ja- und vier Nein-Stimmen für die Trägerschaft. Ablehnen könne man den Friedwald laut OB ohnehin nicht. „Dann sollten wir lieber etwas gemeinsam gestalten“, so Neupold.

Demnächst sollen die Verträge mit der Wettinischen Forstverwaltung und der Betreibergesellschaft Naturruhe Friedewald mit Sitz im hessischen Griesheim abgeschlossen werden. Details werden laut OB später in einer Satzung geregelt. „Mit diesem Beschluss kommen wir vielen Bürgern aus unserer Stadt und dem Umland entgegen, die aus unterschiedlichen Gründen eine Alternative zum Friedhof suchen.“