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Dienstag, 01.08.2017

Leser lieben die neue Bibliothek

Eigentlich stagnieren die Nutzerzahlen der Städtischen Bibliotheken. Doch die neuen Räume im Kulturpalast locken.

Von Juliane Richter

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Nathanael und Diana Wolff genießen den Ausblick in der neuen Hauptbibliothek.
Nathanael und Diana Wolff genießen den Ausblick in der neuen Hauptbibliothek.

© Sven Ellger

  • Nathanael und Diana Wolff genießen den Ausblick in der neuen Hauptbibliothek.
    Nathanael und Diana Wolff genießen den Ausblick in der neuen Hauptbibliothek.
  • Auszubildende Annabell Richter kümmert sich darum, dass die Verteilung der Bücher mittels kleiner Aufzüge und Transportbänder reibungslos funktioniert.
    Auszubildende Annabell Richter kümmert sich darum, dass die Verteilung der Bücher mittels kleiner Aufzüge und Transportbänder reibungslos funktioniert.
  • Die neue Hauptbibliothek.
    Die neue Hauptbibliothek.

Dresden. Lesen und Lümmeln kann Nathanael Wolff in der neuen Hauptbibliothek zur Genüge. Gemeinsam mit seiner Mutter Diana ist er in den Kulturpalast gekommen – auf der Suche nach kindgerechten Englisch- und Französischbüchern. Mehr als die Schulliteratur reizen den Neunjährigen aber Technikbücher. Auf einem großen Stoffkissen, mit Blick über den Altmarkt sitzend, blättert er fasziniert.

„Wir sind das erste Mal hier. Es ist wunderbar, dass es hier so viel Platz zum Lesen gibt. Ich komme bestimmt auch noch einmal alleine her“, sagt seine Mutter. Wie sie sind viele Besucher angetan von den großen, luftigen Räumen, die sich auf zwei Etagen im Kulturpalast verteilen. Elke Ziegler, Sprecherin der Städtischen Bibliotheken, sieht die Aufenthaltsqualität der neuen Räume als zusätzlichen Besuchermagneten. Genaue Zahlen liegen knapp drei Monate nach der Eröffnung noch nicht vor. „Wir haben aber unheimlich viele Neuanmeldungen in der neuen Hauptbibliothek.

Viele Nutzer kommen auch von außerhalb“, sagt sie. Sogar aus Bautzen und Riesa reisen die Leser demzufolge an. Manche kommen aber auch nur vom Zelleschen Weg. Weil in der Unibibliothek prüfungsbedingter Platzmangel herrscht, weichen einige Studenten in den Kulturpalast aus. „Hier bekomme ich um zehn Uhr noch einen super Platz“, sagt die 24-jährige Wiebke, die gerade ihre Bachelorarbeit in Germanistik schreibt. Ein anderer Student freut sich, überhaupt Tageslicht zu haben, während in der Unibibliothek viele Räume nur mit Kunstlicht beleuchtet sind.

500 Arbeitsplätze stehen den Nutzern in der neuen Hauptbibliothek zur Verfügung und damit 360 mehr als am früheren Standort im World Trade Center. 50 verfügen über Internetanschluss, 50 weitere sind sogenannte Sonic-Chairs – kuschelige Sessel, in denen die Nutzer Hörbücher oder CDs hören können, ohne dass sich andere Besucher gestört fühlen. Viel Technik hat im neuen Haus Einzug gehalten. Die entliehenen Medien können nicht nur in den Bibliotheksräumen selbst, sondern täglich auch zwischen 6 und 24 Uhr am Automaten im Erdgeschoss zurückgegeben werden. Mittels kleiner Aufzüge und langer Transportbänder gelangen sie in die Sortierzentralen, in denen Mitarbeiter sie auf die passenden Wagen für die Fachbereiche verteilen. Weitere technische Neuerungen sind noch im Gespräch.

Demnach sind E-Circle an den Regalen geplant. Über diese Displays können sich die Nutzer direkt vor Ort E-Books ausleihen. Im digitalen Bereich liegt auch bei den Städtischen Bibliotheken die Zukunft. Während Abteilungsleiter Roman Rabe langfristig mit einer Stagnation der Gesamt-Ausleihen rechnet, wächst der elektronische Bibliotheksbereich weiter. Im ersten Halbjahr 2017 nutzten bereits 5 710 Leser die Ausleihe digitaler Medien. Im gesamten Jahr 2016 waren es rund 7 200. Die Entwicklung zeigt also weiter nach oben. Das bestätigt sich auch durch die Anzahl der entliehenen Online-Medien.

Dazu zählen neben E-Books und Zeitschriften zum Beispiel auch Musik oder Filme. Rund 207 000 ausgeliehene Medien kamen so vergangenes Jahr zusammen. Zum Start des Angebots im Jahr 2010 waren es nur etwa 31 000. Im Vergleich zur Ausleihe klassischer Bücher ist der Anteil des Onlinebereichs noch gering. Aber das Interesse wächst, sodass die Bibliotheken auch weiterhin in digitale Medien investieren und dort zusätzliche Angebote schaffen. So stehen seit Juli zum Beispiel 23 neue Zeitschriften digital zur Verfügung, wie etwa Neon, Stern, Eltern oder Schöner Wohnen.

Der Einstieg in die digitale Ausleihe fällt nicht allen Nutzern leicht. „Gerade wenn Nutzer so ein Gerät geschenkt bekommen, haben sie manchmal Probleme, es zum Laufen zu kriegen. Die Ersteinrichtung ist oft aufwendig“, sagt Marcus Rahm, der für den Online-Bereich zuständig ist. Deshalb bieten die Bibliotheken technische Hilfe beim Umgang mit dem E-Reader, mit dem die E-Books gelesen werden, an. Früher gab es eine monatliche Sprechstunde, in der ein Mitarbeiter bei der Einrichtung der Geräte geholfen hat. Mit der Eröffnung der neuen Hauptbibliothek findet diese Sprechstunde nun einmal pro Woche statt.

Der Kulturpalast nach dem Umbau

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Grafik: Fabian Schröder, Mirko Jakubowsky

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Bernd

    Was für mich völlig unverständlich ist: Wie kann man im Jahr 2017 eine Bibliothek neu eröffnen, viel Platz zum Arbeiten und Stöbern anbieten, aber kein öffentliches WLAN bereitstellen? Hat man das schlicht vergessen, kommt das noch, hat man keine technische Lösung parat (ich bin mir sicher, dass die Dresdner Freifunker ohne zu zögern mit Rat und Technik helfen würden)? Die neuen Räume sind wunderschön, ich bin gern in der neuen Bibo. Wenn man bloß für die sinnvolle und effektive Recherche und Arbeit am eigenen Rechner nicht noch mit mitgebrachtem Extra-Gerät sein eigenes WLAN umständlich anmachen müsste (vorausgesetzt, man hat sowas überhaupt da)...

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