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Donnerstag, 09.08.2018

Lernen zwischen Kletterfelsen und Atelierhaus

Die freie Célestin-Freinet-Schule muss dringend saniert werden. Das neue Schuljahr beginnt am Montag darum in Containern. Geplant war das so nicht.

Von Sven Görner

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Kletterfelsen, Reckstangen und Sportplatz der Freinet-Schule in Friedewald können in den nächsten Monaten nicht mehr genutzt werden. Denn während der Sanierung des alten Schulgebäudes, die am 20. August beginnt, wird bereits ab Montag in den dort aufgestellten Containern unterrichtet.Fotos: Norbert Millauer; SZ/Sven Görner
Kletterfelsen, Reckstangen und Sportplatz der Freinet-Schule in Friedewald können in den nächsten Monaten nicht mehr genutzt werden. Denn während der Sanierung des alten Schulgebäudes, die am 20. August beginnt, wird bereits ab Montag in den dort aufgestellten Containern unterrichtet.Fotos: Norbert Millauer; SZ/Sven Görner
  • Kletterfelsen, Reckstangen und Sportplatz der Freinet-Schule in Friedewald können in den nächsten Monaten nicht mehr genutzt werden. Denn während der Sanierung des alten Schulgebäudes, die am 20. August beginnt, wird bereits ab Montag in den dort aufgestellten Containern unterrichtet.Fotos: Norbert Millauer; SZ/Sven Görner
    Kletterfelsen, Reckstangen und Sportplatz der Freinet-Schule in Friedewald können in den nächsten Monaten nicht mehr genutzt werden. Denn während der Sanierung des alten Schulgebäudes, die am 20. August beginnt, wird bereits ab Montag in den dort aufgestellten Containern unterrichtet.Fotos: Norbert Millauer; SZ/Sven Görner
  • Die alte Schule wird derzeit saniert.
    Die alte Schule wird derzeit saniert.

Friedewald. Dort, wo die rund 80 Kinder der freien Grundschule normalerweise Fußball spielen oder sich anderweitig sportlich betätigen, wurde in den vergangenen Tagen ein flaches Gebäude aus Containern aufgestellt. Vier Klassenzimmer, Speiseraum, Toiletten, Garderoben und Zimmer für die Mitarbeiter. Zwischen Kletterfelsen und Atelierhaus ist auf dem Schulgelände so eine kleine Interimsschule entstanden. „Wir müssen uns für die Bauzeit etwas einschränken“, sagt Schulleiterin Sylvia Kreller, „aber das funktioniert schon.“

Der vorübergehende Verlust des Sportplatzes ist dabei das kleinste Problem. „Der Bolzplatz ist nicht weit entfernt, das Rote Haus und der Wald auch nicht. Dort haben wir viele Möglichkeiten zur Beschäftigung“, ergänzt Hortleiterin Vicky Johne.

Noch im Frühjahr war der Kinderland Sachsen e.V. als Trägerverein davon ausgegangen, dass die Arbeiten zur Sanierung des alten Schulgebäudes mit Ferienbeginn starten. Doch daraus wurde nichts. Denn der Plan, für die Bauzeit in ein anderes Gebäude im Moritzburger Gemeindegebiet umzuziehen, ging nicht auf. Die erste Option zerschlug sich dabei sehr schnell. Die Gemeinde hatte angeregt, doch mal beim Landratsamt anzufragen, ob vorübergehend Räume in dem komplett sanierten, ein Jahr genutzten nun aber wieder leerstehenden Asylheim in Moritzburg genutzt werden könnten. Der Landkreis lehnte das ab mit dem Verweis auf den Eigenbedarf der Ausländerbehörde.

Eine Alternative bot das Diakonenhaus Moritzburg mit einem ehemaligen Schulgebäude Am Knabenberg an. „Allerdings hätten diese Räume nur bis zum Jahresende zur Verfügung gestanden“, sagt Katrin Merker, Geschäftsführender Vorstand des Kinderland-Vereins. „Das war laut der vorgegebenen Bauplanung des Architekten nicht ausreichend.“ Das Gebäude, das Roland-Adolph-Haus, soll Teil der neuen evangelischen Fach- und Berufsfachschule werden, die das Diakonenhaus im Sommer nächsten Jahres eröffnen möchte.

So musste der Verein schließlich doch auf die Containerlösung umschwenken, die wegen der höheren Kosten eigentlich vermieden werden sollte. „Die Finanzierung der Mehrkosten muss aus den laufenden Haushalten von Schule und Hort erfolgen, da diese Kosten kein Bestandteil der Investitionszuschüsse sind“, sagt Katrin Merker. Wie viel teuerer die jetzige Raumvariante gegenüber der Einmietung beim Diakonenhaus ist, kann sie indes nicht mit Sicherheit sagen. „Auch dort wären es nicht nur die Mietkosten gewesen, sondern wir hätten auch einiges an den Zimmern machen müssen. Als klar war, dass die Frist bis Jahresende zu knapp ist, haben wir dann aufgehört, dort weiter alles aufzurechnen.“

Dem finanziellen Mehraufwand stehen aus Sicht der Vereinsfrau aber durchaus auch positive Effekte der nun gefundenen Interimslösung gegenüber. So kann das Gelände zum Großteil weiter genutzt werden, einschließlich der Spielgeräte und des Gartens. Und das Atelierhaus, der einzige Neubau der Schule, steht damit auch während der Bauphase zur Verfügung. Viele Eltern sind zudem froh, dass ihre Kinder am gewohnten Ort die Schule besuchen können. Mit dem Start am Montag kommen 21 Mädchen und Jungen der 1. Klasse dazu. Insgesamt werden dann 84 Kinder in vier Klassen unterrichtet. Pro Klassenstufe eine.

Seit vergangener Woche ging nun alles Schlag auf Schlag. Mittwoch wurde mit dem Packen der Umzugskartons begonnen. Donnerstag stimmte der Technische Ausschuss des Moritzburger Gemeinderates dem Aufstellen der Containerschule zu. Der Landkreis zog umgehend nach. Seit Dienstag werden Möbel und Kisten in die neuen Räume gebracht und dort von den 14 Mitarbeitern ausgeräumt. Die Elektrik soll am heutigen Donnerstag oder am Freitag angeschlossen werden. „Wir werden am Montag hier mit dem Unterricht starten“, sagt die Schulleiterin zuversichtlich.

Eine gute Lösung wurde für den Bus gefunden. Die Haltestelle befindet sich nicht mehr vor der Schule, denn dann müssten die Kinder über die Baustelle laufen oder einen großen Umweg nehmen. Der Ersatzstopp ist im Wendehammer im Gewerbegebiet, direkt hinter dem Schulgelände. „Die Container haben wir für neun Monate gemietet“, sagt Katrin Merker. „Aber vielleicht kann die Schule ja schon in den Winterferien zurück ins dann sanierte Haus.“

Das Gebäude ist über 100 Jahre alt. Ende 2016 hatte der Verein die Zusage für Fördermittel in Höhe von 480 000 Euro vom Freistaat bekommen. Das sind 40 Prozent der geförderten Baukosten, die mit 1,2 Millionen Euro veranschlagt sind.