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Samstag, 02.04.2011

Lernen für ein Studium im Ausland

Gymnasium Auch in Sachsen bieten immer mehr Schulen den internationalen Abschluss an.

Sarah Struppix und Vincent Ancôt sind schon auf dem Weg. Die beiden Dresdner Schüler bereiten sich auf ein internationales Abitur vor. Vier Gymnasien in Sachsen wollen ab nächstem Schuljahr das englischsprachige International Baccalaureate (IB) anbieten. Gerade erhielt das Landesgymnasium Sankt Afra in Meißen von der IB-Organisation in Genf die Genehmigung für dieses weltweit anerkannte internationale Abitur. Das Hochbegabten-Gymnasium kann nun den Titel „IB World School“ tragen. So sollen die Schüler besser für eine Zukunft in einer globalisierten Welt gerüstet sein, sagt Schulleiterin Ulrike Ostermaier.

Auch das Bertolt-Brecht-Gymnasium in Dresden bereitet seine Schüler seit drei Jahren auf das „International Baccalaureate“ vor. „Ende Mai rechnen wir mit dem Besuch der Genfer Behörde und danach mit der offiziellen Genehmigung“, sagt Schulleiter Marcello Meschke. Schon selbstverständlich ist dieser internationale Schulabschluss an den beiden sächsischen „International Schools“ in Dresden und Leipzig, die vor allem ausländische Schüler vom Vorschulalter bis zur Hochschulreife unterrichten.

Das International Baccalaureate eröffnet den Absolventen eine internationale Bildungsperspektive, da sie damit an allen Hochschulen weltweit zugelassen werden. Auch für global agierende Unternehmen seien Schüler mit nachgewiesenen exzellenten englischen Sprachkenntnissen interessant, so das sächsische Kultusministerium. Das IB wird weltweit in 140 Ländern in über 3000 Schulen mit mehr als 900000 Schülern angeboten. In Deutschland richten sich 41Schulen nach dem „IB Diploma Programme“.

Geschichte in Englisch

Die Vorbereitung beginnt in den Klassen fünf und sechs mit einer zusätzlichen Wochenstunde Begabtenförderung Englisch. Es folgen ab Klasse sieben je eine Wochenstunde Geschichte und Geografie, in den folgenden beiden Klassen kommt noch eine Englisch-Stunde in Naturwissenschaften hinzu. In den nächsten Jahrgangsstufen zehn, elf und zwölf werden zwei Wochenstunden zusätzlicher Unterricht nach individuellem Lernplan ausgewählt. „Es ist ein großer zusätzlicher Aufwand, doch er lohnt sich bestimmt“, sagt der 15-jährige Maximillian Vargas, IB-Kandidat am Bertolt-Brecht-Gymnasium. Die Abschlussprüfung soll zusätzlich zum deutschen Abitur in sechs verschiedenen Fächern abgelegt werden. An den beiden Internationalen Schulen wird nur das International Baccalaureate gemacht. Doch St.-Afra-Schulleiterin Ulrike Ostermaier ist optimistisch, dass ihre Schüler die zusätzliche Belastung meistern werden. Etwa 15 der rund 50 Schüler des kommenden Jahrgangs wollen sich der Herausforderung stellen.

Das Dresdner Romain-Rolland-Gymnasium hat in diesem Schuljahr das Doppelabitur „AbiBac“ eingeführt. Dieses besondere Angebot gibt es in Sachsen auch noch an der Anton-Philipp-Reclam-Schule in Leipzig. Dabei machen die Schüler einerseits das Abitur nach sächsischen Bedingungen, zum anderen erwerben sie gleichzeitig das französische Baccalauréat. Damit haben sie nicht nur direkten Zugang zu einem Studium in Frankreich, sondern auch zu den rund hundert Doppelstudiengängen in Deutschland, bei denen man Teile des Studiums in Frankreich absolviert. In den Klassenstufen zehn, elf und zwölf werden die Schüler in Französisch, Geografie und Geschichte auf die beiden Abiturprüfungen vorbereitet. Dabei wird auf Vergleichsaspekte und Perspektivwechsel zwischen deutschen und französischen Inhalten geachtet. Der Unterricht wird durch deutsch-französische Projekte mit der französischen Partnerschule Lycée Jean Jacques Henner in Altkirch (Elsass) ergänzt.

Schriftliche Prüfungsfächer sind das Leistungskursfach Französisch und das Grundkursfach Geschichte. In Französisch muss eine zusätzliche mündliche Prüfung abgelegt werden.

Geografie in Französisch

Bereits seit 1994 bietet das RoRo eine zweisprachige Schulausbildung an. Ab Klasse fünf haben die Schüler des bilingualen Zweiges verstärkten Französisch-Unterricht. Ab Klasse sieben beginnt der bilinguale Unterricht in Geografie, ab der zehnten Klasse wird dann zusätzlich das Fach Geschichte auf Französisch unterrichtet. „Das AbiBac ist auch ein Standortvorteil für Dresden“, sagt der Schulleiter Alfred Hoffmann. „Die Kinder von französischsprachigen Wissenschaftlern, die nach Dresden ziehen, können hier beispielsweise ohne Weiteres ihre Schullaufbahn fortsetzen.“

Ein Besonderheit sind zwei binationale und bilingual angelegte Ausbildungen in Sachsen: Am Augustum-Annengymnasium in Görlitz werden neben den deutschen auch polnische Schüler aus Zgorzelec aufgenommen und ab der 7. Klasse gemeinsam unterrichtet. Als Abschluss erhalten sie das sächsische Abitur und ein Zertifikat über den Besuch des Bildungsganges. Ein vergleichbares deutsch-tschechischen Angebot hat das Friedrich-Schiller-Gymnasium in Pirna.Birgit Holthaus