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Montag, 06.07.2015

Leiser Abgang eines Lieblings

Am Montagmorgen ist Leistenkrokodil Max gestorben. Der Zoo verliert damit die letzte große Tierpersönlichkeit.

Leistenkrokodil Max ist gestorben.
Leistenkrokodil Max ist gestorben.

© Ronald Bonß

Dresden. Erst schien das kranke Leistenkrokodil Max auf dem Weg der Besserung zu sein. Doch am Montag ist der Besucherliebling nun doch überraschend gestorben. Sein langjähriger Pfleger Michael Hoffmann hat den leblosen Körper bei seinem Dienstbeginn gegen 6.30 Uhr gefunden. Die gerufenen Tierärzte schlossen noch einmal ein EKG-Gerät an, konnten jedoch keinen Herzschlag mehr feststellen.

Besucherliebling des Zoos: Krokodil Max

Schon Anfang Mai hatten die Zoomitarbeiter gemerkt, dass mit Max etwas nicht stimmt. Seine Blutwerte waren so schlecht, dass sie von einer verminderten Nierenfunktion ausgingen. Eine großangelegte Untersuchung unter Vollnarkose brachte ein wenig Klarheit: Die Blutwerte hatten sich verbessert, doch der rechte Vorderfuß war stark entzündet. Mit Antibiotika, Salben und Desinfektionslösungen hatte das Ärzteteam das Krokodil fortan behandelt. Seit Mitte Juni schien es Max besser zu gehen. Alle zwei Tage verschlang er genussvoll ein Meerschweinchen.

„Vergangene Woche Dienstag hat er es erstmals wieder ausgespuckt. Gegen Ende der Woche passierte das noch einmal“, sagt Tierärztin Eva Ziemssen. Auch die von Beginn an hinzugezogenen Reptilienexperten wussten sich nun keinen Rat mehr. Der Plan war, abzuwarten und irgendwann, eventuell noch einmal eine Untersuchung unter Vollnarkose durchzuführen. Doch dafür blieb keine Zeit mehr.

Noch am Vormittag wurde der leblose Krokodilkörper zur pathologischen Untersuchung an das Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin gebracht. Tierarzt Dimitri Widmer und Pfleger Hoffmann haben Max begleitet. Bis die genaue Todesursache feststeht, können Tage und Wochen vergehen. Sein zweiter enger Pfleger Michael Scheffert war sichtlich mitgenommen. So wie er und die anderen Zoomitarbeiter trauern viele Dresdner, die Max seit Jahrzehnten kennen.

Vor allem mit der Körperlänge des Krokodils ist seine Bekanntheit gewachsen. Als Max am 2. Oktober 1958 aus dem Tierpark Berlin nach Dresden kam, war er eines von zwei namenlosen Jungtieren, die zwischen 50 und 70 Zentimeter groß waren. So ist es auf der Originalkarteikarte von damals zu lesen. Mit Bleistift hat jemand später ganz zart „Max“ darauf notiert. Zooarchivar Winfried Gensch schätzt, dass der damalige Leiter des Terrariums, Franz Dünnebier, Max seinen Namen gegeben hat. Ein Mississippi-Alligator aus der gleichen Zeit hieß Moritz. „Durch den Krieg war der Zoo zerstört. In den Jahren danach haben die Mitarbeiter versucht etwas aufzubauen, was mal mehr oder weniger geeignet war“, erinnert sich Gensch. So wurde Max gemeinsam mit acht oder neun anderen Alligatoren, Nil- und Cubakrokodilen zunächst in einer Art Schuppen gezeigt. Dort hatte Dünnebier versucht, ein bescheidenes Terrarium einzurichten. Mit dem 100. Geburtstag des Zoos 1961 zog Max dann in den Terrarium-Neubau, der noch heute neben der Giraffenanlage steht. Historische Fotos aus dieser Zeit zeigen ihn schon um einiges gewachsen auf einer kleinen Insel. In dem Gehege war Max noch bis 2010 untergebracht.

Ralf Leidel, heutiger Chef des Vereins Zoofreunde Dresden und 1965 Zoolehrling, erinnert sich, wie das alte Gehege damals gereinigt wurde. „Pfleger mit einem großen Holzstock und Schrubber haben Max auf dem Trockenen in Schach gehalten, während ein anderer den Rest des Geheges geschrubbt hat“, sagt der 66-Jährige. Später dann wurde als Schutz ein Bauzaun aufgestellt. „Über die Jahre hat sich Max zu einer wahren Institution im Zoo entwickelt. Wenn Sie in Dresden nach dem Namen des Zoodirektors fragen, weiß wohl kaum jemand die richtige Antwort. Aber Max kennen alle“, sagt Leidel überzeugt.

Dabei passt Max nicht wirklich ins gängige Kindchenschema, das normalerweise die Besucher lockt. Statt flauschigem Fell und großen Augen hat er einen harten Panzer und eine starre Mimik geboten. Was also machte seine Faszination aus?

Für Zookurator Matthias Hendel ist es die schiere Größe. Bei der letzten Messung war Max rund 4,90 Meter lang und etwa 430 Kilogramm schwer. Ein vergleichbares Exemplar finde sich in europäischen Zoos laut Hendel nicht. Diese mächtige Erscheinung war auch der Grund dafür, wieso das Leistenkrokodil nie eine Partnerin an seine Seite bekommen hat. „Erst war das Becken zu klein, später dann hätten wir ein Weibchen finden müssen, was mindestens 3,50 Meter groß wäre, um es mit ihm aufzunehmen“, sagt Hendel. Doch auch ein so großes Weibchen gebe es in Europa nicht ohne Weiteres.

Für Hendel ist Max auch deshalb faszinierend, weil er zwar ein riesiges Reptil ist, aber trotzdem Vertrauen zu Menschen gefasst hat. Auf den Ruf seines langjährigen Pflegers Michael Hoffmann, der sich seit 1979 um ihn gekümmert hat, hat er vor seiner Erkrankung meist ohne Zögern gehört. „Es ist fantastisch, wenn so ein Riesentier auf die Stimme eines Menschen reagiert“, sagt Hendel.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 9 Kommentare

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  1. Karl der Gr0ße

    Wenn es auch nicht überraschend kam, ist es schon sehr traurig wenn ein so großes Tier stirbt. Immerhin hat er auch einen großen Teil meiner Kindheit mit geformt. Es war für uns immer ein Blick hinter den eisernen Vorhang, wenn bei Zoobesuchen mit meinen Eltern von Max´ ferner Heimat erzählt wurde. Ein Zoobesuch ohne Max zu sehen, wäre kein Zoobesuch gewesen! RIP, Max.

  2. ddfrog

    Das Krokodil Max war neben dem Bronzewildschwein am Eingang das Highlight meiner Kindheitsbesuche im Zoo. Er hat eigentlich nie was gemacht, lag immer nur rum, aber vielleicht war genau dieses Verhalten das Faszinierende. Jetzt heißt es - Abschied zu nehmen. Ich wünsche dem Zoo eine erfolgreiche Zukunft - auch in der Zeit nach Max.

  3. Alex

    Komisch, plötzlich merken sogar die ZoomitarbeiterInnen, dass auch ein Tier sterben kann. Und dass ein Krokodil sogar den Blick für die weltpolitische Umgebung schärft, ist schon bemerkenswert. Da braucht es offenbar nicht das eigene Gehirn.

  4. randresdner

    @alex: was soll das für ein komischer Kommentar sein? Es tut mir leid um Max. Ohne ihn ist der Zoo leer geworden. Schlaf gut Max

  5. Alex

    @randresdner: Würde ich zwar grammatikalisch anders schreiben, wenn Sie ein Randdresden sind, was solls. Aber ich sage, auch Tiere sind nur ein Bestandteil des Werdens und Vergehens. Wenn Sie aber nicht begreifen was ich meine, lesen Sie doch mal bitte den Beitrag von "Karl der Große" @1. Offenbar waren für den, Mädchen in Bikinis oder gar am FKK, so was wie St. Tropez oder gar das Paradies.

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