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Mittwoch, 17.10.2018 Lohmen

Leiche wird nicht obduziert

Der beim Austreten abgestürzte 25-Jährige wird nicht untersucht. Er ist nicht der Erste, der die Absperrung ignoriert hatte.

Von Daniel Förster

So malerisch der Felsspalt an der Kanapee-Aussicht wirkt, so gefährlich ist er. Hier geht es mehrere Meter in die Tiefe, was jetzt einem jungen Mann zum Verhängnis wurde.
So malerisch der Felsspalt an der Kanapee-Aussicht wirkt, so gefährlich ist er. Hier geht es mehrere Meter in die Tiefe, was jetzt einem jungen Mann zum Verhängnis wurde.

© Daniel Förster

Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, dass es sich bei dem tödlichen Unglück am vergangenen Sonntag auf der Bastei um einen Unfall gehandelt hat. Laut Oberstaatsanwalt Lorenz Haase wird deshalb keine Obduktion des Leichnams erfolgen. So bleibt offen, ob und in welchem Maße der 25 Jahre alte Ukrainer möglicherweise unter dem Einfluss von Alkohol oder gar Drogen gestanden hatte. Für die Ermittler sei es unerheblich, ob er im Vorfeld ein oder zwei Bier getrunken hatte, so Haase. „Dadurch wäre er maximal etwas leichtsinniger gewesen“, so nah an die Felskante heranzutreten. Vielmehr sei es relevant, ob ein Fremdverschulden vorliegt. Dafür gebe es keinerlei Anhaltspunkte und somit könne eine Straftat ausgeschlossen werden. Die Ermittler sprechen von einem tragischen Unglücksfall.

Beim Zwischenstopp einer ukrainischen Reisegruppe auf der Bastei war der tödlich verunglückte Jungunternehmer mit zwei Begleitern von der Brücke weiter zur Felsenburg Neurathen und dann zum Kanapee-Felsen gelaufen. Laut Zeugenaussagen hatte er gegen 17 Uhr unmittelbar vor der Treppe zur Aussicht das Bedürfnis, seine volle Blase zu erleichtern, befriedigen wollen und war über eine Begrenzung gestiegen. An der dortigen Felskante war er auf dem sandigen Boden abgerutscht und in die Tiefe gestürzt. Etwa anderthalb Stunden nach seinem Verschwinden fanden die Retter den Körper im unwegsamen Gelände oberhalb des Elbradweges. Der Mann zeigte keine Lebenszeichen mehr, auch ein Notarzt konnte ihn nicht wiederbeleben. „Die Person ist an den Folgen des Sturzes verstorben“, so der Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft.

Anhand der Fußspuren ist deutlich zu sehen, dass der 25-Jährige nicht die erste Person ist, die das Holzgeländer an der Kanapee-Aussicht überstiegen hat. Ein gefährlicher Leichtsinn: Hier geht es rund 40 Meter tief in den Abgrund. Möglich, dass der Mann aus Ortsunkenntnis nicht einschätzen konnte, dass sich hinter dem Geländer direkt eine Klippe befindet. Jedoch gibt die Stelle, an der das Unglück passierte, unweigerlich den Blick ins Elbtal frei. Die Nationalparkverwaltung warnt im Basteigebiet seit jeher mit mehreren Schildern vor dem Verlassen von Wegen und dem Betreten der Felsen – allerdings sind die Schilder nur auf Deutsch geschrieben. „Das Verlassen der Wege und das Besteigen der Felsen ist strengstens untersagt“, steht darauf.