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Dienstag, 11.09.2018

Lausitzer-Füchse-Rudel so groß wie nie

Der Eishockey-Zweitligist geht mit vier Torhütern, neun Verteidigern und 16 Stürmern in die am Freitag startende Saison. Das ist auch eine Lehre aus früheren Fehlern.

Erik Hoffmann geht bei den Lausitzer Füchsen in sein viertes Profi-Jahr.
Erik Hoffmann geht bei den Lausitzer Füchsen in sein viertes Profi-Jahr.

© Thomas Heide

Weißwasser. Wenn am Freitagabend die Lausitzer Füchse zum ersten Zweitligaspiel der Saison 2018/19 in die Eisarena in Weißwasser einlaufen, könnte sich Füchse-Geschäftsführer Dirk Rohrbach auf der Tribüne eigentlich entspannt zurücklehnen. Schließlich ist die Hauptarbeit getan. Der neue Kader der Lausitzer Füchse ist zusammengestellt. Viele Sponsorenverträge, die auch den Spieleretat sichern, sind bereits unter Dach und Fach, andere angeschoben. Von Entspannung ist bei Dirk Rohrbach aber keine Spur. Zu sehr ist der langjährige Spieler und Trainer der Lausitzer Füchse selbst im Eishockeyfieber.

Der Füchse-Kader für die Saison 2018/19

Die Voraussetzungen vor der neuen Saison scheinen so gut wie lange nicht in der Weißwasseraner Profi-Eishockeygeschichte mit fast ununterbrochener Zugehörigkeit der Füchse seit 1990 zur höchsten oder zweithöchsten Liga in Deutschland (einzige Ausnahme 2003/04). Der neue Trainer Corey Neilson hat so viele Auswahlmöglichkeiten wie keiner seiner Vorgänger. Dass das so ist, hat mehrere Ursachen: Die Füchse sind finanziell solide aufgestellt, haben in den beiden vergangenen Jahren fast alle Verbindlichkeiten aus der Zeit davor abgebaut – dank einer verbreiterten Sponsorenbasis und treuen Zuschauern, die die Eisarena auch in den schlechten Zeiten des vergangenen Herbstes gut gefüllt und erst jetzt für einen neuen Dauerkartenrekord (750) gesorgt haben.

Zweitens eröffnen die Kooperationen mit dem DEL-Vizemeister Eisbären Berlin und dem Oberligaclub Hamburg Crocodiles viele Spielmöglichkeiten für Talente. So haben die Füchse neben zwei Torhütern (Franzreb und Kessler) weitere sechs Förderlizenzspieler der Berliner Eisbären unter Vertrag, von denen drei (Adam, Jahnke, Schiemenz) auch für die Eisbären spielberechtigt sind. Und in Hamburg dürfen alle anderen U23-Spieler der Füchse in der Oberliga spielen, können dort Spielpraxis sammeln. Laut Rohrbach sollen nahezu durchgängig drei bis vier Spieler (die wechseln) dort auflaufen.

Und drittens ist dieser Kader auch eine Folge des Sommers 2017. Damals hatte Trainer Hannu Järvenpää, nach einer überragenden Saison mit begeisterndem Offensiv-Eishockey gerade „Trainer des Jahres“ in der DEL 2 geworden, eine neue Mannschaft zusammengestellt und dabei auf die meisten Leistungsträger (auch wegen erhöhter Forderungen) verzichtet. Unter anderem gingen die fünf Topscorer. Ein Großteil der 14 neuen Spieler schlug aber nicht so ein, wie sich der finnische Trainer das erhofft hatte – Ausnahmen waren Eriksson, Owens und Boiarchinov. Ende November, nach 19 Punkten aus 21 Spielen, „flüchtete“ Järvenpää. Die Füchse mussten den Kader teuer „nachjustieren“, holten einige der Leistungsträger zurück, verpassten aber trotz einer klaren Steigerung unter dem zum Cheftrainer beförderten Robert Hoffmann knapp die Play-offs.

Diesmal war es die Top-Priorität der Füchse nach der knapp gewonnen Play-down-Serie gegen Bayreuth, die Leistungsträger zu halten, auch wenn sie nach einer starken Saison etwas mehr Geld forderten. Das ist (bis auf Stürmer Roope Ranta) gelungen. Fünf der sechs Topscorer der vergangenen Saison sind weiter dabei. Außerdem wurde die Position des Co-Trainers besetzt – mit Chris Straube, der selbst über 200 Spiele für die Füchse absolviert hat. Das folgende Zerwürfnis mit Trainer Robert Hoffmann, dass zur Trennung führte, gehört zu den bitteren und unverständlichen Momenten dieses Sommers.

Aber die Füchse hatten schnell Ersatz. „Binnen zwei Tagen nach dieser Geschichte hatte ich 25 Bewerbungen auf dem Tisch“, sagt Dirk Rohrbach. Zwei, drei Kandidaten seien in die engere Wahl gekommen. Am Ende entscheiden sich die Füchse für den Kanadier Corey Neilson, auch auf Empfehlung von Ex-Spielern Rohrbachs, aber eben auch wegen dessen überaus erfolgreichen Trainerzeit in Großbritannien. Neilson ist laut Rohrbach ein sehr geradliniger Trainer mit klarer Ansprache und vier Forderungen: „1. Sei pünktlich! 2. Sei selbstständig! 3. Sei ein gewissenhafter Arbeiter! 4. Bringe es konsequent zu Ende!“ Das alles sollten die Fans – und Dirk Rohrbach auf der Tribüne – ab Freitag zu sehen bekommen.