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Freitag, 18.05.2018

Lasst mal den Profi ran!

Nur wenige deutsche Ingenieure kennen sich mit Naturbädern so gut aus wie Hardy Gutmann. Er hat den Umbau des hiesigen Erlebnisbades geplant.

Von Jörg Richter

Hardy Gutmann war erst der Sachverständige für die Fehler, die am ursprünglichen Großenhainer Naturerlebnisbad gemacht wurden. Die Stadt beauftragte den Schwarzwälder mit der Planung für den fachgerechten Umbau. Aller zwei Wochen nimmt er sich die Zeit und schaut auf der Baustelle vorbei.
Hardy Gutmann war erst der Sachverständige für die Fehler, die am ursprünglichen Großenhainer Naturerlebnisbad gemacht wurden. Die Stadt beauftragte den Schwarzwälder mit der Planung für den fachgerechten Umbau. Aller zwei Wochen nimmt er sich die Zeit und schaut auf der Baustelle vorbei.

© Anne Hübschmann

Großenhain. Wer aus Baden kommt, muss auch Ahnung vom Baden haben. Dass das ein Auswahlkriterium für Bauingenieur Hardy Gutmann war, ist wohl eher ein Märchen. Als die Stadt Großenhain nur wenige Jahre nach der Eröffnung des Naturerlebnisbades feststellen musste, dass deren Wasseraufbereitung nicht richtig funktionierte, ging sie auf die Suche nach einem Spezialisten und fand ihn im badischen Höchenschwand. Dort lebt und arbeitet Hardy Gutmann. Der 59-Jährige gilt als Koryphäe auf dem Gebiet der Naturerlebnisbäder.

„Der Trend kommt ursprünglich aus Österreich“, so Gutmann. Die ersten deutschen Freizeitbäder dieser Art, deren Wasser biologisch gereinigt wird, seien vor etwa 20 Jahren entstanden. Das Großenhainer Bad zählte zu den Vorreitern. Geplant wurde es von Rainer Grafinger, der damals als der Naturbad-Guru Deutschlands galt. Doch mittlerweile ist er untergetaucht. Denn mehrere von ihm konzipierte Naturerlebnisbäder teilen das gleiche Schicksal wie das Großenhainer. Sie funktionieren nicht. Die Kommunen haben deshalb Grafinger auf Schadensersatz verklagt.

Gutmann, der bereits mehrfach Grafingers Bäder für Gerichtsverfahren begutachten musste, nimmt ihn sogar ein klein wenig in Schutz. „Der Mann war eigentlich gut“, sagt Gutmann, denn Grafinger habe als einer der ersten die Idee der Naturerlebnisbäder nach Deutschland getragen und sie hier populär gemacht. Das sei sein Verdienst. „Man muss zu seiner Ehrenrettung auch sagen, dass es damals noch wenig technische Erfahrungen mit Naturbädern in Deutschland gab“, so Gutmann. Die Rohre in den Pumpanlagen hatte Grafinger aus heutiger Sicht zu klein dimensioniert. Auch andere Mängel habe der einstige Naturbad-Guru nie behoben, „was ich nicht verstehen kann“, sagt Gutmann.

Großenhain war das dritte missglückte Naturerlebnisbad aus der Feder Grafingers, dass Gutmann begutachtete. Das war 2009. Mittlerweile sind es fünf derartige Fälle, die auf seinen Schreibtisch gelandet sind.

Dabei sind die Naturerlebnisbäder ursprünglich nur ein Hobby des Bauingenieurs gewesen. Eigentlich planen er und seine zehn Mitarbeiter Hoch- und Tiefbaumaßnahmen. „Mittlerweile ist es aber ein ernsthafter Zweig unserer Arbeit geworden“, erzählt Gutmann. Sein Ingenieurbüro plane jährlich mindestens ein Freibad. Zurzeit sind es sogar drei. Zwei in Bayern und eines im baden-württembergischen Gaggenau. Letzteres ist die Heimatstadt des Unimog. Das dortige Naturbad soll viermal so groß wie das Großenhainer werden.

Eher zufällig sei der Wasserbau und insbesondere die Planung von Naturbädern in das Repertoire von Gutmanns Ingenieurbüro hinzugekommen. Mittlerweile kann er auf 20 Jahre Erfahrung in diesem Metier zurückgreifen, ist einer von deutschlandweit zwei öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen. Zudem ist er Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für naturnahe Badegewässer, die 1999 gegründet wurde. „Unser Verband hat viel Pionierarbeit auf diesem Gebiet geleistet“, sagt Gutmann. Diese Gesellschaft erstellte Qualitätsnormen, schuf ein Gütesiegel und schult Firmen, die Freibäder mit biologischer Wasseraufbereitung bauen wollen.

Da ist es die logische Konsequenz, dass die Stadt Großenhain für den Umbau ihres Naturerlebnisbades diesmal den Profi rangelassen hat. Gutmanns Idee war es auch, den Wasseraufbereitungsbereich vom Rand in die Mitte des Badeteichs zu versetzen. Das spart lange Pumpwege und somit Stromkosten. Zudem werden doppelte Filter eingebaut, um eine bessere Reinigung des Wassers zu erreichen.

Bei der Planung habe Gutmann auch auf die Erfahrung des langjährigen Bademeisters Christian Thiel zurückgegriffen. „Ich kenn ihn schon seit einigen Jahren. Der Mann ist unbezahlbar“, sagt er würdigend. Und auch von dessen Nachfolger sei er begeistert. „Er ist vom gleichen Schlag.“

Überhaupt sei der Schwarzwälder von den Sachsen sehr angetan. Um ein Haar wäre er fast ein Sachse geworden. Als junger Bauingenieur arbeitete er von 1990 bis 1993 in Dresden, lernte dabei sächsische Kollegen kennen und schätzen. Mit einigen ist er immer noch befreundet. Deshalb nutzt er seine Arbeitsreisen nach Großenhain auch dafür, die Freunde in Dresden zu besuchen. So wie in dieser Woche.