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Montag, 06.09.2010

Landratsamt baut ein regionales Google Maps auf

Ein neuer interaktiver Atlas hilft den Mittelsachsen, ihren Kreis zu entdecken. Er findet Museen, Kitas und sogar Windkraftanlagen.

Von Carsten Gäbel

Das Landratsamt Mittelsachsen hat eine Art Google Maps für den Kreis aufgebaut. Seit 1. September ist der Mittelsachsen-Atlas online. Nachdem einige besonders Interessierte das Werkzeug bereits seit einigen Tagen testen, ist das Landratsamt jetzt damit an die Öffentlichkeit getreten. Der interaktive Atlas ist Karte, Wegweiser und Reiseführer in einem. Die Mittelsachsen könnten mit Hilfe des neuen Atlasses leichter die unbekannten Ecken des größer gewordenen Landkreises entdecken. Zugezogene hätten die Möglichkeit, sich mit Hilfe der Online-Karte schnell am neuen Ort zurechtzufinden, sagte Uwe Weigel, Fachbereichsleiter IT im Landratsamt. Er hatte die Idee zum Mittelsachsen-Atlas und leitet das Projekt.

Warum eine regionale Karte, wenn es Google Maps gibt?

Der Mittelsachsen-Atlas sei detaillierter als internationale Angebote wie Google Maps, Bing Maps oder Yahoo Maps, sagt zumindest Uwe Weigel. Seine Stärke seien die lokalen Informationen. Über die Suchfunktion findet der Atlas Museen, Schulen, Tagesmütter und sogar Windkraftanlagen. In Kürze sollen sich auch alle rund 200 im Landkreis befindlichen Kindertagesstätten per Mausklick finden lassen. Nutzer können ihre Suche einschränken. Die Eingabe „Musikschule Döbeln“ zeigt beispielsweise die Musikschule „Carl Philipp Emanuel Bach“ an der Döbelner Straße des Friedens an. Bisher gibt es Schlagworte in neun Kategorien wie „Soziokultur“ und „Horte“. Weitere Bereiche sollen folgen.

Wie kommt das Landratsamt an die Daten?

Das Landratsamt und seine nachgeordneten Behörden führen ohnehin Listen verschiedenster Einrichtungen von der Tagesmutti bis zur Windkraftanlage. In dem Mittelsachsen-Atlas werden sie erstmals zusammengeführt. Im Hintergrund der Software haben die Behördenmitarbeiter ein Computerprogramm aufbauen lassen, mit dem sie diese Adresslisten effektiver pflegen und aktualisieren können, als das bisher mit Excel-Tabellen geschehen konnte. „Dem Datenschutz tragen wir Rechnung“, so Weigel. Die Informationen werden so oft aktualisiert, wie sie erhoben werden. Adressen von Kitas werden beispielsweise jährlich zum 30. Juni. Das Kartenmaterial stammt zum Teil vom Geobasisdienst des Freistaates (Luftbilder), zum Teil von frei zugänglichen Quellen wie dem SRTM-Projekt der NASA (Geländeprofilansicht) und dem Projekt OpenStreetMap.

Wie teuer war der Mittelsachsen-Atlas?

Die Karte entstand im Rahmen eines umfangreicheren Projektes des Landkreises, in dem er Geodaten, zum Beispiel topografische Informationen, im Internet verfügbar macht. Dazu verpflichtet ihn die EU-Richtlinie „Inspire“. Die Kosten des gesamten Projektes betragen 93000 Euro, 75 Prozent davon steuert die EU bei (EFRE). Die für das Projekt programmierte Software stellt der Landkreis jedermann zur Verfügung. Andere Kommunen oder Kreise könnten also mit Hilfe der mittelsächsischen Software ein eigene regionale Internetkarte erstellen. „So werden Steuergelder nur ein Mal für die gleiche Sache ausgegeben“, sagt Weigel.