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Samstag, 10.01.2015

Landkreis verliert 380 Baudenkmale

Fast fünf Prozent aller Gebäude mit Denkmalschutz wurden in den letzten 15 Jahren abgerissen. Erschreckend, sagen die Grünen.

Von Franz Werfel

Das Deutsche Haus in Tharandts Stadtmitte war einmal ein Denkmal, zuletzt nur noch eine Ruine unter Denkmalschutz. Im Dezember wurde das Haus abgerissen. Aktuell sind nur noch Trümmer zu sehen.Archivfoto: Münch
Das Deutsche Haus in Tharandts Stadtmitte war einmal ein Denkmal, zuletzt nur noch eine Ruine unter Denkmalschutz. Im Dezember wurde das Haus abgerissen. Aktuell sind nur noch Trümmer zu sehen.Archivfoto: Münch

Seit dem Jahr 2000 sind im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge insgesamt 380 Baudenkmale abgerissen worden. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor. Rund 8 400 geschützte Denkmale hatte demnach der Landkreis Ende November 2014 noch. In den vergangenen 15 Jahren hat er aber 4,3 Prozent aller Baudenkmale eingebüßt. Mit dieser Verlustrate liegt er sachsenweit zwar im Mittelfeld. Wolfram Günther, der Sprecher für Denkmalschutz der Grünen-Landtagsfraktion, sagte aber: „Die Größenordnung dieses unwiederbringlichen Verlustes an gebauter Kultur und Heimat ist erschreckend.“ Der Landkreis hätte ein gewaltiges Potenzial verloren. Wie viele weitere Denkmal-Abrisse im Landkreis aktuell genehmigt oder geplant sind, darüber konnte die Landesregierung keine Auskunft geben.

Die Denkmale können durch finanzielle Mittel zweier Fördertöpfe erhalten werden. Beide wurden in den vergangenen Jahren sukzessive verringert. So wurde das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz, an dem sich Bund und Land je zur Hälfte beteiligen, seit 2009 von 73,5 Millionen Euro auf 55,3 Millionen Euro jährlich gekürzt. Das sächsische Landesprogramm für den Erhalt von Kulturdenkmalen wurde im gleichen Zeitraum von zwölf auf fünf Millionen Euro verkleinert. „Vor allem private Denkmaleigentümer werden mangels ausreichender Förderung alleingelassen“, sagte Günther. Seine Fraktion wolle die sächsischen Förderzuschüsse wieder auf zehn Millionen Euro verdoppeln. Von der Landesregierung aus CDU und SPD erwarte sie ein klares finanzielles Bekenntnis zu den sächsischen Denkmalen.

Dieses wird wohl ausbleiben. Wie ein Sprecher des CDU-geführten Innenministeriums auf SZ-Anfrage mitteilte, soll zwar das sächsische Landesprogramm im Doppelhaushalt 2015/16 mit fünf Millionen Euro jährlich stabil bleiben. Vorausgesetzt, der Landtag stimmt dem Haushaltsentwurf zu. Das Bund-Länder-Programm Denkmalschutz aber soll nochmals deutlich auf 41,2 Millionen Euro verkleinert werden. Aus dem Innenministerium heißt es zu dem Vorwurf der Grünen-Fraktion lediglich: Die Messlatte für Abrissgenehmigungen liege bei denkmalgeschützten Bauten sehr hoch.