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Freitag, 10.08.2018

Lächelnder Protest aus dem Osterzgebirge

Tausende unterschreiben Petition für Botanischen Garten. Jetzt ist der Landtag am Zug.

Von Mandy Schaks

Gartenleiterin Annette Zimmermann übergab Tausende Unterschriften für den Erhalt des Botanischen Gartens an Sven Liebhauser vom Petitionsausschuss (v.l.) und Landtagspräsident Matthias Rößler, mit dabei Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten und der Geschäftsführer der Gemeinnützigen GmbH Naturbewahrung Osterzgebirge Bernd König.
Gartenleiterin Annette Zimmermann übergab Tausende Unterschriften für den Erhalt des Botanischen Gartens an Sven Liebhauser vom Petitionsausschuss (v.l.) und Landtagspräsident Matthias Rößler, mit dabei Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten und der Geschäftsführer der Gemeinnützigen GmbH Naturbewahrung Osterzgebirge Bernd König.

© Robert Michael

Osterzgebirge. Die Audienz bei Landtagspräsident Matthias Rößler und Sven Liebhauser (beide CDU), dem stellvertretenden Vorsitzenden des Petitionsausschusses im Landtag, dauerte am Freitag eine knappe Stunde. Die Osterzgebirgler hätten auch gar nicht nach Dresden fahren müssen, sie hätten ihre Petition einfach mit der Post schicken können. Doch das kam gar nicht infrage. „Wir wollen natürlich unsere Unterschriftenlisten persönlich übergeben“, sagte Annette Zimmermann. Und auch gleich noch ein paar Botschaften senden, damit das ankommt, was die Leiterin vom Botanischen Garten in Schellerhau umtreibt, Kommunalpolitikern genauso wie Mitarbeitern Sorgen macht und viele, viele Naturfreunde auf die Palme bringt.

Denn das ist diesmal zu viel der schlechten Nachrichten. Der Kulturkonvent des Kulturraumes Meißen-Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hat den Botanischen Garten Schellerhau von der Förderung künftig ausgeschlossen – übrigens alle Botanischen Gärten. Nachdem in diesem Jahr die Zuschüsse für Schellerhau auf rund 7 500 Euro halbiert wurden, soll es ab 2019 nicht einen einzigen Euro mehr geben. Diese bittere Pille hat Gartenleiterin Annette Zimmermann mit ihren Mitarbeitern nicht einfach geschluckt. Sie sieht die Existenz der über 100-jährigen Gartenanlage gefährdet, die mehrere Gesellschaftsordnungen überlebt und sich durch ihre Zuchterfolge inzwischen international einen Namen gemacht hat. „Und es stehen auch Arbeitsplätze auf dem Spiel“, sagt sie. Die Anlage wird im Auftrag der Stadt Altenberg von der Gemeinnützigen GmbH Naturbewahrung Osterzgebirge betrieben, die hier zurzeit fünf Mitarbeiter im Einsatz hat, in unterschiedlichen Beschäftigungsverhältnissen. Die Streichung der Fördermittel aus dem Kulturraum tut deshalb so weh, weil es die einzige dauerhafte Zuwendung ist, die der Garten für die Pflege der Anlage bekommt.

Deshalb schaltete Annette Zimmermann die Politik ein. Doch vom Kulturkonvent kam kein Einlenken. So wurde Ende Mai eine Petition für den Erhalt des Botanischen Gartens in Schellerhau gestartet – mit großem Erfolg. 5 448 Leute haben inzwischen unterschrieben, deutschlandweit. Manche Besucher kamen extra noch einmal vorbei, um auch ihren Namen unter die Petition zu setzen. „Das ist echt berührend“, sagt Frau Zimmermann und mache Mut. So gestärkt fuhr sie mit Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler) und Bernd König, dem Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, in den Landtag. Sie kehrten mit einem guten Gefühl ins Osterzgebirge zurück. „Der Landtagspräsident hat den Sachverhalt sehr ernst aufgenommen“, so Kirsten. Der Bürgermeister habe auch versucht, deutlich zu machen, wie wichtig jeder Mosaikstein für die Infrastruktur und den Tourismus in Altenberg ist. „Wenn es an einer Ecke fehlt, muss an einer anderen gespart werden.“ Die Stadt, die schon über 800 000 Euro für freiwillige Aufgaben ausgebe, könne das nicht kompensieren. Nun soll die Petition geprüft, auch das Wissenschaftsministerium einbezogen werden. Das könne drei bis sechs Monate dauern, hat Frau Zimmermann erfahren. Und was macht sie? Unerschrocken einen Förderantrag im Kulturraum für 2019 schreiben.