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Donnerstag, 31.05.2018 Aus dem Gerichtssaal

Kuschelurteil für Intensiv-Schläger

Ein rassistischer Angriff auf einen schwarzen Soldaten endet für den Täter mit großer Milde.

Von Alexander Schneider

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Jamil L., Hauptfeldwebel bei der Bundeswehr
Jamil L., Hauptfeldwebel bei der Bundeswehr

© Archivbild: Rene Meinig

Ein Mann joggt auf der Franz-Liszt-Straße und wird aus einem Auto heraus vulgär angemacht. Der Grund: Der Jogger hat dunkle Haut. „Lauf, Neger, Lauf!“, tönt es aus dem Auto. Und „Scheiß-Neger!“ Der Jogger ist Jamil L., Hauptfeldwebel bei der Bundeswehr, im September 2016 gerade auf einem Lehrgang in Dresden. Mit seinem Handy, das der 39-Jährige in der Hand hielt, fotografiert L. das Auto für eine spätere Anzeige. Doch es kommt anders.

Mike S. (45) springt aus dem Auto, stellt sich vor den Jogger, er beleidigt wieder. Es wird gerangelt, dann schlägt S. mit der Faust dem Soldaten ins Gesicht. Am Mittwoch stand S. wegen Körperverletzung vor dem Amtsgericht Dresden. Er war damals Wachmann bei Lidl am Bahnhof Neustadt. Dort soll er außerdem im April 2017 mit einem Kollegen einen Punker (25) zusammengeschlagen haben, der die beiden provoziert hatte. S. hat 13 Vorstrafen, immer wegen Gewaltdelikten, von Körperverletzung über Raub bis zum versuchten Mord. Zuletzt wurde er 2014 als Prügel-Ordner der Disko Musikpark verurteilt. Dass S. überhaupt jahrelang als Türsteher arbeiten konnte, ist kaum nachzuvollziehen.

Seit einem knappen Jahr könne er aufgrund seiner Herzprobleme nicht mehr arbeiten, klagte S. nun. Das schwache Herz machen er und seine Verteidigerin auch dafür verantwortlich, dass S. sehr unter dem Schubser des Soldaten gelitten habe. Der Richterin machten sie klar, dass S. nur nicht habe fotografiert werden wollen. Und so kam es, dass der offensichtlich rassistische Angriff und die grundlosen Faustschläge im Lidl für S. sehr glimpflich enden. Er wird zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Der Staatsanwalt hatte 13 Monate ohne Bewährung gefordert.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 28 Kommentare

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  1. Max Anders

    Mich ärgert diese Milde genauso wie den Herrn Reporter. Mich ärgert genauso, daß es in unserem hochreglementierten Land möglich ist, mit 13 Delikten in der Polizeiakte im Wach- und Schutzgewerbe unterzukommen. Aber, letztendlich ist es nur konsequent, solange z.B. King Abode mit 2 Dutzend Verfahren am Hals, u.a. wegen Körperverletzung und Waffenbesitz immernoch nicht verurteilt und weggesperrt ist. Und vor 6 Wochen ist ein Türke in Berlin, der eine Jogerin mit einem Ziegelstein fast erschlagen hat, samt Raub des Handys, auf Bewährung verurteilt worden. Da gabs zumindest in der SZ hier keinen Aufschrei über das Rumgekuschel. Von mir aus, könnten die alle länger weggesperrt werden ohne ansehen der Hautfarbe...

  2. Axel Arend

    Wo sind denn auf einmal all die "besorgten Bürger", die ein hartes Durchgreifen bei Straftaten fordern? Aber nein, das ist ja "einer von uns". Ein armes Opfer, das bestimmt eine schwere Kindheit hatte und deshalb ab und zu ein bisschen Dampf ablassen muss und jetzt wegen der ganzen Aufregung auch noch Herzprobleme hat. Da kann man schon einmal etwas Mitleid aufbringen.

  3. ich

    Arbeiten kann dieses Gesindel sicher nicht mehr. Aber Montags mit seinesgleichen laut lärmend hinter Lügen-Lutz seine Kreise ziehen. Dafür reichts dann doch.

  4. Ali B.

    Ich weiß gar nicht wenn ich weniger bemitleiden wollte. Den rechten herzkranken Schläger, Bundeswehrsoldaten oder den auf dem rechten Auge blinden Richter.

  5. werner

    Wenn der Staatsanwalt da nicht sofort in Berufung geht, gehört der gefeuert.

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