erweiterte Suche
Mittwoch, 13.06.2018

Kurierfahrer klaut Pakete aus Freitaler Postdepot

Der Mann hatte es auf technische Geräte abgesehen. Er, seine Frau und ein Nachbar stehen nun aber auch wegen Hehlerei vor Gericht.

Von Stephan Klingbeil

Ein Kurierfahrer aus Dresden soll zwischen Herbst 2014 und März 2015 im Freitaler Postdepot in der Lutherstraße zahlreiche Pakete gestohlen haben.
Ein Kurierfahrer aus Dresden soll zwischen Herbst 2014 und März 2015 im Freitaler Postdepot in der Lutherstraße zahlreiche Pakete gestohlen haben.

© Karl-Ludwig Oberthür

Freital. Immer nachts schlug der 24-Jährige aus Dresden zu. Der Kurierfahrer eines Subunternehmens der Deutschen Post soll monatelang im Freitaler Depot in der Lutherstraße Pakete gestohlen haben. Vor allem auf Smartphones, Fernseher, Laptops und andere technische Geräte hatte es der Mann bei seinen nächtlichen Besuchen zwischen Herbst 2014 und Frühjahr 2015 abgesehen.

Wegen 72 Diebstahlsfällen wird dem Dresdner und seiner zwei Jahre älteren Lebensgefährtin sowie einem seiner Nachbarn nun am Amtsgericht Dippoldiswalde der Prozess gemacht. Da sie das Diebesgut später auch verkauft haben sollen, wird dem Trio auch Hehlerei vorgeworfen.

Laut Staatsanwaltschaft hatte es gedauert, bis man dem Hauptangeklagten und seinen beiden Komplizen auf die Spur kam. Mehrere Versuche, die Ware vor Diebstahl effektiv zu schützen, waren zuvor gescheitert. Zunächst sollen die Pakete in einem für Kurierfahrer zugänglichen Lager deponiert worden sein. Nach den ersten Diebstahlsfällen wurden einige Versandwaren in einem extra Raum abgestellt. Doch der nun angeklagte Deutsche habe die verschlossene Tür mit wenig Gewalt aufbekommen. Auch ein Schloss und ein Käfig für die Pakete hielten den Mann nicht auf.

Erst im März 2015 flog der Angeklagte auf. Er und seine deutsche Partnerin lösten dort stummen Alarm aus. Die Polizei ertappte sie auf frischer Tat und nahm sie fest. Die gemeinsame kleine Tochter hatten die beiden damals in ihrer Dresdner Wohnung vor dem Fernseher zurückgelassen – so wie an anderen Abenden auch, als sie gemeinsam zur Diebestour nach Freital aufgebrochen waren.

„Es war wie ein Zwang gewesen, und eigentlich wollte ich damals schon aufhören, doch dann hatten wir uns entschlossen, das noch einmal durchzuziehen“, erklärt der Kurierfahrer. Dann kam die Polizei dazwischen. „Eigentlich gut, dass es dann gestoppt wurde“, so der Beschuldigte.

Alles habe 2014 mit einem sperrigen Paket mit einem Fahrradrahmen angefangen. Immer wieder fuhr er es aus, irgendwann nahm er es an sich und verkaufte es über das Internet. „Ich dachte damals, ich probiere es einfach mal. Ich war naiv, machte mir über die möglichen Folgen keine Gedanken“, erklärt der Mann.

Er wollte mal „besser sein als andere“, sich auch etwas leisten können. In der Zeit habe er sich auch einen Audi A 6 gemietet. Den wollte er schon immer gerne fahren. Mit dem Verkauf des Diebesguts finanzierte er auch die monatlichen Raten.

Der 24-Jährige, der inzwischen wieder für einen Kurierdienst fährt, verkaufte die Hehlerware damals meist zu einem Viertel oder zur Hälfte des Neupreises an Bekannte oder reagierte auf Anzeigen, die er las. Es entstand ein Gesamtschaden von 24 000 Euro, von dem er nach einem Vergleich mit der Post 14 000 Euro zurückgezahlt habe.

Geständnis nach Absprache abgelegt

Auch in Berlin hatte der Kurierfahrer einen Abnehmer, dem er oft Diebesgut verkaufte, und gegen den auch ermittelt wurde. Seine Partnerin und der Nachbar halfen ihm. Der 32-jährige Mitangeklagte soll aber irgendwann mehr Geld gefordert haben als seinen Anteil am Verkauf. Es kam zum Streit. Das zeigen einige der Nachrichten auf den Handys der Angeklagten, mit denen die Ermittler später die Geschäfte des Trios aufdeckten.

Nachdem die Angeklagten zunächst schwiegen, gestanden sie am Mittwoch. Im Gegenzug wurde bei einer Absprache vor Gericht jeweils ein Strafrahmen festgelegt. Demnach müssen die drei Dresdner mit unterschiedlichen Bewährungsstrafen zwischen sechs Monaten und zwei Jahren rechnen. Der Prozess wird fortgesetzt.