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Samstag, 24.03.2007

Kunstfestival will Nischel in den Westen verfrachten

Diese Idee ist kaum zu glauben: Ein Kunstfestival aus Westfalen will sich den Nischel borgen - den ganzen Sommer lang. Die Chemnitzer Kulturamtsleiterin Petra Borges bestätigt: „Die Anfrage, das Karl-Marx-Monument auszuleihen, ist schon vor Wochen an uns gestellt worden.“

Von Mario Adolphsen

Die Idee für das tollkühne Projekt stammt von Meimantas Narkevicius, einem der bekanntesten Künstler Litauens. Er will den Nischel in seine Einzelteile zerlegen, abtransportieren und zum Kunstfestival „Skulptur Projekte Münster“ wieder aufbauen. Dieses Festival findet nur alle zehn Jahre statt und gehört zu den renommiertesten weltweit: Zur letzten Ausgabe im Jahr 1997 kamen 500000 Besucher.

„Der ersten Anfrage stand die Stadt ablehnend gegenüber“, stellt Petra Borges klar. Schließlich sei das Monument des Ukrainers Lew Kerbel zu bedeutsam für die Stadt. Doch das Kunstfestival blieb hartnäckig, ging noch weiter auf Chemnitz zu. Eine gut unterrichtete Quelle bestätigte, dass alle anfallenden Kosten von den Organisatoren aus Münster bezahlt werden. Sollten sie die Genehmigung bekommen, würde es nicht am Geld scheitern. Knapp sei vor allem die Zeit: Die Skulptur Projekte Münster beginnen bereits in elf Wochen. Vom 16. Juni bis zum 30. September soll der Nischel in der westfälischen Viertelmillionenstadt stehen.

Die Machbarkeitsstudie hat der Chemnitzer Bildhauer Erik Neukirchner erarbeitet: „Technisch ist die Aktion prinzipiell möglich. Allerdings weiß im Augenblick niemand so genau, in welchem Zustand das Gerüst im Inneren des Nischels ist.“ Um das zu überprüfen, bedarf es einer Genehmigung der Stadt. Die ist mittlerweile nicht mehr grundsätzlich gegen eine Ausleihe. Petra Borges: „Natürlich fühlen wir uns geehrt, dass ein Festival von Weltrang bei uns anfragt. Im Augenblick läuft die interne Prüfung.“Ziel der Aktion ist es, eine wichtige Monumentalplastik aus der Zeit des Ostblocks im Westen zu zeigen. Auf Anfrage erklärte der Veranstalter: „Seit 1977 gibt es die Skulptur Projekte Münster. Bis zur Wende wurde Kunst aus dem Osten komplett ausgeblendet. Da haben wir großen Nachholbedarf. Von den Schwierigkeiten - organisatorisch, zeitlich und finanziell - lassen wir uns nicht abschrecken.“