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Mittwoch, 25.04.2018

Kunst oder Kommerz auf der Burgruine?

Künstler aus Wehlen wünschen sich eine kulturelle Nutzung der Anlage. Die Stadt will lieber Touristen anlocken.

Von Nancy Riegel

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Die Künstler Anne Kern und Dirk Großer haben an der Ausstellung im Torhaus Wehlen mitgewirkt, Madame Rosa (v.l.) wird zur Eröffnung eine historische Führung anbieten.
Die Künstler Anne Kern und Dirk Großer haben an der Ausstellung im Torhaus Wehlen mitgewirkt, Madame Rosa (v.l.) wird zur Eröffnung eine historische Führung anbieten.

© Norbert Millauer

  • Die Künstler Anne Kern und Dirk Großer haben an der Ausstellung im Torhaus Wehlen mitgewirkt, Madame Rosa (v.l.) wird zur Eröffnung eine historische Führung anbieten.
    Die Künstler Anne Kern und Dirk Großer haben an der Ausstellung im Torhaus Wehlen mitgewirkt, Madame Rosa (v.l.) wird zur Eröffnung eine historische Führung anbieten.
  • So belebt wie auf dem Foto ist das Plateau über dem Stadtkern nur selten. Nur wenigen ist die Burgruine ein Begriff.
    So belebt wie auf dem Foto ist das Plateau über dem Stadtkern nur selten. Nur wenigen ist die Burgruine ein Begriff.

Stadt Wehlen. Schritt für Schritt geht es aufwärts. Bauch einziehen, Arme anlegen, Füße heben. Der Aufstieg zur Burgruine in Stadt Wehlen führt über mehrere enge Treppen. Wer ihn bezwingt, den entlohnt ein fantastischer Blick Richtung Elbe. Viele Touristen genießen diesen mehr zufällig denn zielgerichtet. Der Aussichtspunkt im kleinen Wehlstädtchen ist noch relativ unbekannt. Nächstes Jahr feiert die Stadt ihr 750-Jähriges, genauer gesagt, die erste urkundliche Erwähnung der Burg durch Heinrich den Erlauchten. Bis dahin sollen die Mauerreste und das Plateau aber deutlich mehr Besuchern ein Begriff sein.

Die Künstler in Stadt Wehlen fühlen sich von der Wiederauferstehung der Burgruine inspiriert. Zugewachsen, mehr ein Hügel als ein Aussichtspunkt, fristeten die Mauern jahrelang ein verwuchertes Dasein. „Die Burg war nur kurze Zeit von Bedeutung, dann verfiel sie. Nun erwacht sie wieder. So kam uns die Idee zu ‚Illumination Burgberg Wehlen‘ “, sagt Künstler und Kurator Dirk Großer. Im Torhaus eröffnet am Freitag eine Ausstellung mit Malereien, Zeichnungen und Skulpturen, die in Anlehnung an die Ruine entstanden sind. Anne Kern beispielsweise hat sich historische Ansichten der Burg zum Vorbild genommen und zwei Gemälde geschaffen. Den aktuellen Zustand der Burgmauern haben zwei Dresdner Künstler illustriert und die Tschechin Jana Koroleva hat Baumpilze aus Gips nachgestellt. Der Bezug zur Natur, die jahrelang die Oberhand über den einstigen Herrschaftssitz hatte.

Herzstück der Ausstellung ist die Miniatur eines symbolischen Bergfrieds. Eine Holzkonstruktion, die stellvertretend für den Hauptturm der einstigen Festung auf dem Plateau stehen soll. Der in der Ausstellung gezeigte Bergfried ist aber nur die kleine Version. Zum Stadtjubiläum nächstes Jahr soll eine drei mal drei Meter große Ausführung angefertigt werden. Schon von Weitem soll man das Holzgerippe sehen können. Dirk Großer geht noch weiter und wünscht sich eine künstlerische Nutzung der Burgruine „ohne Beschränkungen“, das heißt Ausstellungen, Konzerte, Lesungen. „Keine glattgemähte Touristenmeile.“ Für Anne Kern ist das Plateau im jetzigen, wenig besuchten Zustand ein „besinnlicher Ort.“

Der Verwaltung hingegen ist an einer Belebung gelegen – wenn auch nicht unbedingt mit einem hölzernen Bergfried. „Man kann nicht einfach über den Denkmalschutz hinweg entscheiden und etwas so Großes aufstellen“, sagt Wehlens Bürgermeister Klaus Tittel (CDU). Vor allem, fügt er hinzu, müsse die Historie beachtet werden. Von der einstigen Burg, die erstmals urkundlich 1269 erwähnt wurde und seit dem 16. Jahrhundert nicht mehr bewohnt wurde, ist heute so gut wie nichts mehr übrig. Die letzten Reste des Turms wurden in den 1960ern eingerissen. Lediglich die Außenmauern sind heute noch zu sehen. Wie die Festung tatsächlich aussah, weiß niemand so genau. Tittel warnt davor, die Geschichte der Burg zu verfälschen, auch wenn es mit künstlerischem Hintergrund geschieht. Der Gemeinde sei vielmehr daran gelegen, das Plateau zu einem Anziehungspunkt für Touristen zu machen. Irgendwann einmal sollen Besucher oben verköstigt werden. Einer kulturellen Nutzung sei man zwar nicht abgeneigt, betont der Bürgermeister. „Man könnte durchaus Kunstexponate aufstellen. Aber doch bitte nicht das gesamte Areal verkünsteln.“

Das würde auch gegen die Arbeit der Interessengemeinschaft sprechen. Die Burgfreunde verhalfen in diversen Arbeitseinsätzen der Burgruine aus ihrem Winterschlaf. Bäume wurden gefällt, Sitzmöglichkeiten geschaffen, die Geländer erhielten einen Anstrich. Eine körperlich anstrengende Arbeit, die keine Kapazitäten für den Aufbau und die Absicherung von Ausstellungen auf der Ruine ließe, sagt Tittel.

Ausstellung „Illumination Burgberg Wehlen“, 27.4. bis 31.5. im Torhaus Stadt Wehlen, Sa. und So., 10-18 Uhr; Eröffnung am 27.4., 19 Uhr mit historischer Führung und Minnesang