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Freitag, 30.06.2017

Zuflucht in der Geschlossenen

Im Arte-Film „4 Könige“ landen vier Jugendliche über die Weihnachtsfeiertage eher unfreiwillig in der Psychiatrie.

Von Britta Schmeis

Zu viert in einem Boot: Das Schicksal von vier Jugendlichen mit angeknacksten Seelen setzt der Film „4 Könige“ berührend in Szene.
Zu viert in einem Boot: Das Schicksal von vier Jugendlichen mit angeknacksten Seelen setzt der Film „4 Könige“ berührend in Szene.

© dpa

Ungewöhnlicher Freitagabend im deutschen Fernsehen: Verantwortlich dafür ist die U 21-Nationalmannschaft des Deutschen Fußballbunds, die nach dem Erfolg im Halbfinale gegen England das Endspiel der Europameisterschaft erreichte und am Freitag gegen Spanien antritt – im ZDF. Der Privatsender RTL änderte daraufhin sein Programm und verschob die Premiere seiner Spielshow „The Wall“ auf Samstag. Der Kultursender Arte dagegen bleibt beim Programm und zeigt den Kinofilm „4 Könige“ aus dem Jahr 2015.

Der spielt in den Weihnachtstagen, an denen sich so mancher wegen all des Stresses mit Fluchtgedanken trägt. Auch die Jugendlichen Alex, Lara, Timo und Fedja reißen aus und landen – wie und ob freiwillig, wird nie ganz klar – in der Psychiatrie. Ein Glück für die vier Heranwachsenden. Denn die Klinik wird zum Zufluchtsort. „4 Könige“, das Kinodebüt von Theresa von Eltz, war bereits bei mehreren internationalen Festivals zu sehen.

Lara ist das Bad Girl. Immer ein bisschen zu viel Lippenstift, ein zu tiefer Ausschnitt, ein zu derber Spruch. Später wird sich herausstellen, dass sie als Dreijährige ihren Zwillingsbruder verloren hat. Die Bürde der Überlebenden scheint sie nicht ertragen zu können. Ihre Eltern scheinen ihr nie verziehen zu haben. Das Scheidungskind Alex kann die Depressionen und die damit verbundenen emotionalen Erpressungen seiner Mutter nicht mehr aushalten – und verletzt sich selbst.

Fedja wirkt tief verstört. Auch er hat Narben an Körper und Seele – als Mobbingopfer seiner Mitschüler. Und der aggressive, unberechenbare Timo kommt aus der „Geschlossenen“. Warum, weiß man nicht so recht.

So bedrückend dieser Film beginnt, so berührend entwickelt er sich, trotz oder vielleicht auch wegen der schonungslosen Bilder und Szenen. Völlig abgeschieden liegt diese Klinik im Wald, wie ausgestorben wirkt das Haus. Die Psychiatrie wird zum Freiraum, der den „4 Königen“ Hoffnung auf ein freieres Leben auch außerhalb des Mikrokosmos gibt.

„4 Könige“ am Freitag um 20.15 Uhr auf Arte