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Donnerstag, 11.10.2018

Wo die Noten das Fliegen lernen

Von Monika Melchert

Neben Webers Winzerhaus wird auch Wagners Bayreuther „Villa Wahnfried“ im Bildband vorgestellt. Foto: Marcus Ebener
Neben Webers Winzerhaus wird auch Wagners Bayreuther „Villa Wahnfried“ im Bildband vorgestellt. Foto: Marcus Ebener

© Thomas Koehler

Anfangs hatte es Carl Maria von Weber schwer in Dresden; dem Publikum schien er fremd. Doch als er 1817 zum Kapellmeister der sächsischen Hofkapelle auf Lebenszeit berufen wurde, konnte er die Zuhörer immer mehr für sein Konzept der neuen deutschen Oper begeistern. Um in den Sommermonaten zur Ruhe zu kommen, mietete er ein Feriendomizil vor der Stadt, ein schönes altes Winzerhaus. Dieser idyllische Landsitz in Hosterwitz wurde schon 1836, zehn Jahre nach dem Tod des Komponisten, als Gedenkstätte eröffnet und lädt noch heute zum Besuch ein.

Der Autor Bodo Plachta und der Fotograf Achim Bednorz waren nach ihrem Buch „Dichterhäuser“ erneut auf den Spuren berühmter Künstler unterwegs. Diesmal folgten sie Komponisten und Virtuosen. Entstanden ist wiederum ein zauberhafter, prachtvoll ausgestatteter Band. Man folgt der verführerischen Einladung nur zu gern: Da gibt es großzügige Villen, repräsentative bürgerliche Wohnungen oder stille Landhäuser, in die sich Musiker aus dem Trubel der Städte zurückzogen.

Man kann sich die Atmosphäre vorstellen, in der die Meister komponiert, musiziert und zumeist auch mit ihrer Familie gewohnt haben. Man möchte die Musik der einstigen Hausherren in diesen schönen, sorgsam bewahrten Häusern hören, wenn man durch die Salons oder „Komponierstuben“ geht, vorbei an historischen Möbeln und kostbaren alten Instrumenten.

In Deutschland und vielen europäischen Ländern existieren Gedenkorte für bedeutende Komponisten aus fünf Jahrhunderten, die man heute besuchen kann. Dazu zählen Bach, Händel, Mozart, Beethoven, Schubert und Schumann, Puccini und Verdi. Die Reihe reicht bis ins 20. Jahrhundert zu den Häusern von Maurice Ravel, Gustav Mahler, Richard Strauss oder Arnold Schönberg. Und natürlich darf in einem solchen Band die Villa „Wahnfried“ in Bayreuth nicht fehlen, in der Richard Wagner 1874 endlich den luxuriösen Fixpunkt seines unruhevollen Lebens findet, dessen frühe Jahre gleichwohl auch in Dresden ihre Wurzeln hatten.

Den großen Musikzentren Wien und Leipzig ist viel Aufmerksamkeit gewidmet. Doch eine ebenso wichtige Rolle spielen die historischen Details einer jeden Künstlerexistenz. In einfühlsamen Porträts entwickelt Bodo Plachta das Charakteristische jedes Musikerdaseins. Achim Bednorz, als Architekturfotograf seit Langem bekannt, führt in zumeist großformatigen Aufnahmen ganz nah hinein in die Interieurs, die den Klang im Raum erlebbar machen.

Bodo Plachta (Text), Achim Bednorz (Bild):

Komponistenhäuser. Wohn- und Arbeitsräume

berühmter Musiker aus fünf Jahrhunderten,

DVA, 192 Seiten, 50 Euro

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