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Dienstag, 16.06.2015

Vulkan in Stille

Sein Gespür für Außenseiter und Aufbrecher zeigt Jonas Friedrich Leonhardi am Staatsschauspiel Dresden. Auch dafür bekommt er jetzt den Erich-Ponto-Preis.

Von Rafael Barth

Ein ausgezeichneter Schauspieler: Jonas Friedrich Leonhardi
Ein ausgezeichneter Schauspieler: Jonas Friedrich Leonhardi

© dpa/A.Burgi

Da will es einer unbedingt schaffen. Er strengt sich an mit ganzer Kraft. Doch so sehr der Europäer Karl Roßmann in den USA um eine neue Existenz kämpft: Immer wieder entgleitet ihm der Boden unter den Füßen, rutscht und schlittert er in einem riesigen Rad. Das kreisende Monstrum beherrscht die Bühne von „Amerika“ am Dresdner Schauspielhaus. In der Hauptrolle behauptet sich Jonas Friedrich Leonhardi mit viel Sportsgeist und hübsch gespielter Naivität. Diese Leistung zahlt sich nun aus. Nach der Vorstellung nächste Woche Freitag erhält Leonhardi den Erich-Ponto-Preis vom Förderverein des Staatsschauspiels.

Es spricht für die Jury, dass sie nicht auf Nummer sicher geht und keinen der gesetzten Jungstars auszeichnet. Sondern einen, der sein Talent zum langsamen Erforschen seiner Figuren nutzt. Jemand, der „aus einer großen Stille heraus“ agiert, wie Wilfried Schulz gestern sagte. Der Intendant hatte vor zwei Jahren den Studenten Leonhardi vom Schauspielstudio seines Hauses direkt ins Ensemble geholt. Der Neue gab seinen Einstand als autistischer Junge, der trotz enormer innerer Widerstände alleine verreist: „Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone“ wurde in Dresden erstmals auf Deutsch gezeigt und zum Dauerbrenner des Spielplans.

Ein bisschen was von der Hauptfigur steckt auch im Darsteller, der ein Gespür für Außenseiter hat. Jonas Friedrich Leonhardi, geboren 1990 in Oschatz, aufgewachsen als eines von fünf Kindern, war in der Schule in Radebeul immer recht ruhig. Die Mutter schickte ihn zur Jugendtheaterwerkstatt nach Dresden. Gleich beim ersten Anlauf schaffte er die Aufnahmeprüfung für das Schauspielstudium in Leipzig. Dort bekam er während einer Übung den Namen „Jonas, der Vulkan“, weil er aus seiner typischen Zurückhaltung heraus flugs eine Explosion auslösen kann. Von diesem Wechselspiel kann man sich nächstes Jahr auch im Fernsehen überzeugen. Im ARD-Film „Heute ist nicht alle Tage“ über das NSU-Terrortrio spielt Leonhardi den Cousin von Beate Zschäpe, einen Punk, der zum Neonazi wird.

Vom Dresdner Theater geht der Schauspieler im kommenden Jahr mit Intendant Schulz nach Düsseldorf. „Alle Schilder haben immer zur nächsten Station gewiesen“, sagt der 24-Jährige. Der Erich-Ponto-Preis soll Leonhardi auf dem Weg unterstützen. Die Auszeichnung ist mit 5 000 Euro dotiert und geht alle zwei Jahre an ein junges Mitglied des Ensembles.

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