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Montag, 09.07.2018 Der Krimi am Sonntag

Von Dönerstan nach Pelmenien

Nach dem Flop an der Kinokasse lief Til Schweigers „Tschiller – Off Duty“ nun als TV-„Tatort“. Nach einer Stunde Laufzeit findet der Film endlich zu sich.

Von Oliver Reinhard

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Unser Mann in Moskau: Nick Tschiller (Til Schweiger) sucht seine entführte Tochter, die als lebende Bombe einen Oligarchen töten soll. Dass es dabei ordentlich knallt, ist selbstverständlich.
Unser Mann in Moskau: Nick Tschiller (Til Schweiger) sucht seine entführte Tochter, die als lebende Bombe einen Oligarchen töten soll. Dass es dabei ordentlich knallt, ist selbstverständlich.

© ARD

Viele zerrissen sich vor zwei Jahren die Mäuler darüber: Til Schweiger durfte nach zwei Einsätzen als Tatort-Kommissar Nick Tschiller das Finale des Dreiteilers mit Unterstützung des NDR, also subventioniert von Rundfunkbeiträgen, zuerst ins Kino bringen. Doch seine Hoffnung, dort mit harter Action zu punkten, erfüllte sich nicht. „Tschiller – Off Duty“ ging mit lediglich einer guten Viertelmillion Zuschauer baden. Am Sonntag lief er nun dort, wo er ursprünglich hinsollte: im Fernsehen.

Die Story setzt an, wo der zweite Schweiger-Tatort endete: Nach dem Tod der Mutter leidet Tschillertochter Lenny (Luna Schweiger) darunter, dass sich ihr Vater nicht auf die Jagd nach dem Mörder Firat (Erdal Yildiz) macht. Also fliegt die 17-Jährige selbst nach Istanbul, kauft sich eine Waffe, will den Killer killen, wird aber geschnappt und als Prostituierte nach Moskau verschifft. Dort soll sie als lebende Bombe einen Oligarchen platzen lassen, dessen Stellvertreter selber gern Boss wäre. Der entsetzte Papa reist Lenny natürlich hinterher, erst in die Türkei und dann, mithilfe von Tschillers Kumpel-Kollegen Yalcin (Fahri Yardim), nach Moskau.

Auch im Ersten durfte diese Räuberpistole in ihrer stolzen Länge von 135 Minuten laufen. Und tatsächlich hat das Team um Schweiger und den Tschiller-Tatort-Regisseur Christian Alvart „in Sachen Action noch mal zwei, drei Schippen draufgelegt“, wie Alvart versprochen hatte. Fürs Kino war das zwar nicht genug. Denn nicht nur die obligatorischen Istanbul-Szenen mit der obligatorischen Verfolgungsjagd über die Dächer funzten in den Blockbustern „96 Hours“ und James Bonds „Skyfall“ einfach besser. Ganz abgesehen von der erstaunlich talentfreien Luna Schweiger.

Aber dann, nach einer guten Filmstunde, hört das Tschiller-Getriebe auf zu ruckeln, läuft der Film immer runder und findet zu sich. Plötzlich stimmt das Erzählen, stimmt die Spannung, stimmt die Action, stimmt das Verhältnis aus blöden und guten Gags. Plötzlich wird der Blick frei darauf, dass sich das Ganze auch kameratechnisch, lichtmäßig und musikalisch sehen lassen kann. Kurz: dass diese Nummer mit all ihrem Rumsbums und Ballerballer und „Fuckfuckfuck“ gegen die große (US-) Kinokonkurrenz zwar nicht anstinken, aber im Fernsehen durchaus eine Duftmarke des Besonderen setzen kann.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 8 Kommentare

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  1. Manfred Hengst

    Schon wer die Produktionskosten für den Schmarren genehmigt hat sollte sofort entlassen werden. Es gibt doch schon genügend Ballerfilme aus den USA bei den Privaten, da muss die ARD nicht auch noch mitziehen. Schon das die Handlung zu den Türken und Russen verlagert wird, zeit die geistige Größe, alles Böse kommt von dort. Auch zweifel ich das jemand Till Schweiger sein nuscheln abgewöhnen kann.

  2. J.G.

    Ich zahle die Zwangsbebühren per Überweisung am letzten Tag des Monats - und nehme mir die Freiheit, den Fernseher bestenfalls bei Sportereignissen einzuschalten. Wer ist also Till Schweizer ?

  3. M. Ludwig

    Nach 10 Minuten Tatort haben wir das Programm gewechselt, ich habe fast kein Wort verstanden.

  4. O.M.

    Da war Deutschland gegen Südkorea noch ultra spannend dagegen.

  5. colate

    Zur Qualität der Schweiger-Filmchen bedarf es keiner tiefschürfenden Interpretationen. Die einzigen Sender in die ich noch reinschaue sind ARTE, Phönix und 3 SAT und damit ist Ende im Fernsehgelände.

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